Brandenburg: Lappjagd im Landesforst?

„Missbräuchliche Anwendung“ habe die Lappjagd in Verruf gebracht, schrieb schon der preußische Forstmeister und Jagdliterat Ferdinand von Raesfeld. Die Oberförsterei Hammer des Landesforstbetriebs (LFB) Brandenburg hat die „verrufene“ Jagdmethode bei einer Drückjagd am 3.11. in Anwendung gebracht und die das Revier durchschneidende Bundesstraße B179 über fünf Kilometer abgelappt. Die Empörung bei den angrenzenden Pächtern ist groß. Wir haben mit dem zuständigen Leiter der Landeswaldoberförsterei Hammer, Tim Ness, gesprochen.

Jawina: Herr Ness, Sie haben im Landeswald eine Lappjagd durchgeführt…

Tim Ness: Nein, das haben wir nicht.

Jawina: Doch, haben Sie, Sie haben bei der Drückjagd am 3.11. die Bundesstraße über fünf Kilometer abgelappt. Was soll das sonst sein, wenn keine Lappjagd?

Tim Ness: Diese Maßnahme diente ausschließlich der Verkehrssicherheit.

Jawina: Das glaubt Ihnen doch kein Mensch.

Tim Ness: Wieso nicht?

Jawina: Weil davon auszugehen ist, dass Sauen und Hunde, die bekanntlich auch Wildunfälle verursachen können, unter den Lappen durchgehen – das Rot- und Rehwild aber nicht.

Tim Ness: Das entspricht nicht unseren Erfahrungen mit den Lappen und auch nicht denen der Kollegen, die diese bereits aus Verkehrssicherungsgründen anwenden. Uns ging es, das betone ich nochmals, ausschließlich um Verkehrssicherheit. Seit einigen Jahren weigern sich die Straßenverkehrsämter, für Drückjagden eine straßenverkehrsrechtliche Anordnung mit Herabsetzung der Geschwindigkeit zu erlassen. Stattdessen wird lediglich  die Erlaubnis erteilt, das Hinweisschild Wildwechsel mit dem Zusatzschild Treibjagd aufzustellen. Das bringt nichts. Wir reagieren mit den Lappen insbesondere auf die Besorgnisse von Hundeführern. Wer auf seinem Ortungsgerät mitansehen muss, wie sein Hund Richtung Straße läuft, durchlebt eine sehr ungute Zeit. Ich bin selber Hundeführer und verstehe diese Sorge. Die Hunde folgen dem Wild, folglich bringt diese Maßnahme mehr Sicherheit für unsere Hunde. Ich begreife die Aufregung nicht.

Jawina: Die Aufregung dürfte auf den schlechten Ruf der Lappjagd und die bekanntermaßen scharfe Bejagung im Landesforst zurückzuführen sein. Nicht jedem wird die Vorstellung behagen, dass das flüchtige Wild die gewohnten Wechsel durch die Lappen versperrt findet, daraufhin panisch an der Absperrung auf und ab flüchtet und von den dort frisch  postierten Drückjagdböcken aus niedergemetzelt wird. Wenn es so wäre, würde ich persönlich das eher als Culling denn als Jagd bezeichnen.

Tim Ness: Dieser Vorwurf ist unzutreffend. Von den 110 Drückjagdböcken hatten gerade einmal drei Tuchfühlung mit den Lappen, wie die Revierkarte mit den eingezeichneten Ständen beweist. Falls Sie möchten, können Sie sich jederzeit persönlich ein Bild von der Lage der Stände und von den abgelappten Bereichen machen. Dies gilt im übrigen auch für die angrenzenden Jagdpächter… Wir haben bei der besagten Drückjagd mit 110 Schützen auf 1300 Hektar 42 Stück Wild geschossen, davon 12 Stück Rotwild, 18 Sauen und 12 Rehe. Da kann von Gemetzel wohl kaum die Rede sein.

Karte_LFB_klein

Karte des am 3.11. bejagten Gebiets, der abgelappte Bereich an der B179 ist rot markiert. Tim Ness: “Die Karte macht deutlich, dass von einem Einkesseln oder einem Einkreisen keine Rede sein kann. Dem Wild standen jederzeit ausreichend Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung. Warum sollte das Wild ausgerechnet an den 20% der Jagdgrenze panisch auf und ab flüchten, die zu den Straßen hin abgelappt waren?” Copyright: LFB Brandenburg

Jawina: Das stimmt. Aber was ist mit der Zusammensetzung der Strecke? Stimmt es, dass von jeder Schalenwildart nur ein Vertreter auf den Streckenplatz gelegt wurde und der Rest in der Kühlkammer verschwand, weil zu viele Alttiere geschossen wurden?

Tim Ness: Das ist ein bösartiger, verleumderischer Vorwurf, den wir durch die Streckenstatistik jederzeit entkräften können. Von den zwölf Stück Rotwild, die am besagten Jagdtag geschossen wurden sind vier Kälber (drei männlich, eins weiblich), zwei Spießer, zwei Schmaltiere und vier Alttiere. Vielleicht nicht optimal, aber für eine Drückjagd ganz passabel. Den Einfluss des Wolfes auf den Kälberanteil beim vorkommenden Wild kann ich nicht beziffern, er ist aber sicher eine zu beachtende Größe. Ich sage auch auf jeder Jagd an, dass Alttiere erst zu strecken sind, wenn das zugehörige Kalb liegt und handle auch danach. Das können die Leute, von denen diese Unterstellungen ausgehen, nicht von sich behaupten…

Lappen2

Abgelappter Bereich an der B179. Jawina dankt MW für die Fotos!

Jawina: Sie haben den Stadtförster von Treuenbrietzen, Dietrich Henke, für die Jagdorganisation verpflichtet. Herr Henke hat in Treuenbrietzen sämtliche Pächter der Umgebung – auch die besonnenen, die forstlichen Belangen aufgeschlossen gegenüber stehen – gegen sich aufgebracht. Meinen Sie, jemand, der derart polarisiert, ist der richtige Mann für so etwas?

Tim Ness: Das stimmt so auch nicht, die Jagdleitung lag bei uns. Herr Henke hat ein Drückjagdseminar für die Kollegen veranstaltet. Und wissen Sie, eins kann der Herr Henke: Stände so stellen, das man von dort einen sicheren Schuss abgeben kann. Wir haben bei den Jagden in dem betreffenden Revier in den letzten Jahren mit 70 Schützen einstellige Ergebnisse gehabt, das ist nicht akzeptabel. Also haben wir gesagt, wir schauen uns das an und versuchen, gemeinsam Verbesserungen herbeizuführen. Aus meiner Sicht ist uns das gelungen.

Die Fragen stellte Stephan Elison.

2 Gedanken zu „Brandenburg: Lappjagd im Landesforst?

  1. Joachim Orbach

    Der Zuständige Minister sollte sich doch einmal fragen, was seine u. andere Götter in Grün in Brandenburg so alles veranstalten und veranstaltet haben. Ein Privatmann hätte sich das nicht erlauben können. Nach den Bildern zu urteilen, werden in Brandenburg ja alte Jagdmethoden wieder eingeführt, die mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar sind. Oder? Der Tatsächliche Sachverhalt bedarf aber allerdings auch einer genauen Prüfung -ggf. auch durch Gerichte.

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  2. Holger Mosch

    Als unmittelbar angrenzender Jagdpächter des gemeinschaftlichen Jagdbezirkes Märkisch Buchholz/ Heedchen, kann ich dieser Maßnahme der Lappung zur Verkehrssicherung nur zustimmen. Seid Jahren ist dieser Bereich bei Drückjagden ein Wildunfallschwerpunkt gewesen. Unser Jagdgebiet hat selber an dieser gemeinschaftlichen Jagd teilgenommen und Hunde eingesetzt. Diese Maßnahme der Verkehrssicherung, die auch nur ein kurzes Stück betraf, würde ich jederzeit wieder unterstützen. Dies hat mit alten Jagdmethoden in keiner Weise zu tun. Ich denke wer sich in dieser Örtlichkeit nicht auskennt, sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen.

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