Brandenburg: Landnutzerverbände beklagen Stillstand

Die im Forum Natur Brandenburg (FNB) zusammengeschlossenen Landnutzerverbände (z.B. Jäger, Angler, Fischer, Waldbesitzer, Bauern und Förster) mahnen eine Beendigung des “umwelt- und agrarpolitischen Stillstands” in Brandenburg an. Die “rechtlich fragwürdige und fachlich katastrophale Umsetzung des Schutzgebietsnetzes  “NATURA 2000″ durch die Umweltverwaltung” müsse angegangen, die Weidetierhaltung gestärkt und das Wolfsmanagement weiterentwickelt , das Jagdgesetz novelliert werden, lauten drei der sechs zentralen Forderungen des FNB. Heftige Kritik müssen bei einem Pressegespräch des FNB am 3. September vor allem die Verwaltungen im Umwelt-, Jagd-, Forst- und Landwirtschaftsbereich einstecken, die ein ideologisch motiviertes Eigenleben entwickelt hätten: “Wenn sich bestimmte Dinge im Landtag durchsetzen, die nicht dem Mainstream im Fachministerium entsprechen, sitzt man sehr lange in den Mühlen”, sagte der Präsident des Forum Natur, der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD) gegenüber der Lausitzer Rundschau. Das Primat des Parlamentes müsse wieder Vorrang haben, fordert Schmidt, letztlich müssten die Landnutzer und die Menschen, die auf dem Lande wohnten, wieder stärker in die Entscheidungen eingebunden werden, wenn es um Dinge gehe, die sie betreffen.”

Beispiele für das geradezu feindselige Verwaltungshandeln wurden bei dem Pressegespräch zuhauf genannt: Die Oberste Jagdbehörde Brandenburgs wird mit der Forstbehörde verschmolzen (JAWINA berichtete), der LJV aber nicht darüber informiert, seit zehn Jahren schafft es die Verwaltung nicht, die Gebührenordnung für die Jägerprüfung zu überarbeiten, der mit der Durchführung der Prüfung betraute LJV arbeite deshalb defizitär, klagte LJVB-Präsident Dirk-Henner Wellershoff. Die Politik fordere verstärkte Schwarzwildbejagung wegen ASP, schränke die Jagd aber aus Gründen des Naturschutzes auf immer mehr Flächen ein.

Die Managementpläne für die Umsetzung der FFH-Schutzgebiete seien bürokratische 500-Seiten-Monster pro Schutzgebiet, die Mitwirkung an den Managementplänen werde den betroffenen Familienbetrieben der Land- und Forstbranche von der selbstherrlichen Verwaltung jedoch in der Regel verweigert. Auch in die Erstellung des Entwurfs zum neuen Wolfsmanagementplan seien die betroffenen Verbände nicht einbezogen worden – entsprechend harsch fiel die Kritik an dem Entwurf aus.

Hervorzuheben ist bei aller berechtigten Unzufriedenheit mit den umweltpolitischen Zuständen in Brandenburg jedoch die Arbeit des FNB. Ein Kommentator in der Märkischen Oderzeitung (MOZ) bringt es auf den Punkt: “Wenn das nur die Jäger oder die Angler so sehen würden, fände das in Potsdam kaum Gehör. Aber der Zusammenschluss der wichtigsten Landnutzerverbände vor einigen Jahren gibt ihnen ein ganz anderes Gewicht.” Die Zukunft unserer Interessenvertretung kann nur in Kooperationen und Zusammenschlüssen nach Vorbild des FNB auf Landes-, Bundes- und Europaebene liegen, nicht in Zersplitterung in Partikularinteressen, wie es die Sachsen derzeit vormachen.

Das FNB unter Gernot Schmidt und Gregor Beyer leistet hier hervorragende Arbeit. Dem Vorsitzenden und dem Geschäftsführer gelingt es, die unterschiedlichen Interessen und Persönlichkeiten in den Verbänden auszutarieren und auf diese Weise gemeinsame Anliegen der Landnutzer zu formulieren. Das “ganz andere Gewicht” des Zusammenschlusses nutzen sie gekonnt für die Interessenvertretung in den politischen Gremien und eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit. Dafür gebührt ihnen der Dank und die Anerkennung jedes Landnutzers, man kann nur hoffen, dass das FNB seine erfolgreiche Arbeit fortsetzt. SE

Beitragsbild: Pressegespräch des FNB am 3.9. Quelle: FNB

 

 

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