Brandenburg: Jagdhund auf Drückjagd erschossen

Auf einer vom Landesforst Brandenburg veranstalteten Drückjagd bei Briesen (Landkreis Oder-Spree) ist am Donnerstag (17.01.) ein 15 Monate alter Laika erschossen worden.

Der Vorfall ereignete sich gegen 11 Uhr vormittags, als zwei Treibergruppen mit Hunden eine durch einige Bäumchen aufgelockerte Schilfpartie durchdrückten. Wie ein Augenzeuge gegenüber JAWINA schildert, arbeiteten sowohl die Treiber als auch die Hunde laut. Die in einiger Entfernung voneinander durchgehenden Treibergruppen konnten sich gegenseitig hören und so ihren jeweiligen Standort einschätzen. Es waren Sauen im Treiben. Der Laika stöberte einen etwa zweijährigen Keiler auf und trieb ihn aus dem Schilf, eine weitere Sau folgte auf der Fährte des Keilers. Kurz nachdem der Keiler das Schilf verlassen hatte, brach ein Schuss. Unmittelbar darauf rief der Besitzer des Laika: “Wer hat geschossen, wer hat auf den Hund geschossen?”

Der Hund wurde von dem Geschoss oder einem Geschosssplitter im Bereich des Rückens bzw. der Wirbelsäule getroffen. Er brach sofort zusammen, lebte aber noch. Der Laika trug zu dem Zeitpunkt “definitiv” eine Signalweste und eine auffällige Halsung (wie auf dem Beitragsbild).

Als Schütze kommt den Augenzeugen zufolge nur ein Jagdgast aus Thüringen infrage. Der Mann soll selber Hundeführer sein und zuvor auf dieser Jagd bereits erfolgreich Rotwild gestreckt haben. Der verhängnisvolle Schuss soll aus einer Entfernung von ca. 70 Metern durch lichtes Stangenholz hindurch in Richtung der Treiber und Hunde abgegeben worden sein. Ein Nachsuchengespann hat den Anschuss und den vermutlichen Geschossweg kontrolliert und frische Abplatzungen an der Rinde eines Baums festgestellt. Möglicherweise ist das Geschoss also abgelenkt worden oder beim Aufprall zersplittert. “Das entlastet den Schützen aber höchstens ansatzweise, da er eindeutig in Richtung der Treiber und Hunde geschossen hat”, erklärt ein Jagdteilnehmer gegenüber JAWINA. Als dem Unglücksschützen klar wurde, was gerade passiert ist, muss ihn das schwer getroffen haben: Augenzeugen berichten, dass er kaum vom Stand kam und wirkte, als sei er kurz vorm Zusammenbrechen. “Er musste sich mehrfach an Bäumen festhalten, seine Gesichtsfarbe wechselte zwischen knallrot und aschgrau.”

Jagd vorbei

Nach dem Vorfall riefen alle Hundeführer nach Möglichkeit ihre Hunde ab, und bemühten sich, dem betroffenen Hundeführer und seinem Laika zu helfen. “Für uns war Jagd vorbei, da hatte keiner mehr Lust, noch weiterzumachen.” Der Hund wurde zunächst stabilisiert und während  ein Hundeführer sein Auto heranholte bauten andere aus einer Rettungsdecke und einem Pullover eine provisorische Trage. Der Laika wurde zu einem Tierarzt gefahren, wo er aufgrund seiner schweren Verletzungen eingeschläfert werden musste. Der Hundeführer hat Anzeige gegen den Schützen erstattet.

Große Solidarität unter Jägern und Hundeführern

“Wir haben dann das bereits gestreckte Wild geborgen, uns an die Autos gestellt und gewartet, bis die Jagd vorbei ist”, berichtet ein Hundeführer. Der Jagdleiter ließ bei seiner Ansprache einen Hut herumgehen, “und es war kaum einer dabei, der nicht einen Schein reingesteckt hat”, lobt eine Jagdteilnehmer die Solidarität unter Jägern und Hundeführern.

Der Jagdleiter fand die passenden Worte zu dem Vorfall: “Wir wollen Strecke machen, aber nicht um jeden Preis. Und dieser Preis ist zu hoch.” SE

Beitragsbild: Der erschossene Laika bei einem Jagdeinsatz an erlegtem Wildschwein vor wenigen Wochen. (Foto: privat, JAWINA dankt für die Genehmigung zur Veröffentlichung)

24 Gedanken zu „Brandenburg: Jagdhund auf Drückjagd erschossen

  1. Ronny

    Ich kann echt keinem raten seinen Vierläufer auf den unsäglichen Bezahljagden der Landesforst einzusetzen. Mein Beileid dem Hundeführer!

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  2. Jürgen

    Ronny, diese Aussage ist unfair, denn der Landesforst ist doch nicht mitschuldig an der Unbeherrschtheit des Unglücksschützen; das passiert ebenso auf Privatjagden.
    Ich selbst bevorzuge sogar Jagden bei Staatsforsten seit Jahrzehnten, weil ich dort eine merklich höhere (Zwangs-)Disziplin bei Schützen erleben konnte. Ansage, Durchführung und Nacharbeit sind bei Staatsjagden deutlich besser organisiert. Schlechte, undisziplinierte Schützen hatte ich wiederholt bei Jagdveranstaltern angetroffen,
    die sich beim “Staat” eingekauft haben und “Zahlgäste” auf die Jagd losließen, die offensichtlich sonst keine Jagdgelegenheiten hatten, geschweige denn von der Hundearbeit und den damit einhergehenden Gefahren für Hund und Führer nicht den Ansatz einer Ahnung zeigten. Das Bauchweh als Hundeführer ist bei jeder Jagd dabei, ob ich mit durchgehe oder ansitze, und hoffe, dass die Hunde bloß nicht zu Schaden kommen mögen.

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    1. Ronny

      Jürgen glaub mir ich weiss wovon ich rede. Für die Bezahljagden im Staatsforst werden nicht nur Jäger aus den abgelegensten Ecken Deutschlands rangekarrt (schon mal überlegt, warum die so weit fahren müssen um irgendwo jagen zu dürfen?) sondern auch noch diverse Holländer, Dänen, Belgier bei denen keiner weiß ob sie die Ansprache oder Freigabe verstehen. Und wenn es ganz dicke kommt werden noch Jungjäger rangekarrt die seit drei Wochen den Jagdschein haben. Wer Abends heil nach Hause kommen und den Hund lebend mitbringen will geht da nicht hin.

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      1. Jürgen

        Nun, Ronny,
        ich gehöre auch zu den Jägern (<40 JJ), die gerne quer durch Deutschland mit Hunden z.B. nach Brandenburg zu Drückjagden fahre;
        aus Freundschaft? wegen besseren Wildbesätze? wegen der anderen Landschaft? trifft sicher alles zu und mehr.
        Deine Behauptungen müssen belegt werden können, sonst sind sie nicht haltbar. Deine Unterstellung, dass Jungjäger potentielle Gefahrenquellen bei Drückjagden sind, ist mit Verlaub unverschämt. Gerade das Gegenteil ist der Fall; sie sind eher vorsichtig zurückhaltend, weil sie noch keine Erfahrung haben und wollen ihr Jägerleben nicht mit "Schandtaten" beginnen.
        Ich spreche von Jungjägern, die eine Jagdschule absolviert haben, keine Schnellbleiche in 3 Tagen. Gefährlicher sind die pulverdampfergrauten Herrschaften, die meinen, sie könnten ihre Schießfertigkeiten am lebenden Objekt verbessern. Dabei wollen wir es hier bewenden lassen, wir ändern ja nichts.

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      2. Thomas

        Ganz ehrlich.. Du schreibst sehr viel Mist.. es gibt sicherlich mal solche Probleme.. aber sicher nicht alle .. komme selber viel rum und das als HF und die Strengen Regeln und die klaren Ansagen kommen beim Forst..das ein Hund erschossen ist der Alptraum schlechthin, aber da kann er der Forst nichts für… jeder ist für seinen Schuss verantwortlich..

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  3. Anko

    Ein Albtraum für jeden Hundeführer, als HF kann ich halbwegs erahnen, was das bedeutet. Gerade wenn ein Fremdverschulden im Raum steht oder anzunehmen ist. Ein abgelenktes Geschoss war nicht auszuschließen, insofern sollte trotz derzeitiger Indizien der Ball noch flach gehalten und die Aufklärung abgewartet werden.

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  4. Manfred Fröhlich

    Der Hund mußte eingeschläfert werden und kommt von der Jagd mit seinem Herrchen nicht mehr nach Hause. Das ist der Supergau für jeden Hundeführer! Nur gibt es hier bei den Schreibenden und auch im Bericht von JAWINA schon wieder Vorverurteilungen. Sei es die Jagdausbildung oder ein Jäger hat gesagt. Wie oft geht ein Schuß im Treiben daneben, gegen einen Stein, wird durch einen Baum oder Ast abgefälscht. Ich denke in dieser Saison auch wieder hunderte Male und nichts ist passiert. Nur wie oft kam es zu Verletzungen und Tötung durch abgelenkte Geschosse? Das wissen doch einige Hundführer die ihren Hund selbst auf der Jagd verletzt und getötet haben! Der Teufel ist ein Eichhörnchen und wir wissen:” Ist erst die Kugel aus dem Lauf………!”
    Warten wir erst einmal die Klärung des Sachverhaltes durch die zuständigen Stellen ab! Wünsche Allen, dass sie immer heil mit ihren Vierbeinern von der Jagd nach Hause kommen!!

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    1. admin Beitragsautor

      Was heißt hier Vorverurteilung? Augenzeugenberichten zufolge hat er in Richtung von Treibern und Hunden geschossen.

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      1. Karsten Frank

        Es ist nicht ,,nur” ein Hund und Jagdhelfer, sondern auch in den meisten Fällen ein enges Familienmitglied. Sehr tragisch dieses Unglück für den Hund, den Hundeführer aber auch für den Unglücksschützen. Wenn der Schütze wirklich in Richtung des Treibens geschossen haben sollte, ist es im höchsten Maße fahrlässig! Ob der Jagdgast Ausländer, Jungjäger oder auch ein alter erfahrener Jagdbeständer ist birgt jede Gesellschaftsjagd trotz der hohen Sicherheitsbestimmungen für Mensch und Hund immer ein gewisses Risiko.
        Dessen sollte sich meiner Meinung nach jeder Jagdteilnehmer und Hundeführer bewusst sein.
        Weidmannsheil

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        1. Yvonne Nowack

          Ja das sehe ich genauso. Jeder trägt die Verantwortung für seinen Hund und auch für alle anderen. Ich kann ein Hobby nun mal nur ausführen, wenn ich es auch beherrsche. Abgesehen davon halte ich von diesen ganzen Treibjagden nichts.

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  5. Jens

    Jens aus Brandenburg.
    Ich kann mich nur an Jürgen anschließen.Es giebt bei der Forst strenge Regeln. Zum Beispiel darfen unsere Jagdgäste keinen zweiten Schuss mehr auf Wild abgeben wenn das erste Sück nicht liegt. Sie werden auch belehrt darüber wenn Hunde am Stück sind das da der Finger gerade bleibt. Jungjäger werden von uns auch langsam herangeführt. Ich persönlich hatte vor 20 Jahren einen erfahrenden Jäger zur Seite gehabt.

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  6. Christian

    Wahrscheinlich war der Jäger, Schütze, schon Scheintod. Wenn ich sehe was für Jäger eine Waffe tragen dürfen bin ich oft entsetzt. Sehen fast nix mehr, hören fast nix mehr, das an den Jägerstãnden kein Treppenlift ist fehlt noch.

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  7. Herbert

    Tut mir leid um den Hund. Ich selber hätte auch so eine Situation mit meinen Hund der Gott sei dank überlebt hat. Es ist ein Albtraum. Mein Hund war damals bei der schussabgabe ca 100m entfernt in einer Ganz anderen Richtung. Der Schütze könnte nichts dafür . Wenn der Hund von einer Sau tödlich geschlagen worden wäre hätte man auch so reagiert oder hätte man Ruhe gegeben . Macht nicht die jungjäger für alles verantwortlich und schon garnicht den Beständer egal ob Forst oder privat . Zu Hause passiert so etwas nicht auf dem Sofa. Wenn ich mit Hunden jage muss ich auch mit Verletzung oder Tod rechnen . Ich bin selber HF und weißes das es weh tut. Waidmanns heil.
    Ps : war der Leika wirklich laut? Glaube ich noch garnicht . Entschuldigt den Schuss aber nicht .

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    1. admin Beitragsautor

      Naja, weiß man nicht, ich habe selber schon Laikas gesehen, die stumm in einem Rudel Damwild mitliefen. Aber der Laika hat ja in einer Treibergruppe gearbeitet, und die Hunde und Treiber waren laut Zeugenberichten definitiv laut. SE

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  8. Eva Hesse

    Erstens: Das Jagdgesetz schreibt eindeutig vor,das nur ein Schuss auf ein Stück Wild abgegeben werden darf, wenn man es eindeutig ansprechen kann.
    Zweitens: Wechselt Wild den Schützen an und wird in kurzem Abstand von einem Jagdhund verfolgt muss der Finger gerade bleiben! Egal ob der Hund laut oder stumm ist. Leichtfertige schusshitzige Schützen gefährden nicht nur unsere Hunde, sondern auch die Jagdhelfer und die Nachbarschützen!

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  9. Jäger

    Leute ihr solltet euch nicht gegenseitig runter machen. Jeder hat irgendwie in seinen Kommentaren recht. Der Fakt ist, das ein Hund ob nun wegen undisziplinierten Verhalten oder per Appraller, eingeschläfert werden musste. Das ist sehr sehr traurig und ich als Hundeführer (Seit 1993) weiß was das heißt. Meine Vierbeiner sind voll im Familienalltag integriert. Der Schütze selbst ist auch Hundeführer und weiß was da passiert ist. Letztendlich wird die Sache untersucht und bestimmt auch aufgeklärt. Das bringt den geliebten Vierbeiner jedoch auch nicht wieder und wir sind alle nur Menschen genau so wie der Schütze. Und auch wir haben bestimmt schon Fehler in unserem Leben gemacht.

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  10. any

    Viele der Kommentare beschreiben unterschiedliche Situationen. Ich bin recht häufig als HF dort mit unterwegs. Auch an dem Tag des Unglückes. Man erlebt gute und schlechter organisierte Drückjagden. Dort in der Ecke Müllrose sind die Jagden sehr gut organisiert. Die Sicherheitsbelehrungen, Freigaben etc. sind immer (!) gut und klar kommuniziert. I.d.R steht dem Jagdleiter dann noch ein weiterer Förster mit ggf. ergänzenden Ausführungen zur Seite. Viele der Förster dort führen auch ihre eigenen Hunde. Also an der Veranstaltung und Durchführung an sich liegt es nicht.

    Ein entsetzlicher Verlust nach einem Unglück. Nicht mehr rückgängig zu machen. Schmerz des Laikaführers der ihn immer begleiten wird.
    Das alles entscheidende ist doch… wenn nicht Ziel, Ansprache, Entfernung, Kugelfang stimmen … muss der Finger gerade bleiben. Und wer sich auch mal am Ende der Jagd den Streckenplatz ansieht wird feststellen, dass viel Leid durch schlechte Schüsse entsteht. Wenn am Ende einer Jagd mitunter noch 10 Nachsuchen anstehen, wenn mehrmals auf Wild geschossen wird bis es endlich verendet… dann meine ich sollte der eine oder andere noch einmal über waidgerechtes Jagen nachdenken und üben gehen… aber nicht auf der Jagd.
    Hoffen wir, dass sich so etwas möglichst nicht mehr wiederholt.

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    1. Jäger

      Ich kann dir nur beipflichten. Wir Jäger zerreißen uns im Netz untereinander ( was sicher viele Gegner freut ), aber wenn sich diese Leute gegenüber stehen bekommen sie die Klappe nicht auf.

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  11. Torben Müller

    Zusammensetzen. Fehler besprechen. Organisation der Drückjagden deutlich verbessern. Vor der Jagd noch klarer belehren. Bezahljagden deutlich eindämmen. Man weiß nie genau, wer den Finger da am Abzug hat. Das ist höchst gefährlich für MENSCH und TIER! Er hätte auch einen Treiber treffen können. Keine gute Werbung für die Weidmänner!

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