Brandenburg: Wildursprungsscheine sind aus

Vorerst keine Ausgabe von Wildursprungsscheinen

Dreißig Jahre nach der Wende bietet die Brandenburger Verwaltung den Bürgern noch immer die Möglichkeit, sozialistische Mangelwirtschaft hautnah zu erleben: Die Untere Jagdbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark informierte auf der gestrigen Sitzung des Jagdbeirates, bei der die Abschusspläne für das Jagdjahr 2019/20 beraten wurden, dass durch die Oberste Jagdbehörde des Landes Brandenburg bisher keine Wildursprungsscheine und Wildmarken zur Weitergabe an die Jagdausübungsberechtigten bereitgestellt wurden. Der dafür rechtlich verbindlich vorgesehene Stichtag ist der 28. Februar eines Jahres. Es sei nicht absehbar, wann die Unteren Jagdbehörden in Brandenburg diese nun erhalten werden.

Die Mitglieder des Jagdbeirates des Landkreises Potsdam-Mittelmark reagierten mit Unverständnis auf diese haltlose Situation. Sie wiesen darauf hin, dass jedes erlegte und für den menschlichen Verzehr vorgesehene Stück Schalenwild (Rot-, Dam-, Muffel-, Reh- und Schwarzwild) im Land Brandenburg nach den rechtlichen Vorschriften durch den Jäger mit einer Wildmarke zu versehen und für diesen einen Wildursprungsschein auszustellen ist.

Insbesondere für erlegtes Schwarzwild sei dies von besonderer Bedeutung, da nach EU-wildhygienerechtlichen Vorschriften zusätzlich eine Untersuchung auf Trichinen bei einem zugelassenen Tierarzt zu erfolgen hat. Dieser nimmtdie Untersuchungsproben jedoch nur zusammen mit einem ausgefüllten Wildursprungsschein an. Auch Wildhändler dürfen vom Jäger erlegtes Wild nur zusammen mit einem ausgefüllten Wildursprungsschein und angebrachter Wildmarke annehmen.

Da Schwarzwild bereits seit dem 1. April bejagt werden darf, ist bei dieser Problemlage völlig ungeklärt wie eine Reduzierung der Schwarzwildbestände im Zeichen der drohenden Gefahr des Ausbruches der Afrikanischen Schweinepest erfolgen kann. Auch die Verhütung von Wildschäden auf den Feldflächen, derzeit erfolgt die Frühjahrbestellung der Äcker, ist in Gefahr. Jäger erlegen Wild jedoch nicht für die Abfalltonne, sondern wollen dieses einer sinnvollen Verwertung als hochwertiges Lebensmittel dem menschlichen Verzehr zuführen. Dies ist ohne Ursprungszeichen nicht zulässig.

Noch vorhandene Wildmarken der Vorjahre dürfen weiterhin verwendet werden. Die Verwendung von Wildursprungsscheinen der Vorjahre ist nur mit Angabe der DVO (EU) 2015/1375 zulässig.

Die Untere Jagdbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark hat keinen Einfluss darauf, wann die fehlenden Wildmarken und Wildursprungsscheine zur Verfügung gestellt werden können. Sie bittet daher bei Fragen, sich diesbezüglich direkt an das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, Oberste Jagdbehörde https://mlul.brandenburg.de zu wenden. PM

Beitragsbild: Wildursprungsschein (Archivbild). Foto: SE

8 Gedanken zu „Brandenburg: Wildursprungsscheine sind aus

  1. Chris

    „Dreißig Jahre nach der Wende bietet die Brandenburger Verwaltung den Bürgern noch immer die Möglichkeit, sozialistische Mangelwirtschaft hautnah zu erleben„…
    was heißt da „noch immer“?
    Hierbei handelt es sich doch um ein Zukunftsmodell, das zur Zeit (wieder) groß im Kommen ist…

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  2. js

    Aber wehe, wenn sich der Bürger erdreistet , den TÜV zu überziehen, die Steuererklärung zu spät abzugeben, den Abschussplanvorschlag verspätet einzureichen oder gar die Anmeldung einer erworbenen Waffe zu spät vorzunehmen. Dann trifft ihn die unbarmherzige Keule deutscher Verwaltung mit Ordnungsgeldern, Zwangsfestsetzungen, Erlaubniswiderrufen usw. DAFÜR ist immer Kapazität da.

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  3. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Hier zeigt sich wieder- oder immer noch- dass solch ein wichtiges Dokument in jedem der 16 Bundesländer frei nach Schnauze gebastelt wird. Das ist Krampf pur. Bundeseinheitliche Dokumente sind für den Wildhandel unabdingbar. Aber die kleinen Fürstentümer (sprich Landratsämter ) kämpfen um ihre Daseinsberechtigung.

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  4. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Diese Schlamperei zieht sich doch durch die jagdbürokratische Geschichte des neuen Bundeslandes Brandenburg wie ein roter Faden. Es dauert mehr als ein Jahr, bis aus allen Landkreisen die Streckenzahlen vorliegen, und den entsprechenden Jagdbericht gibt es nur noch alle zwei Jahre! Vor 20 Jahren war Brandenburg in Sachen Jagdbericht Vorbild für andere Bundesländer. Es gab in unserem Land auch mal den sog. Brandenburger Weg, die Einheit von Wild und Lebensraum. Heute forciert die von einseitig informierten Förstern der Ministerialbürokratie, um es dezent auszudrücken, den Krieg gegen das wiederkäuende Schalenwild im Wald und versucht, nun dem ganzen Land diesen Unfug überzustülpen. Mit dem Beginn der Jagd auf Schalenwild im April und Drückjagdende am 31. Januar werden gerade die Wildschäden provoziert, die mit diesen aus Tharandt stammenden fortschrittlichen Bejagungskonzepten verhindert werden sollen. Wenn ich meinen Landwirten erkläre, dass im Sommer Jagdruhe herrscht, fragen die mich, ob ich noch ganz dicht bin. Was im Wald sinnvoll ist, taugt keinesfalls für die anderen 70 Prozent der Landesfläche!

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  5. Rabenstein

    Das ist mal wieder ein echter Klassiker!!! Ostldeutsche Verwaltung wie sie im Buche steht. Und das im Jahre 30 nach der Wiedervereinigung., nicht zu fassen. Die Verwaltung bekommt einfach nichts gebacken, ist aber immer “erster Mann an der Spritze” wenn es darum geht, von den Jagdausübungsberechtigten etwas abzufordern. Der Mensch steht bei der Ostverwaltung halt im Mittelpunkt….. und damit immer im Weg!

    Skandlös ist aber insbesondere das Verhalten der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Die weist einfach und kurz darauf hin, dass sie ja “nicht zuständig” ist und man möge sich doch direkt an das Ministerium wenden.

    Richtig wäre es gewesen, paktikable Wege für die Jagdausübungsberechtigten (JAB) aufzuzeigen, damit diese einen Weg für das weitere Vorgehen bis zur Beendigung der Mangelwirtschaft aufgezeigt bekommen. So könnte man z.B. anregen, dass die JAB Trichinenproben für Schwarzwild vorerst mit einem formlosen Begleitschein an den Veterinär geben und die jeweiligen (notwendigen) Wildursprungsscheine dann nachreichen. Der Veterninär erfasst die Proben dann in seinem Nachweis und schon wäre ein Weg aufgezeigt. Aber auch einen derart praktikablen Weg bekommt die UJB Potsdam-Mittelmark nicht gebacken, wenn ein solcher möglicher Lösungsvorschlag nicht von außen an die UJB herangetragen wird. Selbst agieren ist nicht drin – “total überlastet” die Herren dort.

    Nicht ohne Grund werden große Verwaltungsgebäude in Brandenburg im Volksmund oftmals auch als ” Folivora-Farm” bezeichnet. Irgendwo kommt das ja wohl her. Wer nicht weiß was ein FOLIVORA ist – einfach mal googlen.

    Kurzum: Ein Skandalmehr in der unfähigen öffentlichen Verwaltung im Land Brandenburg und insbesondere im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

    Aber es ist ja viel einfacher zu sagen: “Wendet Euch an die Verantwortlichen – die sind zuständig. Wir = NIX ZUSTÄNDIG. D A S ist der eigentliche Skandal an der Sache.

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