Brandenburg: Nun doch keine Bogenjagd in Stahnsdorf

Antragsverfahren zum Einsatz von Jagdbögen abgebrochen

Nach Mitteilung der Obersten Jagdbehörde (OJB) im Agrar- und Umweltministerium Brandenburg kann der Stahnsdorfer Antrag zur Jagd mit einem Jagdbogen nicht genehmigt werden. Wichtigste Voraussetzung für die Genehmigung dieses Pilotprojekts war für die Behörde die Begleitung durch eine wissenschaftliche Einrichtung. Hierzu gab es im Vorfeld bereits Kontakte zu Interessenten. Die notwendige Ausschreibung, die in dieser Woche abgeschlossen wurde, hat kein zuschlagfähiges Ergebnis gebracht.

Hintergrund des Antrags ist die grassierende Wildschweinplage in den Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow, die bereits zu Sachschäden und immer wieder zu Ängsten bei Bewohnern in beiden Gemeinden geführt hat. Der Einsatz von Schusswaffen bei der Jagd ist in Siedlungsbereichen verboten.

Da in der Bundesrepublik im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedsstaaten bislang noch keine eigenen Erfahrungen mit der Jagdbogenjagd vorliegen, sollte der wissenschaftliche Partner insbesondere Fragen des Tierschutzes, der Streckenentwicklung, der Gefährdungssituation, aber auch der öffentlichen Akzeptanz für diese Jagdmethode untersuchen.

Fachliche Hilfe

Die Oberste Jagdbehörde nimmt die Sorgen der Stahnsdorfer und Kleinmachnower ernst und bietet vor Ort weiterhin ihre besondere Unterstützung an, um hier den Problemen mit den großen Wildschweinrotten Herr zu werden.

Fachleute der Wildökologischen Forschungsstelle Eberswalde werden mit örtlichen Jägern und Kommunalpolitikern prüfen, wie die seit Jahren wachsende Wildschweinpopulation in Siedlungsbereichen wirksamer reduziert werden kann. So sollen Vorschläge, Jagdwaffen mit modifizierter Munition und Schalldämpfer einzusetzen, nochmals diskutiert werden. PM

Beitragsbild: Jagdpfeil. Foto: privat

3 Gedanken zu „Brandenburg: Nun doch keine Bogenjagd in Stahnsdorf

  1. Enok1969

    Auch wenn das alles sehr nach Ausrede klingt. Ich glaube dass es von Anfang an nicht genehmigungsfähig war. Vor dem Einsatz verbotener Maßnahmen hätte zuerst andere Schritte eingeleitet werden müssen. Oder will das der Jagdausübunggsberechtigte gar nicht. Man hört von vielen merkwürdigen Reglementierungen für die Jagdgäste dort. Fallenjagd will er nicht. Einzäunen wollen die politischen Gremien nicht. Fütterung wird geduldet. So wird das Problem bleiben.

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  2. Chris

    „Da in der Bundesrepublik im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedsstaaten bislang noch keine eigenen Erfahrungen mit der Jagdbogenjagd vorliegen…“

    Sonderbar – sonst schreit doch jeder nach mehr EU und weniger „reaktionärer, nationalistischer Souveränstaaterei“. Aber in dieser Frage ist Deutschland mal wieder nicht in der Lage, sich mit Nachbarländern im Sinne eines Erfahrungsaustauschs zu vernetzen.

    Hony soit qui mal y pense…

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  3. RK

    Erstaunlich ist einerseits (wie Chris schreibt), dass man nicht in der Lage ist, international vorhandene Erfahrungen abzufragen. Andererseits spricht die Aussage “Die notwendige Ausschreibung, die in dieser Woche abgeschlossen wurde, hat kein zuschlagfähiges Ergebnis gebracht.” dafür, dass hier eine Vergabestelle unflexibel ausgeschrieben hat. Selbst wenn “kein zuschlagfähiges Ergebnis” vorhanden wäre, könnte man in dieser Situation nach Vergaberecht zügig in ein Verhandlungsverfahren bzw. freihändige Vergabe wechseln und offene Fragen (z.B. zu Leistungskatalog und Vergütung etc.) klären. Wir verwalten uns zu Tode.

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