Brandenburg: Rehwildstrecke in Wolfsgebiet auf “historischem Tiefstand”

Jäger befürchten das “Verschwinden der Rehe”, der Umweltausschusses des Landkreises Spree-Neiße im Südosten Brandenburgs diskutiert, inwieweit der Wolf die Tierwelt in der Lausitz verändert. Anlass ist der dramatische Rückgang der Streckenergebnisse: Wie die Lausitzer Rundschau berichtet, werden seit dem Jahr 2010 weit weniger Rehe erlegt als zuvor. Bis zum Jahr 2010 wurden im Kreisgebiet stets zwischen 4000 und 4500 Stück Rehwild erlegt. Im vergangenen Jagdjahr 2016/17 waren es nur noch 2821 Stück – ein “historischer Tiefstand” sei das.

Die Diskussion rief umgehend Kritik hervor: Der Kreistagsabgeordnete Sascha Fussan der für Die Linke im Umweltausschuss sitzt, monierte gegenüber der Lausitzer Rundschau, die Jäger würden behaupten, das Gleichgewicht in der Natur erhalten zu wollen. Rehe hätten sich aber in der Vergangenheit “vor allem deshalb so stark vermehrt”, weil der Mensch natürliche Fressfeinde wie den Wolf ausgerottet habe. Der für seine – vorsichtig ausgedrückt – schalenwildkritische Position bekannte Privatwaldbesitzer Sebastian von Rotenhan stieß in das selbe Horn:

Wölfe veränderten Flora und Fauna, dies sei auch ihre Aufgabe. Man müsse kein Forstmann sein, um zu erkennen, dass in brandenburgischen Wäldern außer der Kiefer so gut wie keine andere Baumart wachse, erklärte Rotenhan, wobei er dezent den massiven Einfluss unterschlägt, den vorhergehende Förstergenerationen auf die Entstehung von Wäldern genommen haben, in denen nur eine Baumart einer Altersklasse wächst. Schließlich galten angepflanzte Fichten- und Kiefernmonokulturen, die dann per Kahlschlag geerntet wurden, lange als letzter Schrei der Forstwirtschaft.

Die neuste Modedoktrin der Forstpartie ist der Umbau der künstlich geschaffenen Forstmonokulturen in “artenreiche, klimastabile Mischwälder”, der möglichst durch Naturverjüngung (spart die Kosten für Anpflanzung, was den Waldbesitzer freut) und ohne Zaunschutz (spart die Kosten für den Zaunbau, was den Waldbesitzer freut) erfolgen soll. Da dies nur gelingen kann, wenn möglichst wenig Wildtiere im Wald leben, die das frische Grün weniger als Betriebskapital, sondern schlicht als Äsung begreifen, soll deren Zahl möglichst drastisch reduziert werden. Das nennt man dann ökologische Jagd, obwohl ökonomisch vielleicht das passendere Adjektiv wäre.

Die Schwarzwildstrecken im Landkreis Spree-Neiße steigen übrigens stark an, vielleicht auch deshalb, weil die Wölfe sich an die Wildschweine nicht so heranwagen, wie ein Jäger vermutet. Auch die von den Wildschweinen verursachten Probleme und Wildschäden nehmen zu, weshalb der Landkreis im Rahmen eines Modellprojekts eine Erlegerprämie für Schwarzwild zahlt. Wegen der gravierenden Schwarzwildschäden wird laut brandenburgischem Umweltministerium “in der Uckermark, Barnim, Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Spree-Neiße sowie Frankfurt und Cottbus das Land für zwei Jahre eine Prämie von 20 Euro für jedes Wildschwein zahlen, welches über die Referenzstrecke des Jagdjahres 2015/2016 (Referenzjahr) hinaus erlegt wird.” SE

Beitragsbild: “Verschwinden” werden sie wohl nicht, auch wenn Wolf und Mensch sie jagen: Rehe. Foto: SE

3 Gedanken zu „Brandenburg: Rehwildstrecke in Wolfsgebiet auf “historischem Tiefstand”

  1. Ronald Braun

    Ich finde es immer wider erhebend, wenn Intelligenzallergiker (oben benannt) ihre geistigen Ergüsse unter das Volk bringen.
    Die Abschusszahlen sind möglicherweise auf ganz andere Hintergründe zurück zu führen.
    Es wäre sicher interessant neutrale und unabhängig ermittelte Zahlen zu bekommen.
    Auch die Jägerschaft sollte daran interessiert sein. Natürlich hat der Wolf Einfluss auf die Population, das ist sicher unbestritten.
    Nur müssen wir uns der Frage stellen, ob unsere Strategien dem “Mitjäger” angepasst sind.

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  2. Ronbi

    Jäger, Straßenverkehr, Wölfe – alle kosten Rehen das Leben. Wölfe kennen keine Schonzeit.
    Alle diese “Verluste” müssen irgendwie ersetzt werden.
    Die Zukunft wird interessant.

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  3. Jochen

    Rehe werden sicher nicht “verschwinden”, mit so einem Alarmismus, macht man sich nur lächerlich. Natürlich wird es weniger Rehe geben, da wo es auch Wölfe gibt, dann darf so eine Pacht eben nicht mehr soviel kosten, wie das früher mal der Fall war. Weniger Wild, geringere Pacht, ganz einfach. Außer es findet sich ein Dummer, der eben noch den vollen Preis bezahlt, da habe ich dann persönlich aber auch kein Mitleid. Leben bedeutet schon immer Veränderung.
    Insgesamt gesehen, dürfte es noch nie soviele Rehe in D. gegeben haben, wie heute. Wenn man jetzt schon ständig: Hilfe, Hilfe Wolf ruft, kommt später vielleicht gar keiner mehr, wenn es mal wirklich ernst wird?

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