Brandenburg: Frontalangriff auf Wellershoff

Jagdverband spricht LJVB-Präsident das Misstrauen aus

Der Jagdverband Brandenburg/Havel hat dem Präsidenten des Landesjagdverbands Brandenburg (LJVB), Dr. Dirk-Henner Wellershoff, in einem auf den 11.06. datierten Schreiben das Misstrauen ausgesprochen. Dies erfolgt dem (der Red. vorliegenden) Schreiben zufolge aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Vorstands vom 05.06., basierend auf einstimmigen Beschlüssen der Mitgliederversammlung vom 22.02, wie es heißt.

In dem Brief wirft der JV Brandenburg/Havel Wellershoff “fehlendes Demokratieverständnis” vor, welches nicht länger hingenommen werden könne. Der Präsident sei laut § 9 der Satzung des LJVB “kein Organ dieses Verbandes, welches nach eigenem Gutdünken handeln könne, sondern […] an die Beschlüsse der Organe gebunden.”

Konkret wird Wellershoff u.a. vorgeworfen, sich zum Lehrrevier Groß Kreutz nicht uneingeschränkt bekannt zu haben, bei der Ablehnung von Förderungen von Projekten des LJV seitens der Obersten Jagdbehörde (OJB) nicht “alle zulässigen und möglichen rechtlichen Wege” ausgeschöpft zu haben und sich bei der DVO Jagd auf einen “faulen Kompromiss” eingelassen zu haben.

Die Kritik an der Mitwirkung und Zustimmung zur umstrittenen DVO Jagd nehmen den breitesten Raum in dem Brief ein:

Aus dem Schreiben des JV Brandenburg an den LJVB-Präsidenten Dirk-Henner Wellershoff. (Screenshot)

Kommentar: Warum stimmt man für etwas, um es im Nachhinein vehement zu kritisieren?

Fairerweise sollte man in diesem Zusammenhang Wellerhoffs Offenen Brief “DVO Jagd in der Abstimmungsphase der Verbände” zur Kenntnis nehmen und sich fragen, ob in der derzeitigen politischen Konstellation realistischerweise wirklich so viel mehr für die Jagd herauszuholen war. Wenn Wellershoff gegen Ende des Schreibens selbst offensichtlich scherzhaft gemeinte Äußerungen wie sein Vorschlag, überschüssige Wölfe ins Saarland umzusiedeln, als dem Ansehen der Jägerschaft schadend vorgehalten werden, dann gewinnt man schon den Eindruck, dass der mitunter durchaus glücklos agierende LJVB-Präsident tun kann, was er will, er wird es seinen Kritikern nie recht machen. So wird z.B. in dem oben gezeigten Abschnitt zur DVO ein entschiedeneres, konfrontativeres Vorgehen gefordert, welches aber umgehend als “nicht zielführend” und “die weitere Spaltung der Jägerschaft” herbeiführend verurteilt wird, wenn etwa der LJVB zum Boykott der Jagden im Landeswald aufruft.

Die Initiatoren des Misstrauensvotums müssen sich daher fragen lassen:

Was wollen sie erreichen, und ist ein in der Öffentlichkeit ausgetragener Konflikt der geeignete Weg, es zu erreichen? Wenn sie die Abwahl Wellershoffs betreiben wollen, können sie eine außerordentliche Delegiertenversammlung beantragen und dort einen geeigneten Gegenkandidaten präsentieren. Wenn sie das nicht wollen oder können – was bringt dann das Misstrauensvotum?

Nach Informationen von JAWINA hat es eine erweiterte Präsidiumssitzung zur DVO gegeben (auf der also auch die Vorstandsmitglieder des JV Brandenburg stimmberechtigt waren), auf der ohne Gegenstimmen beschlossen wurde, den Entwurf mitzutragen. Warum stimmt man für etwas, um es im Nachhinein vehement zu kritisieren?

Allen Beteiligten sollte klar sein, dass es nicht im Interesse der Jagd und der Jäger sein kann, eine Spaltung des LJV nach sächsischem Vorbild zu provozieren. Es geht nicht darum, devot jede Kröte zu schlucken und sich herumschubsen zu lassen, aber Kritik sollte sachlich und nach Mögichkeit im Rahmen der durch die Satzung dafür vorgesehenen Gremien erfolgen. Alles andere spielt den Gegnern in die Hände. Der LJVB ist aufgefordert, die trotz aller Forderungen und Lippenbekenntnisse nach wie vor kaum wahrnehmbare Verbandskommunikation – extern wie intern – und Öffentlichkeitsarbeit endlich auf ein professionelles Niveau zu heben. Das dürfte die zuverlässigste Abhilfe gegen die teilweise durchaus berechtigte Unzufriedenheit mit dem Wirken des LJVB darstellen.  SE

Beitragsbild: Schreiben des JV Brandenburg an LJVB-Präsident Wellershoff (Screenshot, Ausschnitt)

 

 

2 Gedanken zu „Brandenburg: Frontalangriff auf Wellershoff

  1. Dr. Wolfgang Lipps

    Ich halte nichts von einer Attacke gegen den Präsidenten des LJV. Für sehr berechtigt halte ich statt dessen die fundierte Kritik. Und Herr Dr. Wellershoff sollte in der Tat seine ambivalente Haltung überprüfen – harsche Kritik, absolut berechtigt, und Boykottaufruf, und dann dennoch Zustimmung und die Meinung, diese unsägliche DVO sei denn doch “gut zu ertragen”. Das ist ein “Herumeiern”, das uns Jägern genau so schadet wie offener Angriff, und das der Forstpartie sicherlich nicht imponiert.

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  2. Jörg Rzepka

    Ich denke, man sollte sich in erster Line fragen; was muss alles im Vorfeld geschehen sein, dass zu solch drastischen Mitteln gegriffen wurde. Vermutlich sind die Dinge, die an die Öffentlichkeit gelangen, nur die Spitze des Eisberges.
    Eine rückstandslose Aufklärung und die daraus resultierenden Konsequenzen, sind das Mindeste was wir Verbandsmitglieder erwarten dürfen.
    Denn Politik hin oder her, der Verband lebt durch seine Mitglieder.

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