Brandenburg: Privatfirma soll “Problemwölfe” fangen und entnehmen

Mitarbeiter eines privaten Unternehmens, die in fremden Revieren Fallen stellen oder gar mit der Waffe auf “Problemwölfe” ansitzen – möglicherweise müssen sich Brandenburger Jäger an diese Vorstellung gewöhnen.

Das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (MLUL) hat einem Medienbericht zufolge eine Privatfirma damit beauftragt, sogenannte Problemwölfe zu fangen und zu entnehmen. Im November 2017 hatte das Land  eine Ausschreibung für einen Werkvertrag zur “Ermittlung und Bewertung verhaltensauffälliger Wölfe und Vergrämung, Fang und Entnahme verhaltensauffälliger Wölfe im Land Brandenburg” ausgeschrieben (JAWINA berichtete). Nach Informationen von JAWINA hat sich das Forum Natur Brandenburg (FNB) an der Ausschreibung beteiligt und angeboten, in Zusammenarbeit mit den FNB-Mitgliedsverbänden, insbesondere dem Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) und dem Berufsjägerverband Brandenburg, die ausgeschriebenen Dienstleistungen mit je drei qualifizierten Beauftragten pro Landkreis zu übernehmen – und zwar kostenneutral. Insofern stellt sich die Frage, inwieweit die Vergabe der ausgeschriebenen Leistungen an eine Privatfirma mit den Ausschreibungsrichtlinien des Landes Brandenburg und der EU in Einklang zu bringen ist.

Um welche Privatfirma es sich bei dem begünstigten Unternehmen handelt, hat das MLUL bislang nicht bekannt gegeben, eine entsprechende Anfrage von JAWINA läuft.

In einer Pressemitteilung des FNB anlässlich der Eröffnung des Wolfszentrums in Groß Schönebeck heißt es dazu: “Dass nach Auskunft des Ministeriums zukünftig eine private Firma die Vergrämung, den Fang und auch die Tötung von „Problemwölfen“ im Land Brandenburg übernehmen soll, sehen die Landnutzerverbände kritisch. Angesichts der aktuellen Probleme bei der Rissbegutachtung fürchten sie ähnliche, für die Betroffenen nicht hinnehmbare Zustände, auch bei den weiteren Elementen des Wolfsmanagements.

Angesichts der rasant steigenden Zahlen von Wolfsübergriffen auch auf vorschriftsmäßig geschützte Nutztiere, müsse die zügige Entnahme der dafür verantwortlichen Wölfe zukünftig ein selbstverständliches Element des Herdenschutzes sein. „Wie das eine private Firma leisten soll, ist uns ein Rätsel. Wir brauchen dafür vielmehr die enge Zusammenarbeit aller Akteure vor Ort, insbesondere auch mit der Jägerschaft“, betont Henrik Wendorff. Das Zurückweisen kostenneutraler aber flächendeckender Angebote der Verbände sei ein erneuter Beleg für das gleichermaßen desaströse wie konzeptlose Agieren in Teilen der Agrarpolitik. „Wir hoffen, dass zukünftige Nikolaustage wieder eine Einheit von Wort und Tat und eine Landnutzungspolitik aus einem Guss mit sich bringen“, macht auch Wellershoff deutlich.”

Die morgige Eröffnung des “Wolfs- und Herdenschutzinformationszentrums in Groß Schönebeck begrüßen die Verbände des ländlichen Raums, kritisieren jedoch, dass keine der vom Wolf betroffenen Landnutzer zur Eröffnung geladen seien: “Wenn Minister Vogelsänger am Nikolaustag das dringend benötigte Zentrum eröffnet, ist das eine grundsätzlich gute Entwicklung. Wir wünschen den Betreibern ausdrücklich viel Erfolg und ein glückliches Händchen bei der Bewältigung des umfassenden Informationsbedarfs in Sachen Wolf”, so Henrik Wendorf, Präsident des Landesbauernverbandes und Vorstand im Forum Natur. Es ist eine richtige Entwicklung, dass die Einrichtung in der notwendigen Verbindung als Informationszentrum und als Kompetenzzentrum für den Herdenschutz ins Leben gerufen wird.

Enttäuscht zeigen sich die Verbände von dem Umstand, dass keine Vertreter der vom Wolf tatsächlich betroffenen Landnutzer zu der Eröffnung eingeladen sind. Es ist befremdlich, dass sich die Grußworte zur Eröffnung mit Vertretern des Informationscharakters zum Wolf erschöpfen. „Wir wollen hoffen, dass die Bezeichnung „Herdenschutzinformationszentrum“ nicht nur ein Feigenblatt ist, um die Finanzierung aus Mitteln des „Europäischen Agrarfonds“ zu rechtfertigen“, macht Dirk Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes und Vorstand im Forum Natur, deutlich. Es sei ein eigentlich richtiger Ansatz, wenn man das Zentrum dem „Brandenburger Weg“ folgend, als Kommunikationseinrichtung zwischen verschiedenen Partnern etablieren wolle. Dass dieser Ansatz insbesondere in der Umwelt- und Agrarpolitik immer mehr zur einer Worthülse mit Erinnerungscharakter an vergangene Tage verkommt, wirft erneut kein gutes Licht auf das Agieren des Ministeriums in der Wolfspolitik.

Ausdrücklich bedanken sich die Verbände im ländlichen Raum bei all jenen, die bereits in der Vergangenheit wertvolle Partner des Brandenburgischen Wolfsmanagements waren, so insbesondere bei den Mitarbeitern des Landesbetriebes Forst und der Umweltverwaltung; deren Expertise würde auch weiterhin dringend gebraucht.” PM/SE

Beitragsbild: Leistungsbeschreibung zur Ausschreibung des Werkvertrags für einen “staatlichen Wolfsjäger”. (Screenshot)

 

5 Gedanken zu „Brandenburg: Privatfirma soll “Problemwölfe” fangen und entnehmen

  1. Titus von Unhold

    Wenn ein Bieter die vor der Ausschreibung festgelegten Bedingungen nicht erfüllt, muss er rechtlich zwingen ausgeschlossen werden. Der Preis muss gar nicht erst berücksichtigt werden.

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    1. admin Beitragsautor

      Und wenn er sie erfüllt, den besten Preis bietet und trotzdem ausgeschlossen wird – wie würden Sie das nennen?

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  2. EDDIE

    Was heutzutage als Volkswille postuliert wird, ist erschreckend. Insbesondere wenn man diesem sogenannten Volkswillen zugrundeliegende Elemente wie Informationspolitik und Meinungsfreiheit hinterfragt oder auch die Objektivität der Berichterstattung, wird dem geneigten Leser und Zuhörer schnell übel. Gutes Beispiel an dieser Stelle ist die Nicht-Einladung der Betroffenenvertreter.
    Kommt es schlussendlich zu einer Entnahme von Individuen, darf diese nur durch geeignete Personen erfolgen. Dabei handelt es sich natürlich um staatlich geprüfte Naturschützer, nur dass es auf diesem Weg den Steuerzahler ein Vielfaches kosten wird.

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