Brandenburg: Vergrämungsabschüsse von Graureihern und Kolkraben – wirksam aber rechtswidrig?

Die Oberste Jagdbehörde Brandenburgs (OJB) hat in einem Schreiben (das der Red. vorliegt) an die Unteren Naturschutz- und Jagdbehörden mitgeteilt, dass an der seit 2005 gängigen Praxis, Sondergenehmigungen für Vergrämungsabschüsse von Graureihern und Kolkraben auf der Grundlage von § 27 Abs. 1 BJagdG zu erteilen, nicht mehr festgehalten wird. Grund seien Bedenken hinsichtlich der Anwendbarkeit des § 27 BJagdG, auf Grund derer das Ministerium (MLUV) nicht mehr an der vorherigen Rechtsauffassung festhalte.

Graureiher gehören zu den “besonders geschützten” europäischen Vogelarten, obwohl sie als nicht gefährdet (Einstufung gemäß IUCN als “least concern”) gelten. Sie unterliegen dem Jagdrecht, haben aber in Brandenburg ganzjährig Schonzeit. Graureiher hatten erhebliche wirtschaftliche Schäden an Fischteichen verursacht, Kolkraben bei Rinderzuchtbetrieben, wo sie frisch geborene Kälber attackierten. Die “hilfsweise” nach § 27 BJagdG genehmigten Vergrämungsabschüsse hatten sich laut OJB als “wirksam” erwiesen – “im Gegensatz zu anderen Methoden (akustisches Stören, 4 – 6 mal am Tag Kontrollfahrten, Einrichtung besonderer Abkalbestellen etc”, wie es im Schreiben der OJB heißt.

Nach der neuen Rechtsauffassung der OJB kommt § 27 BJagdG für die Genehmigung dieser wirksamen Maßnahmen jedoch nicht mehr in Betracht, weil dieser nur anwendbar sei, wenn ein Überbestand an Wild zu  notstandsähnlichen Situation durch übermäßige Schädigung führt:

Aus dem Schreiben der OJB an UJB und UNB. (Bildschirmfoto)

Maßnahmen nach § 27 BJagdG seien “zur Wahrung öffentlicher Interessen” zu treffen, nicht zum “individuellen Schutz einzelner Betriebe der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft.”

Es fände sich im Jagdrecht auch sonst keine Regelung, nach der der Abschuss einzelner Exemplare ganzjährig geschonter Tierarten zur Abwehr von Schäden in der Land- oder Fischereiwirtschaft zu genehmigen wäre. Einschlägig wäre höchstens § 26 BJagdG, der es Jagdausübungsberechtigten und Grundstückseigentümern gestattet, schadensträchtige Wild von den Grundstücken abzuhalten oder zu verscheuchen.

Das Fazit der OJB:

Schluss der Schreibens der OJB an UJB und UNB Brandenburg. (Bildschirmfoto)

Einen anderen Weg zeigt ein Blick nach Bayern auf: Dort hat der Graureiher eine kurze reguläre Jagdzeit: “Nach § 19 (2) AVBayJG darf die Jagd auf den Graureiher zum Schutz der heimischen Tierwelt und  Verhinderung von wirtschaftlichen Schäden in der Zeit vom 16.09.-31.10. im Umkreis von 200m um geschlossene Gewässer (Fischereigesetz Bayern) ausgeübt werden.”

Beitragsbild: Graureiher (und Möwen) an Fischteich. Foto: SE

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