Brandenburg: Wenig Wild wegen Wolf – erste Jäger geben auf

2534 Stück Wild wurden im Jagdjahr 2017/18 im Landkreis Potsdam-Mittelmark erlegt, in besseren Zeiten waren es schon einmal fast doppelt so viele. Während in einigen Revieren in Potsdam-Mittelmark die Welt noch in Ordnung ist, sieht es andernorts düster aus: Zum Beispiel im Südwesten des Kreises, der unmittelbar an das Einstandsgebiet der Wölfe des Dobbrikower Rudels im benachbarten Kreis Teltow-Fläming angrenzt: Das Wild, das die Wölfe nicht aufgefressen haben, weicht den Raubtieren weiträumig aus. Sechs Stück Damwild standen im Abschussplan der Pächtergemeinschaft Wittbrietzen, doch seit drei Jahren kam hier kein Stück Damwild mehr zur Strecke. Die Rehwildstrecke ist um die Hälfte zurückgegangen, wie ein Pächter gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) erklärt. Fünf der neun Pächter haben sich daher jetzt aus der bislang neunköpfigen Pächtergemeinschaft verabschiedet. Sie wollen sich nach besseren Revieren umsehen. Für die verbliebenen vier wird es schwieriger, die Pacht aufzubringen: Weniger Pächter und drastische reduzierte Wildbreteinnahmen sorgen für eine massiv gestiegene finanzielle Belastung der verbliebenen Jäger.

Die Jagdpächter wollen nun versuchen, bei der anstehenden Neuverpachtung des Reviers eine Senkung des Pachtpreises bei den Jagdgenossen durchzusetzen. Ob ihnen das gelingt, oder die langjährigen Pächter anderen das Feld überlassen müssen, wird sich zeigen.

Es zeichnet sich jedoch in vielen Revieren bereits ab, was jahrelang hartnäckig geleugnet und bestritten wurde: Dass die Jagd durch die Wölfe – um es mit äußerster Vorsicht zu formulieren – zumindest lokal schwieriger und erfolgloser wird, Streckenergebnisse rückgängig sind, was die Jagd unattraktiver macht und Pachtpreise sinken lässt. Inwieweit dieser Effekt auf die tatsächliche Dezimierung des Wildes durch den Wolf zurückzuführen ist, oder das Wild weiträumig ausweicht und vorsichtiger und somit schwieriger zu bejagen ist, wird sich zeigen.

Nicht mehr bestritten werden kann, dass es neben Weidetierhaltern vor allem Jäger und Jagdgenossen sind, die die Zeche für den Wolf zahlen – wobei letztere im Gegensatz zu ersteren nicht entschädigt werden. SE

Beitragsbild: Damwild ist im Revier der Pächtergemeinschaft Wittbrietzen ein seltener Anblick geworden. (Archivbild) Foto: SE

Die Red. dankt JAWINA-Leser JM für den Hinweis!

9 Gedanken zu „Brandenburg: Wenig Wild wegen Wolf – erste Jäger geben auf

  1. Franky

    Ein Beitrag, der NABU, PETA, BUND, DTB und alle anderen Tier- und Naturschutzverbände sowie die Motoren der Wolfswiederansiedlung in weiten Teilen dürfte juchzen lassen. Gehört es für manche der bei den o. a. Verbänden organisierten Jagdhasser doch zur Strategie, durch Wiederansiedlung der Großcarnivoren der Jagd das Wasser abzugraben.

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    1. Grimbart

      Genau so ist es. Hardcorebefürworter sehen den Wolf als Vehikel für die Abschaffung oder zumindest Einschränkung der Jagd. Man muss sich allerdings auch vor Augen führen, dass Wild herrenlos ist und es somit keinen Anspruch auf Wild im Revier gibt. Für die betroffenen Reviere gilt es neu zu verhandeln, wenn die Pacht unattraktiv geworden ist. Ich weiß nur nicht ob es so schlau ist mit solchen Klagen an die Öffentlichkeit zu gehen. Jahrzehntelang hat die Jägerschaft sich hinter dem Argument versteckt jagen zu müssen, um die Wildbestände zu regulieren, da die Großprädatoren fehlen. Wenn jetzt geklagt wird, das es kein Wild mehr gibt, entzieht man sich selbst die Daseinsberechtigung.

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      1. Thomas

        Abwarten, … , wie sich die staendige Beunruhigung des Wildes auf die Wildschadensbilanz auswirkt. Die Sauen wird es nicht interessieren, da der Wolf den Sauen nicht in den Mais/Raps folgt. Rotwild wird die Bestaende schaelen und der kleine Rote ‘Waldschaedling’ die Naturverjuengung/Aufforstung verbeissen, immer schoen gedeckt im dichten Bestand. Wer bezahlt das, der Steuerzahler und die Privatwaldbesitzer. Solange noch genuegend ‘Futter’ auf der Weide steht braucht er (der Wolf) sich aber keine grosse Muehe geben.

        Ich habe die Hoffung nicht aufgegeben, dass sich das alles sehr schnell aendern wird, siehe Schweden…
        In einigen Revieren allerdings wird es unattraktiv zu jagen aber nicht insgesamt, bestimmt nicht, solange es Weidewirtschaft und Spaziergaenger (mit Haustieren) gibt.

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        1. O.Belisk

          Woww Thomas… Sie sind ja ein richtiger Kenner! Ständige Beuunruhigung des Wildes, Wildschadensbilanz, Steuerversteher, Weidewirtschaftskenner, sogar was in Schweden läuft wissen Sie… Doch, Sie sind ein wirklicher Kenner, Chapeau! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das haben Sie richtig erkannt. Fragt sich aber immer für wen…

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    2. Kurt

      Ach Franky Boy… seien Sie doch froh wenn jemand der Jagd das Wasser abgräbt, dann brauchen Sie doch nicht mehr bei Wind, Regen und Kälte im Wald rumstehen.

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  2. Kr.-Itisch

    Wann wachen die Grundstückseigentümer bzw. Jagdgenossen und deren Vertretungen eigentlich auf. Hierbei geht es eben nicht nur um sog. Tier- oder Naturschutz (Wiederansiedlung des Wolfes) sondern um Schutz des Eigentums. Man überlässt den ertragreichen Teil des Jagdrechtes dem Wolf (Rot-, Dam- und Rehwild) und den problematischen Teil den Jagdgenossen (Schwarzwild). Wenn überhaupt noch verpachtet werden kann, dann zu erheblichen Nachlassen in den Pachterträgen oder gar Aufwendungen der Jagdgenossen für die Ausübung der Jagd, weil nicht mehr verpachtet werden kann. Es handelt sich hierbei nicht nur um Enteignung, sondern auch um einen Angriff auf unsere demokratische Gesellschaftsform. Absolute Minderheitsmeinungen der Naturschutzszene diktieren der Mehrheit Nachteile und zum Teil erhebliche Kosten oder Verluste. Und das betrifft nicht nur das Thema Jagd, die Liste der Themen ist lang.

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    1. Grimbart

      Manchen Jagdgenossen ist weniger Schalenwild doch ganz recht und nehmen auch geringere Pachterträge gern in Kauf. Ob von dieser Seite Unterstützung zu erwarten ist, bleibt durchaus fraglich.

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  3. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Gegen Dummheit, auch solche beim Kontakt mit der Presse, kämpfen bekanntlich Götter selbst vergebens!

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  4. Hans

    Jäger sollten jegliche Zusammenarbeit bei der ASP mit den Bonzen und Behörden im Land verweigern, bis sich hinsichtlich des Grauen im Land grundsätzlich etwas geändert hat. Sollen doch die selbsternannten Tierschützer die stinkenden Kadaver in der “Wildnis” einsammeln, vielleicht streiten sie sich dann mit dem einen oder anderen Wolf dabei um einen guten Bissen.

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