Brandenburg: “Steinzeit im Ministerium” – Landestierschutzverband kritisiert Bogenjagd

“Seit in der letzten Woche bekannt wurde, dass das Agrar- und Umweltministerium Brandenburg in einem Modellversuch die Jagd auf Wildschweine mit Pfeil und Bogen in Stahnsdorf erlauben will, stehen beim Landestierschutzverband Brandenburg (LTVB) die Telefone nicht mehr still”, erklärt der LTVB in einer Pressemitteilung. Bürger wollten wissen, inwieweit diese Jagdmethode mit dem Tierschutz vereinbar ist. „Die Jagd mit Pfeil und Bogen stammt aus den Anfängen der menschlichen Geschichte“ sagt Ellen Schütze, Vorsitzende des Landesverbandes, „sie hat in der heutigen Zeit nichts zu suchen“.

Der Landestierschutzverband kritisiert scharf, “dass nicht die Ursachen der Wildschweinschwemme bekämpft werden, sondern die Politik nur noch hilflos blinden Aktionismus betreibt.” Unbestreitbar seien Wildschweine, die Felder und Gärten verwüsten, ein Problem. Doch dieses Problem verschwinde nicht, indem die Schweine abgeschossen werden – sie kommen wieder, und zwar in noch größerer Zahl. Dies werde sich auch nicht ändern, solange ein überreiches Nahrungsangebot, wie z.B. auf den zahlreichen Maisfeldern, ständig zur Verfügung steht, meint der Verband.

Statt aber Ideen zu entwickeln, wie die stetige Vermehrung der Wildschweine eingedämmt und verhindert werden kann, werde dort angesetzt, wo es vermeintlich am einfachsten ist: am Symptom, kritisieren die Tierschützer. Aber auch hier herrsche blinder Aktionismus, statt Methoden zu entwickeln, wie die Wildschweine entweder ferngehalten werden können oder, als letzter Ausweg, wenigstens tierschutzgerecht getötet werden, feiere die Steinzeit im Agrar- und Umweltministerium fröhliche Urständ. Die Jagd mit Pfeil und Bogen, laut §19 Bundesjagdgesetz verboten, werde von Minister Vogelsänger mit einer Ausnahmegenehmigung salonfähig gemacht.

„Die Jagd mit Pfeil und Bogen ist aus gutem Grund verboten worden“ so Schütze. Ein geübter Bogenjäger könne vielleicht aus der Nähe ein Tier mit einem genau gesetzten Schuss sofort erlegen. “Vielleicht. Ein nicht tödlich getroffenes Tier wird dann aber schnell aus der Reichweite des Schützen fliehen und an seiner Pfeilverletzung qualvoll verenden”, befürchtet Schütze. PM

Beitragsbild: Pfeilspitze. Foto: privat

7 Gedanken zu „Brandenburg: “Steinzeit im Ministerium” – Landestierschutzverband kritisiert Bogenjagd

  1. Frosch

    Hat Mann/Frau von nichts eine Ahnung kommen solche Ideen auf den Tisch. Bogenjagd passt ja ausgezeichnet in den hippen livestyle Trend. Realistische Lösung: Ein verantwortungsbewusster Jagdausübungsberechtigter + Ausnahmegenehmigung + Jagdwaffe mit Schalldämpfer + geeignete Munitionssorte z.B. RUAG Swiss P Final SR. Ende Gelände. Niemand wird gefährdet, niemand wird belästigt und tierschutzgerecht ist es auch noch. Aber praxisbezogene Lösungsansätze sind unseren Verantwortlichen bereits seit längerer Zeit abhanden gekommen. Aber vielleicht kommt ja ein Consulter oder Arbeitskreis noch dahinter.

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    1. Titus von Unhold

      Es spricht absolut nichts gegen die generelle Zulassung der Bogenjagd – außer der sprichwörtliche Tellerrand, über den man nicht schauen möchte.
      [Link entfernt, admin.]

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    1. Frosch

      Du möchtest aber nicht ernsthaft die Umstände der Jagd in Übersee mit den hiesigen vergleichen? Im Land der unbegrenzten Weitschüsse, in welchem man ein anerkennendes Schulterklopfen nach erfolgreichem 280 yard Schuss aufs Haupt erhält, stehend freihändig natürlich und nein, ich trage keine Loden.

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    2. gos

      Klar sind sie das! Alle sind schlecht, die sich nicht der deutschen General-Moralhoheit anpassen! Wir wissen ja: “Am deutschen Wesen muss die Welt genesen.”

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  2. HW

    Der Bundesverband des Tierschutzbundes führt auf seiner Homepage aus:

    “Die Jagd ist für viele ein Freizeitvergnügen und sie betrachten es als besonderes Privileg, zu einer „Elite” zu gehören. Jäger bezeichnen sich gerne als diejenigen, die die Verantwortung für Tier und Natur übernehmen. Doch ihre Praktiken stehen dazu im krassen Widerspruch: die brutale Fallenjagd zum Beispiel, die Treib- und Lockvogeljagd, die Jagd auf Beutegreifer oder auf Tiere, die in ihrem Bestand gefährdet sind, und die tierquälerische Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren.”

    Eine differenzierte Stellungnahme zum Thema Bogenjagd war aus dieser Ecke mithin nicht zu erwarten.

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  3. Henry

    Ich kann “Frosch ” nur zustimmen . Es gibt genügend Spezialmunition aus dem Bereich der Anti-Terror Ebene , welche als Vollzerleger keinerlei Hinterland Gefährdung darstellen und welche über Sondergenehmigungen , ohne die es sowieso nicht gehen wird , dort zum Einsatz kommen könnten . Das alles in Verbindung mit dem Rest an zur Verfügung stehender Technik in die Hand von Profis – wäre das Problem in kürzester Zeit vom Tisch . Und das die Sauen auch wiederkommen , liegt ja dann wohl an denen , die weiterhin mit der Schubkarre neuen Fraß ausbringen . Wäre in jedem Fall sinnvoller – als mit Pfeil & Bogen und die extrem hohe Schockwirkung wäre sogar wesentlich höher und Tierschutzgerechter . Da braucht es nicht mal einen Hund für die Nachsuche .

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