Brandenburg: LJV von OJB “überrumpelt, hintergangen”

Der Präsident des Landesjagdverbands Brandenburg, Dr. Dirk-Henner Wellershoff, protestiert in einem Schreiben an Landwirtschaftsminister Vorgel in ungewöhnlicher scharfer Form gegen die Art und Weise, mit der Vertreter der Obersten Jagd- und Forstbehörde Brandenburgs (OJB) mit der Verbandsführung umspringen.

Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

“Jagdzeitverlängerung für wiederkäuendes Schalenwild

Sehr geehrter Herr Minister Vogel,

am vergangenen Montag, den 20.01., erhielt der Landesjagdverband per Mail ein Schreiben aus dem Referat 35 Ihres Hauses, in dem die Verlängerung der Jagdzeit für das wiederkäuende Schalenwild auf Antrag bis zum 29.02. im Zusammenhang mit Bewegungsjagden auf Schwarzwild angekündigt wird.

Nicht einmal einen ganzen Tag zuvor, nämlich am Sonntag Spätnachmittag, saßen Sie und Herr Dr. Leßner mit dem Geschäftsführer Herrn Schannwell und mir auf der IGW zusammen, um über jagdpolitische Themen zu sprechen. Die beabsichtigte Jagdzeitverlängerung wurde jedoch weder von Ihnen noch von Dr. Leßner mit auch nur einem Wort erwähnt. Sie sprachen von einer „transparenten, Dialog – orientierten Zusammenarbeit; “ dies ist alles andere, nur nicht das! Wir sind überrumpelt, wir sind hintergangen worden.

Dass die Regelungen zu den Jagdzeiten für die Jagd und uns Jäger von allergrößter Wichtigkeit sind, ist Ihnen, ist Herrn Dr. Leßner, sehr wohl bekannt. In der Diskussion um die im letzten Jahr novellierte DVO-Jagd waren gerade die Jagdzeiten ein Thema, an dem sich der Meinungsstreit entzündete. Der 16.01. als Beginn der Schonzeit ist ein Kompromiss, den wir Jäger nur zähneknirschend mitgetragen haben. Eine Aufweichung „durch die Hintertür“ unter dem Deckmantel der ASP-Prävention lehnen wir ab.

Dass Schwarzwild unbedingt intensiv bejagt werden muss, unterstützen wir uneingeschränkt. Ob dies aber ab der 2. Januarhälfte durch großflächige Bewegungsjagden geschehen soll, muss zumindest kritisch hinterfragt werden: gibt es doch schon Bachen, die gefrischt haben.

Das Risiko, eine führende Bache zu erlegen, ist somit sehr hoch. Deshalb sind Einzel- oder Gruppenansitze jetzt die bessere Wahl, zumal sie Schwerpunkt-bezogen durchgeführt werden können, oder auch das Betreiben von Schwarzwildfängen auf Antrag. Bei diesen Jagdmethoden kann immer selektiv und damit Jagdrechts- und Tierschutz-konform gejagt werden, die Wildwiederkäuer werden in dieser für sie ernährungsphysiologisch schwierigen Zeit nicht beunruhigt.

Dass eine pauschale Schonzeitaufhebung möglicherweise sogar rechtsunwirksam sein kann, erwähne ich nur am Rande. Im Zweifel werden das Gerichte zu klären haben.

Sehr geehrter Herr Minister, Dialog-orientierte Zusammenarbeit heißt, dass wir im Vorfeld wichtiger Entscheidungen gefragt und einbezogen werden.

Diese Erwartung ist nun allerdings enttäuscht worden.

Ich fordere Sie auf, die pauschale Schonzeitaufhebung auf Antrag für das wiederkäuende Schalenwild im Zusammenhang mit Bewegungsjagden auf Schwarzwild mit sofortiger Wirkung zurückzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dirk-Henner Wellershoff

Präsident”

Beitragsbild: Brief des LJVB an Minister Vogel (Screenshot, Ausschnitt)

 

 

4 Gedanken zu „Brandenburg: LJV von OJB “überrumpelt, hintergangen”

  1. Dr. wolfgang Lipps

    Eine mögliche Rechtsunwirksamkeit dieser Manipulation erwähnt Herr Wellershoff nur “am Rande”. Warum?gibt es da keinen Justitiar? Oder wird der ebenfalls nicht gefragt? Dabei liegt die grobe Rechtswidrigkeit jedenfalls nahe wenn nicht soga, jedenfalls für mich, auf der Hand. Von strafrechtlichen Bedenken ganz zu schweigen.

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  2. Klara Fall

    Ach ja.
    Die alte Leier.
    Die Führungsriege des LJV fühlt sich überrumpelt. Haben die sich das bei ihren Verbandsfreunden in M-V abgeguckt?

    Auch für diese Dauerempörten gilt der weise Satz:
    Keiner muss den Finger am Abzug krumm machen, wenn er es nicht möchte.
    Jeder ist für seinen Schuß alleine verantwortlich.

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  3. Ansitzjäger

    Wenn ich Schwarzwild aufgrund drohender ASP jagen muss (will), gibt es m.E. keinen triftigen Grund, anderes Schalenwild auf Drückjagden zu erlegen. Hier greift das Tierschutzgesetz! Somit ist die die Verlängerung der Jagdzeiten übrigen Schalenwildes in meinen Augen rechtswidrig. Was tun wir doch nicht alles, um die Jagd ins falsche Licht zu rücken. Herr Vogel sollte vielmehr darauf drängen, die Änderung des Waffengesetzes u.a. in punkto Nachtsichttechnik schnellstmöglich Gültigkeit zu verschaffen!

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  4. Frank Petzold

    Die Aufhebung der Schonzeit für Wiederkäuendes Schalenwild geht am Thema ASP Prävention vorbei! Noch immer müssen Jäger mit sog. Jahrespachtverträgen ( Bsp. LMBV) anteilig pro Kg erlegter Sau Geld bezahlen, wo andernorts Prämien für erlegtes Schwarzwild gezahlt werden. In Sachsen sind die Jäger für die nächsten zwei Jahre von den Kosten für die Trichinenuntersuchung beim erlegten Schwarzwild befreit, warum funktioniert das im Land Brandenburg nicht? Wie wäre es mit der Aufhebung von bürokratischen Hürden bei Verwendung von Nachtzieltechnik für Jäger? Wir leben im Hier und Jetzt, die ASP ist auf dem Vormarsch und die Jäger warten aufs nächste Mondlicht um sichere Einzelabschüsse bewerkstelligen zu können…

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