Brandenburg: Protestbrief an Agrarausschuss

Protestbrief wegen Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz an Abgeordnete – Oberster Jagdbehörde Rechtsbruch vorgeworfen – Prof. Pfannenstiel feiert 70. Geburtstag.

Anfang Dezember versendete der Brandenburger Wildbiologe und ehemalige stellvertretende Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, einen Protestbrief an die Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Agrarausschusses im Brandenburger Landtag. Anlass ist der durch die kürzlich geänderte Durchführunsverordnung zum Landesjagdgesetz entfallene Abschussplan für Rehwild und die Verlängerung der Jagdzeit für Rehböcke. In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, heißt es:

Sehr geehrte Frau …

“2014 hat der Landtag Brandenburgs das Landesjagdgesetz geändert und eine neue Durchführungsverordnung dazu erlassen.

Ist Ihnen bewusst, dass Rehe jetzt in unserem Bundesland quasi vogelfrei sind?

Ab sofort muss weder ein behördlich bestätigter bzw. festgesetzter Abschussplan als Grundlage der Bejagung des Rehwildes beachtet werden, noch können die Jagdrechtsinhaber, also die Besitzer von Grundstücken in einer Jagdgenossenschaft, ihre Interessen einbringen. Sie wurden damit quasi teilenteignet. Außerdem wurde die Jagdzeit der Rehböcke bis Ende Dezember verlängert. Rehböcke haben jetzt eine deutlich längere Jagdzeit als adulte weibliche Rehe.

Im Jagdgesetz wird Wild als wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur bezeichnet. Als Gesetzeszweck werden gesunde und artenreiche Wildbestände genannt. Dies alles scheint für das Rehwild in unserem Bundesland nicht mehr zu gelten.

Gesund bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur frei von Krankheiten. Gesund bedeutet auch eine naturnahe Gliederung der lebenden Population nach Altersklassen und Geschlecht. Das erreicht man durch einen qualifizierte Planung und Realisierung des Abschusses, jeweils im Einvernehmen mit den Landeigentümern. Durch die Verlängerung der Rehbockjagdzeit muss befürchtet werden, dass sich der männliche Anteil der lebenden Population so verringert, dass Rehwild sein natürliches Sozialleben nicht mehr führen kann. Dies widerspricht ganz klar dem Jagdgesetz.

Bereits in den vergangenen Jahren wurde in einigen Landeswaldoberförstereien deutlich mehr männliches als weibliches Rehwild erlegt. Die geäußerten Befürchtungen haben also bereits heute eine reale Grundlage. Ziel derjenigen, die diese Jagdrechtsänderungen zum Schaden des Rehwildes durchgesetzt haben, war es anscheinend, bei den herbstlichen Bewegungsjagden jedes Reh ohne sorgfältiges vorheriges Ansprechen erlegen zu können. Gerade die Feststellung von Tierart, Geschlecht und Alter (= das Ansprechen) vor einem möglichen Schuss ist jedoch ein eherner Grundsatz der Weidgerechtigkeit.

Sie wissen sicher, wie es zu diesen rehwildfeindlichen Änderungen gekommen ist?

Rehwild wird anscheinend von Teilen der Ministerialbürokratie in Potsdam als Feind Nummer 1 des angestrebten Waldumbaus gesehen, obwohl objektive wissenschaftliche Grundlagen einer solchen Einschätzung fehlen. Es gibt tatsächlich keinen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang zwischen Wildverbiss im Wald und der Höhe des Wildbestandes! Was Waldentwicklung (Flächen, Holzertrag) angeht, empfehle ich Ihnen einen Blick in die Bundeswaldinventur, deren Ergebnisse wohl nicht im Verdacht stehen, Jägern nach dem Maul zu reden.

In Brandenburg hat sich eine Wald-vor-Wild-Lobby zum Schaden des Rehwildes durchgesetzt, obgleich der Waldanteil in unserem Bundesland „nur“ ca., 37 % beträgt (1,1 Mio ha) und nur ca. 24% der Landeswaldfläche (270.000 ha) vom Landesforstbetrieb bewirtschaftet werden.

Die Oberste Jagdbehörde hat mit Schreiben vom 20. Oktober dieses Jahres an die unteren Jagdbehörden und an alle relevanten Vereinigungen darum gebeten, Verstöße gegen die noch bis 31.03.2015 geltenden Abschusspläne für Rehwild nicht zu ahnden. Dies ist nach meinem Verständnis ein eindeutiger Rechtsbruch und zeigt, wie rabiat man gegen Rehwild vorzugehen beabsichtigt. Rehwild wird zum Sündenbock für forstpolitische und forstliche Fehler gestempelt.

In Anbetracht des hier kurz vorgestellten Sachverhalts und des grundgesetzlich verankerten Tierschutzes möchte ich Sie inständig bitten, Ihren Einfluss als Mitglied des Ausschusses für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft geltend zu machen, damit Rehwild in Zukunft auch in Brandenburg wieder als we-sentlichen Bestandteil der heimischen Natur betrachtet wird.

Mit freundlichem Gruß

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Am 1. Dezember feierte Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (HDP) in den Räumlichkeiten des Bardenitzer Wildhändlers Griebsch (Landkreis Potsdam-Mittelmark) seinen 70. Geburtstag (Beitragsbild). Der Verfasser dieses Beitrags war zugegen, um in Erfüllung seines journalistischen Auftrags Hirschbraten mit Klößen und Rotkohl, sowie Sülze, etliche Schinken und Salami, desweiteren verschiedene Streich- und Knackwürste vom Wild u. dergl. m. zu verkosten und ferner herzliche Glückwünsche persönlich zu überbringen. HDP ist bei Brandenburger Jägern bekannt und angesehen, weil er in verschiedenen Gremien beherzt für die Sache der Jagd stritt und streitet. Der Wildbiologe hat nicht nur Beiträge für etliche Jagdzeitschriften verfasst und kenntnisreiche jagdliche Fachbücher publiziert, sondern sogar Veröffentlichungen in dem renommierten Online-Jagdmagazin www.jawina.de vorzuweisen.

Wir wünschen HDP auch auf diesem Weg nochmals alles Gute, noch viele, viele Jahre bei anhaltender geistiger und körperlicher Fitness, um auf die Jagd zu gehen und für die Jagd einzutreten, Weidmannsheil und fette Beute! SE

 

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