Brandenburg: Kahlfraß im Kiefernwald

Trotz einer vor einigen Monaten erfolgten, sicheren Prognose durch Waldschutzexperten des Landesbetriebs Forst Brandenburg (LFB) ist es auf beträchtlichen Flächen sind nun hundert Hektar Wald in der Lieberoser und Reicherskreuzer Heide durch Kiefernspinner kahl gefressen worden. Darauf weist der LFB in einer aktuellen Pressemitteilung hin. Grund dafür ist demnach eine Bestimmung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Danach sei es generell verboten Pflanzenschutzmittel in Naturschutzgebieten einzusetzen. Diese Auflage bedeuten für ein Kiefernland wie Brandenburg nicht nur wirtschaftliche Schäden für den Waldbesitzer, sondern auch eine Entwaldung großer Flächen. Naturschutzverbände kritisieren den Spritzmitteleinnsatz im Wald, weil den Insektiziden nicht nur die für den Kahlfraß verantwortlichen Schädlinge, sondern auch zahllose andere Insekten zum Opfer fallen.

Der immer noch hohe Anteil gleichaltriger Kiefernreinbestände, geringe Niederschläge und arme Sandböden sind die Hauptursachen für die regelmäßig wiederkehrenden Schädlingsinvasionen. Mit einem Monitoring erfasst deshalb der Landesbetrieb Forst Brandenburg die Schädlingsdichten und erstellt eine Prognose für die Gefährdung der Wälder. Ziel ist die Minimierung und teilflächengenaue Anwendung von Insektiziden zur die Verhinderung großflächiger Waldverluste. Im Ergebnis der intensiven Überwachung von Nonne und Kiefernspinner war schon seit 2012 eine zunehmende Gefährdung für die Folgejahre vorausgesagt worden. Der Einsatz von Insektiziden aus der Luft ist dann nach Ansicht des LFB oft die einzige Möglichkeit, größere Schäden zu verhindern.

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Gefräßig: Raupen auf Kiefer. Foto: LFB

Bekämpfung in Naturschutzgebieten abgelehnt

Eine Bekämpfung der Schadinsekten darf nur mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel erfolgen. Für die Zulassung oder Genehmigung ist das BVL zuständig. Seine Entscheidungen trifft das BVL in Abstimmung mit dem Umweltbundesamt, dem Julius-Kühn-Institut und dem Bundesinstitut für Risikobewertung. Den Genehmigungsbescheid, den das BVL für die diesjährige Befliegung erteilte, schloss die Anwendung von Pflanzenschutzmittel in Naturschutzgebieten generell aus. Damit war es den Akteuren vor Ort nicht mehr möglich eine Abwägung zwischen dem Walderhalt und den eventuellen Auswirkungen des Pflanzenschutzmittels auf den Naturhaushalt vorzunehmen. So konnte in mehreren Naturschutzgebieten auf einer Fläche von insgesamt 1400 Hektar trotz akuter Gefährdung des Waldes die Schadinsekten nicht bekämpft werden.

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Danke, BVL: Großflächiger Kahlfraß wie vorhergesagt. Fotos: LFB

Ausmaß der Schäden ist noch nicht absehbar

Nun sind die prognostizierten Schäden Realität geworden. Tausende und abertausende Raupen von Kiefernspinner sowie Nonne haben die Nadeln in den Baumkronen und auch der jungen Bäume gefressen und sind jetzt auf der Suche nach letztem Grün. Da beim Fraß des Kiefernspinners weder Nadeln, Knospen noch Maitriebe verschont werden, sind diese Wälder stark existenzgefährdet. Die Raupen des Kiefernspinners werden in benachbarte Kiefernbestände einwandern und sich im nächsten Jahr dort weitervermehren. Die Nonnenraupen fressen auch Nadeln und Blätter anderer Bäume und Sträucher, was in einem Kiefernreinbestand zu weiterer Strukturverarmung führt. Die Regeneration kahl gefressener Kiefern ist in hohem Maße von der Witterung im Sommer der nachfolgenden Jahre abhängig. Ein Dürresommer in diesem oder nächstem Jahr kann zum flächigen Absterben der Kiefern führen. Die überlebenden, aber geschwächten Bäume werden dann oft Opfer von holz- und rindenbrütenden Insekten.

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Fotos: LFB

Gegen die Kiefernschädlinge Nonne und Kiefernspinner wurden im Frühjahr vor allem in den südlichen Landesteilen auf 10.400 Hektar Pflanzenschutzmittel aus der Luft ausgebracht. Die Kontrollen zeigen, so der LFB, dass auf den behandelten Flächen ein Kahlfraß und damit auch ein Absterben der Bestände verhindert werden konnte. PM LFB

Ein Gedanke zu „Brandenburg: Kahlfraß im Kiefernwald

  1. Gottfried Schnurr

    Der Tiergarten (Naturschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Gebiet) liegt südlich von Berlin, im Kerngebiet von Königs Wusterhausen einschließlich Neue Mühle und wird ebenfalls von den Ortsteilen Senzig und Zeesen umschlossen. Er ist zentrales Erholungsgebiet für die Bürger von Königs Wusterhausen und seiner Gäste.

    Es gibt kaum ein Waldgebiet mit einer Größe von knapp 100 Hektar, das so intensiv zum Wandern, Spazieren, Radfahren, Joggen, Nordic Walking und für die Umweltbildung genutzt wird. Alteichen von über 250 Jahren sind Zeitzeugen aus der Herrschaftszeit Friedrich Wilhelms I. Buchenbestände jeder Altersklasse bezaubern durch ihre Schönheit. Alt- und Totholzbäume zeigen sich in skurrilen Formen und bieten Pilzen, Pflanzen und Tieren eine ökologische Nische.

    Von der zuständigen Oberförsterei in Königs Wusterhausen wird der Raupenbefall der Eichen in unserem Tiergarten als sehr stark bezeichnet. Das ist nacheinander das zweite Schadensjahr. Falls keine Bekämpfung durchgeführt wird, werden die Eichen weiter an Vitalität verlieren und absterben. Die größten Bäume sterben zuerst, das kann man schon sehen. Eine Vermehrung von Nutzinsekten ist nicht nachgewiesen.

    Die Bundesbehörde in Braunschweig verlangt von der zuständigen Landesbehörde in Frankfurt/Oder eine eingehende Begründung für eine ausnahmsweise Bekämpfung in Naturschutz- und FFH-Gebieten (FFH-Flora-Fauna-Habitat). Diesen Schutzstatus hat der Tiergarten.

    Der stellvertretende Landrat verlangt von der Oberförsterei eine nochmalige Begründung für die Bekämpfung. Falls nun keine politische Entscheidung getroffen wird, tritt das ein, was am Anfang dargestellt wurde. Es ist auch hier in Neue Mühle 5 Minuten vor 12 !!

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