Brandenburg: Familienbetrieb verliert in einem Jahr 21 Kälber und 1 Pony an Wolf

Streit um Wolfsrisse eskaliert – Hausverbot für Nabu-Rissgutachter

21 Rinder und ein Reitpony hat der Brandenburger Landwirt Ralf Högemann in seinem 500-Hektar-Familienbetrieb innerhalb nur eines Jahres an Wölfe verloren. Die Wölfe, manchmal einer, manchmal zwei oder drei, schleichen “morgens, mittags, abends und nachts” um den Betrieb, bis auf 100 Meter nähern sie sich seinem Wohnhaus, Högemann fährtet sie auf dem Weg zwischen den Ställen, den Kindern hat er verboten dort zu spielen, wie der Landwirt in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) berichtet. Vier Wochen lang hat er aus Angst vor Wolfsangriffen auf der Weide übernachtet. Inzwischen fürchtet Högemann um seine Existenz: Wir sind ein Familienbetrieb, ein kleines Unternehmen, wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, klagt er in der MAZ. Für keinen der Wolfsrisse hat er bislang eine Entschädigung erhalten.

Die Wolfsbeauftragte des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums verweist auf die “Hilfsangebote” des Landes, auf die “ein bis zwei Litzen” mehr am Stromzaun der Weiden, die “schon ausreichen” würden. Das wirkt zynisch angesichts der Schnelligkeit, mit der Wölfe lernen, immer höhere Zäune und andere Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden. Bauer Högemann stellt auch klar, dass die gezahlten Zuschüsse bei weitem nicht ausreichen und der Familienbetrieb die Kosten für Zaunbau, Instandhaltung und Pflege nicht schultern kann.

Gar nicht weit weg, im Fiener Bruch (ebenfalls Landkreis Potsdam Mittelmark) hat sich offenbar ein weiteres Wolfsrudel etabliert, die Wölfe haben einen Streichelzoo weitgehend dezimiert und reißen Jungrinder bei der Agrargenossenschaft, wie die MAZ berichtet. Zur Eskalation führte auch hier ein Auftritt des umstrittenen Nabu-Rissgutachters Wolfgang Schanz (JAWINA berichtete), der die Zäunung bemängelte. Diese sei “teilweise defekt” und “unten nicht eingegraben.” Was es bedeutet, Zäune rund um großflächige Viehweiden einzugraben, kann sich auch der landwirtschaftliche Laie ausmalen. Überdies stellen eingegrabene Zäune einen Grenzbereich dar, in dem unklar ist, ob es sich um genehmigungsfreie Bauwerke handelt oder ob bau- und naturschutzrechtliche Genehmigungen erforderlich werden, die im Außenbereich in der Regel nicht erteilt werden. Zudem ist zu fragen, ob die großflächige Zerschneidung der Landschaft mit zunehmend unüberwindlichen Barrieren gerade unter dem Naturschutzaspekt wirklich wünschenswert oder auch nur vertretbar ist.

Der (ehemalige) Inhaber des Streichelzoos ist jedenfalls stinksauer: Die Tierhalter werden an den Pranger gestellt, dabei wisse jeder, dass es keinen hundertprozentigen Wolfsschutz gibt.” SE

Beitragsbild: Mutterkuh mit Kalb. Foto: SE

9 Gedanken zu „Brandenburg: Familienbetrieb verliert in einem Jahr 21 Kälber und 1 Pony an Wolf

  1. JB

    Man soltte sich auch die ausgemergelte Milchkuh genau ansehen. DAs gleiche Schicksal erleiden die meisten Milchkühe in Deutschland. Auch dieses Kalb wird so enden. Und das meistens nach 4-5 Jahrten Qual.
    Was ist besser für die arme Kreatur?
    5 Jahre Schmerzen durch Vitaminmangel und Stoffwechselerkrankung und Schwierigkeiten beim Gehen, oder ein meist schneller Tod. Wir messen alles mit unseren menschlichen Gefühlen. Wer denkt an die Tiere?
    Der Wolf wird auch weiterhin den geringsten Widerstand nutzen, das ist sein Naturell. Wir müssen umdenken.

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    1. Kr.-Itisch

      Lieber JB, so eine Sch…e habe ich ja schon lange nicht mehr gehört oder gelesen. Es steht ihnen ja frei, die (Massen-) Tierhaltung zu kritisieren. Welchen Gesundheitszustand aber die Kühe auf diesem Hof haben, wissen sie doch gar nicht. Von diesem Bild auf alles andere zu schließen ist so weit von unserem Rechtsstaat weg. Das ist präjudizieren in Manier der Lynchjustiz, das ist Argumentation a la Trump oder Erdogan. Vielleicht mal darüber nachgedacht, dass die Kuh nach dem Kalben einfach so aussieht? Oder das das Kalb so aussieht wie es sein muss? Offensichtlich nicht.
      Und selbst wenn, wäre ein anderer Ansatz von Nöten, als ihre verschrobene Logik, das Leiden durch den Wolf verkürzen zu lassen. Wollen sie in fatalistischer Weise alles nach Darwin regeln lassen?
      In einem gebe ich ihnen Recht, wir müssen schnellstens Umdenken, was das Thema Wolf angeht. Der ökofaschistische Ansatz, den bisher verfolgt wurde, muss und wird revidiert werden. Warum sollen wir mit einer schadenproduzierenden Kreatur, wie dem Wolf, anders umgehen, als mit Rot- Reh- oder Schwarzwild.

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      1. Ralf

        Stimme ebenfalls zu.
        Allerdings wundere ich mich, in welcher Traumwelt Kommentatoren wie “JB” leben, bzw. wie weit diese sich von der Realität entfernt haben.
        Die Wölfe können die Tiere nach JB’s Meinung ruhig fressen!? Es sind ja auch nicht die Tiere von JB… Und Hunger hat JB ja auch nicht…

        Unsere Vorfahren hätten es nicht erduldet! Aber in der Stadt wird das Angebot an landwirtschaftlichen Produkten ja auch nicht knapper. Und Ausgleichszahlungen werden ja auch noch (vermutlich aus JB’s Sicht) eher zu Unrecht gezahlt… Ironie aus!

        Ich kann nicht soviel essen, wie ich brechen möchte!
        Wie weit hat sich eigentlich unsere Gesellschaft und leider auch die Politik von der Realität entfernt, dass steif und fest von manchen behauptet wird, dass Menschen Schäden von Wölfen hinzunehmen hätten?
        Land of confusion?

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      2. JB

        Hallo, Kr-Itisch,
        leider sehen die meisten Kühe genau so aus, auch wenn sie keine Kälber führen. Das ist der ganz normale Wahnsinn in Deutschland.Es wird auch nicht in Frage gestellt weil die Kuh nur noch ausgenutzt wird bis zum bitteren Ende.
        Das sagt Ihnen jemand der jahrelang Galloways hatte. Keine Kuh sah so traurig aus, wie die auf dem Bild.

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        1. admin Beitragsautor

          Das Foto ist übrigens auf dem Gnadenhof einer Tierschutzorganisation aufgenommen worden, es handelt sich um eine uralte, ausgemusterte und “gerettete” Milchkuh, die da auf ihre alten Tage mal erfahren durfte, wie es ist, wenn ihr ihr Kalb mal nicht weggenommen wird. Ich habe es ausgewählt, um das Thema “Kalb” zu illustrieren, ohne zu ahnen, welche Implikationen das Aussehen der Kuh nach sich ziehen würde.
          Es ist aber insofern nicht angebracht, vom Zustand der abgebildeten Kuh auf den aktiver Milchkühe in der deutschen Landwirtschaft zu schließen – deren Dasein unbestritten kein Zuckerschlecken ist. Es ist auch nicht wirklich seriös, das Erscheinungsbild einer Robustrasse/Fleischrasse mit dichtem Fell wie Galloways mit dem von Holsteinern, also hochspezialisierten Milchkühen, bei denen eine gewisse Knochigkeit ein erwünschtes Rassemerkmal darstellt, zu vergleichen. SE

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        2. Kr.-Itisch

          JB: wenn’s nicht so traurig wäre, würde ich mich totlachen. Unrecherchiert ziehen sie über ein Foto her und diffamieren grundlos einen Landwirt. Das ist aber leider immer mehr die Art und Weise, wie die Riege der Ökofaschisten versucht Aufmerksamkeit zu gewinnen oder Stimmung zu machen. Also: Erst denken, dann reden, bzw. schreiben.

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    2. Grimbart

      Schon mal daran gedacht, dass die Angriffe nicht im Stall erfolgten, sondern auf der Weide, wo die Kühe eben Auslauf haben? Was meinen Sie denn wohin der Zug wohl mit den Wölfen fährt, zu mehr Weidetierhaltung oder Stallhaltung?

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Gestern fand in Ahlsdorf im Süden Brandenburgs am Rande eines internationalen Bläserwettbewerbs eine Informationsveranstaltung zum Wolf in der Kulturlandschaft statt. Trotz intensiver Versuche der Initiatorin dieser Veranstaltung, Frau Iris Schülzke MDL, hat sich weder ein Vertreter des MLUL noch einer des entsprechenden Bundesministeriums bereitgefunden, sich die Sorgen und Nöte der Weidewirtschaft anzuhören, geschweige denn, dem Auditorium Rede und Antwort zu stehen. Gemunkelt wird sogar, dass einem Ministerialbürokraten des MLUL die Teilnahme quasi verboten wurde: Bananenrepublik!
    Die Anzeichen für zunehmenden zivilen Ungehorsam im Umgang mit dem Wolf mehren sich. Die Fortsetzung der Vogel-Strauß-Politik wird Isegrim als Art unserer Kulturlandschaft mehr schaden als eine inzwischen auch von den Jagdverbänden geforderte Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht und planmäßige Bejagung. Viele europäischen Nachbarn zeigen, dass das möglich ist, ohne Isegrim zu schaden.

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