Brandenburg: Missverständliche Neuregelung

Missverständliche Formulierungen in der von Jagdgremien heftig kritisierten Durchführungsverordnung zum Jagdgesetz (DVOJagd) in Brandenburg haben zu einer Reihe von Fehlabschüssen geführt. Seit der letzten Änderung der DVO vom September 2014 sind Damspießer schon ab 1. Mai frei. Natürlich wurde diese Möglichkeit auch genutzt, bei den ab Mai stattfindenden Bockjagden gaben viele Jagdleiter auch Damspießer frei. Etliche vermeintliche Spießer wurden gestreckt, die Erlegerbilder (wie das Beitragsbild oben) stolz auf Facebook und anderswo gepostet. Nach den ersten WMH-Wünschen kamen dann in der Regel Zweifel auf: Moment mal, das ist doch kein Spießer? Die Erlegerbilder verschwanden dann ganz schnell wieder aus den Jägerforen im Internet…

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Der vermeintliche Damspießer ist ein AKII-Hirsch – Schonzeitvergehen! (Hätte mir auch passieren können…) Copyright: privat

Denn: Damkälber werden im Juni gesetzt, im Februar des auf die Geburt folgenden Jahres beginnt die Geweihentwicklung bei männlichen Stücken. Erst im Sommer des 2. Lebensjahres ist die Geweihentwicklung des 1. Kopfs beendet. Das heißt: Ein “Spießer” sieht im Mai aus wie ein Kalb, zwischen den Lauschern sind häufig erst ein paar kleine Knubbel ähnlich wie beim Knopfbock zu sehen. Was im Mai wie ein Spießer aussieht, ist aber ein (zweijähriger) Hirsch der Altersklasse zwei. Sein Abschuss im Mai ist ein Schonzeitvergehen. Etliche Begehungsscheininhaber mussten sich bei den zuständigen UJB selbst anzeigen, in den der Jawina-redaktion bekannten Fällen wurden moderate Bußgelder verhängt. SE

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Der dritte Praemolar ist bereits zweiteilig, beim Milchgebiss wäre er dreiteilig. Copyright: privat

Die Jawina-Redaktion dankt für die Bereitstellung der Bilder!

 

8 Gedanken zu „Brandenburg: Missverständliche Neuregelung

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Die Regelung ist eindeutig. Ansprechkünste und wildbiologische Grundkenntnisse über das Damwild sind bei manchen Jägern jedoch anscheinend mangelhaft. Am 1. Mai sind beim Damwild nun u. a. männliche Stücke der AK 1, die man einfach auch als Schmalspießer bezeichnet, frei. Aber nicht jeder Spießer, den man um diese Zeit sieht, ist auch ein Schmalspießer. Die Schmalspießer des Vorjahres haben dann z. T. ihre Spieße noch nicht abgeworfen und werden fälschlicherweise ohne genaues Ansprechen als Stücke der AK 1 erlegt, obwohl sie seit 1. April des betreffenden Jahres, also seit Jagdjahresbeginn, der AK 2 angehören. “Was Du nicht kennst, das schieß nicht tot”. Dieser alte Weisheit hat nichts von ihrer Aktualität verloren!

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      1. Hans-Dieter Pfannenstiel

        Eben, da steht Schmalspießer und nicht Spießer! Und ein Schmalspießer ist in Brandenburg nun mal ein Hirsch der Altersklasse 1!

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  2. Paul

    …… was denkt / und tut … ein echter Jäger in der “Not” : ” was ich nicht kenne ( bzw mir unsicher bin … ) – schieß ich nicht tot …. ”
    >>>> erfordert nur etwas “Körperbeherrschung” und EHRLICHKEIT sich selbst gegenüber.
    Das unterscheidet den echten Jäger, der ( a u c h ) mal n i c h t a l l e s weiß, vom ( selbtgefälligen ) “Schießer ” ……. !!
    Paul

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