Brandenburg: Kritik an Wisentabschuss

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Nach dem Abschuss eines vermutlich aus Polen eingewanderten Wisents bei Lebus (Landkreis Märkisch-Oderland) hagelt es Kritik an dem Leiter des Ordnungsamts, der den Abschuss angeordnet hatte. Der WWF hat Strafanzeige gestellt, das Landesumweltministerium ließ durch einen Sprecher verlauten, dass man “entsetzt und empört” sei.  Weder das Ministerium noch das Landesumweltamt seien in das Vorgehen des Amtsdirektors von Lebus eingebunden gewesen. Minister Vogelsänger habe sich nach Bekanntwerden des Berichts an den zuständigen Landrat gewandt mit der Bitte um eine Sachstandsdarstellung.

Der Ordnungsamtsleiter hat sein Vorgehen gegenüber den Medien verteidigt: Es habe eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bestanden. Er habe “da kein Abwägungsermessen, sondern Leib und Leben geht vor”, sagte der Beamte der Lausitzer Rundschau zufolge. Das Umweltministerium erklärte dazu, das Ordnungsrecht greife nur, wenn unmittelbar Gefahr im Verzug ist und auch dann sei nur das mildeste Mittel zulässig. “Wisente zählen in Deutschland und Polen zu den streng geschützten Tierarten. Von polnischer Seite wird uns vermittelt, dass es sich um einen Bullen handelt, der dort im Gebiet des Nationalparks Warthemündung seit längerem frei herumläuft. Von Gefahr im Verzug ist dort nichts bekannt.

Auch ein “parlamentarisches Nachspiel” soll der Vorfall haben: Manfred Kürzer, Fraktionschef der größten Stadtverordnetenfaktion “Bürger für Lebus” hat einen Antrag auf eine Sondersitzung des Parlaments eingereicht, wie die Märkische Online-Zeitung schreibt. Außerdem hat Kürzer die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Ordnungsamtsleiter beantragt.

In der Bundesrepublik gehört der Wisent laut Brandenburger Umweltministerium zwar zu den jagdbaren Tierarten, ist aber ganzjährig geschont. Das heißt: Nach Jagdrecht kann in Deutschland kein gesunder Wisent erlegt werden. Der Wisent ist darüber hinaus im Naturschutzrecht geschützt, er ist unter anderem im Anhang II und IV der europäischen FFH-Richtlinie aufgelistet. Zudem gilt ein Besitz- und Vermarktungsverbot.

Wenn man sich an die massiven Auseinandersetzungen erinnert, die die Wisent-Auswilderung im Rothaar-Gebirge begleiten (JAWINA berichtete), bei denen es um Wildschäden und das Risiko von Wildunfällen mit den bis zu knapp eine Tonne schweren Tieren geht, kann man sich allerdings fragen, ob die Ansiedlung einer weiteren Schalenwildart – und ganz speziell dieser – hierzulande wirklich möglich, vernünftig und wünschenswert ist. SE/PM

Beitragsbild: Wisent. Foto: SE

4 Gedanken zu „Brandenburg: Kritik an Wisentabschuss

  1. Ronbi

    Wisent im Wald, Gefahr im Verzug. Sonst kann man auch Rinder, ohne Aufsicht in den Wald, treiben.
    Da zeigt einer schon mal Handlungsbereitschaft, dann soll und wird er abgewatscht.
    Unfug paradox.

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  2. Jochen

    Unglaublich, was da mal wieder geistig limitierte Provinzbeamte sich geleistet haben. Da wandert ein Wisent aus Polen über die Grenze und diesen Verrückten fällt nichts anderes ein, als sofort los zu ballern. Nach allen zur Verfügung stehenden Informationen, kann von Gefahr in Verzug überhaupt keine Rede sein. Der Wisent unterliegt in Deutschland der Vollschonung, leider habe ich keine Hoffnung, daß diese [Kommentar gekürzt, bitte Netiquette beachten, admin.] zur Verantwortung gezogen werden.
    Dieser Wisent wurde auch nicht angesiedelt, sondern ist eigenständig eingewandert, was einen ganz anderen Sachverhalt darstellt. Im Gegensatz zur Populationsdynamik bei Wölfen, braucht man keine Sorgen zu haben, das sich hier in kürzester Zeit mehrerer Hundert Wisente in D. herumtreiben.

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  3. Ralf K.

    Vermarktungsverbot heißt, dass das hochwertige rindfleischähnliche Fleisch vergammeln muss? Ich fasse es nicht! In was für einer Welt leben wir? Welch Verschwendung von Ressourcen!
    Manche Sichtweisen sind wirklich überdenkenswert. Ob das nun der Abschuss von Wölfen, die in ihrer Art nicht bedroht sind, oder eben dieser Abschuss ist- die Schutzregelungen machen keinen Sinn!

    Ich frage mich gerade, wie naiv und verblendet man sein muss, um hier “unberührte Natur” fordern zu wollen. Die Großstädte bauen wir zurück, damit die Natur ihr Gebiet zurückerobern kann? Kommt langsam mal auf den Boden derTtatsachen zurück!

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