Brandenburg/Havel: Jäger zoffen sich mit Stadtverordneten

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Anschuldigungen erheben, Forderungen stellen, aber null Entgegenkommen zeigen – die Jäger im Jagdverband Brandenburg/Havel haben davon genug und kritisieren die Stadtverordnetenversammlung in einem Offenen Brief zur “Schwarzwildbejagung und Prävention der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in der Stadt Brandenburg an der Havel”

Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

“Sehr geehrte Stadtverordnete,

in letzter Zeit wurde seitens der Stadtverwaltung und durch den Oberbürgermeister Herrn Scheller in den Medien und der SVV propagiert, dass die Jäger zu wenig Schwarzwild in der Stadt Brandenburg an der Havel erlegen. Da bisher die Jägerinnen und Jäger als Fachleute hier nicht gehört wurden, gibt uns dieses Anlass, hierzu Stellung zu beziehen.

Das Schwarzwildproblem (sofern es überhaupt eines ist) in den Ortslagen, ist nicht allein auf mutmaßlich extreme Bestände zurückzuführen. Es erklärt sich dadurch, dass die Schwarzkittel dieses Jahr weder im Feld (keine Erntereste vom Maisanbau) noch im Wald (keine Waldfrüchte: Eicheln, Bucheckern) Nahrung finden und nun in die Ortslagen ziehen, um insbesondere auf den Grünflächen nach Nahrung zu suchen.

Der Ruf nach den Jägern, noch mehr Schwarzwild zu schießen und dieses mit der drohenden ASP zu begründen ist verwunderlich und nicht zielführend. Gab es doch bisher zur Problematik der Befreiung bei der Trichinenprobengebühr merkwürdige Ausreden, wie: „die Stadt Brandenburg an der Havel sei von der ASP nicht betroffen“ oder „eine Gebührenbefreiung wäre rechtlich nicht möglich“.

Andere Städte und Landkreise, wie Märkisch-Oderland, Spree-Neiße und Potsdam- Mittelmark, haben hier auch Wege gefunden.

Die vorhandenen Jägerinnen und Jäger stoßen bereits jetzt an die Grenzen der zeitlichen Kapazitäten zur Bejagung und Lagerung (Kühlmöglichkeiten). Auch ist der Absatz des erlegten Wildes (Wildbret) kaum noch oder zu sittenwidrigen Ankaufpreisen möglich.

Eine fachgerechte Jagd auf Schwarzwild und ggf. Fallwildsuche erfordert eine Anzahl von entsprechend umfangreich ausgebildeten und geprüften Jagdgebrauchshunden. Die Stadt Brandenburg an der Havel erteilt keine Befreiung von der Hundesteuer für diese Jagdgebrauchshunde obwohl sie sogar gesetzlich für die Jagdausübung vorgeschrieben sind.

Die Hundesteuersatzung, deren rechtlicher Zweck, die Anzahl der Hunde effektiv einzudämmen ist, ist hier kontraproduktiv. Eine angemessene Anerkennung der Leistung der engagierten Hundeführer sieht anders aus. F

Ferner wird suggeriert, dass der Einsatz von Wildschweinfallen die Strecke schneller und effektiver erhöhen würde, als die weidgerechten Jagdmethoden. Zu den im Land Brandenburg zulässigen Kastenfallen zum Fang von Schwarzwild halten wir nicht nur ethische Bedenken (Stress und Verwendung von Kleinkaliber) entgegen. Wir verweisen auch auf die enormen bürokratischen Hürden und den gewaltigen Zeitaufwand, welche seitens der obersten Jagdbehörde gefordert werden. Hierzu bleibt offen, wer die Überwachung sicherstellen soll und wohin mit den gefangenen Tieren.

Wir bitten Sie zu beachten, dass die Jägerinnen und Jäger ehrenamtlich ihre gesetzlichen Aufgaben in Ihrer Freizeit erfüllen und dieses unter hohen Kosten, insbesondere für Jagdpacht, Jagdgebrauchshund und technischem Gerät (Waffen, Kühlgeräte u. dgl.).

Wir sind der Meinung, die Stadt sollte nicht nur fordern, sondern auch handeln.

Wir erwarten von der Stadt Brandenburg an der Havel deshalb Unterstützung und Anerkennung der Jäger durch:

1. Übernahme der Trichinengebühr durch die Stadt Brandenburg an der Havel.
2. Befreiung von der Hundesteuer für Jagdgebrauchshunde in Jägerhand.
3. Unbürokratische Genehmigungsregelungen und Erlass der Gebühren zur Verkehrs-regelung anlässlich von Gemeinschaftsjagden
4. Flächige, kostenfreie und ganzjährige Bereitstellung von Konfiskat-Tonnen zur unschädlichen Beseitigung von Eingeweiden und Zerlegungsresten
5. Stützung der schlechten Wildbretpreise zum Anreiz der Frischlingsbejagung

Freundliche Grüße

gez. Hohmann (Vorsitzender) gez. Freifrau von Heder (Beisitzerin) gez. Zander (Beisitzer)
gez. Püschel (stellv. Vorsitzender) gez. Vollmer  (Schatzmeister) gez. Strauß  (stellv. Beisitzer)”

Beitragsbild: Offener Brief des JV Brandenburg/Havel an die Stadtverordnetenversammlung (Screenshot, Ausschnitt)

Ein Gedanke zu „Brandenburg/Havel: Jäger zoffen sich mit Stadtverordneten

  1. Andreas Beiler

    Die Überschrift des Artikels geht in meinen Augen an der Sache vorbei und polemisiert. Es wird behauptet, es gäbe Zoff zwischen Jägern und Stadtverordneten. Das kann ich dem Artikel nicht entnehmen Ich halte das Schreiben des Jagdverbandes für sehr sachlich und in der Sache für zielführend!
    Weidmannsheil
    Andreas Beiler

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