Brandenburg: Erfolgreiche 55-km-Nachsuche auf Gebrechschuss

Der Schweißhundeverein Deutschland (SHVD) berichtet auf seiner Facebook-Seite über eine erfolgreiche Nachsuche auf ein Stück Schwarzwild mit Gebrechschuss, die sich über zwei Tage und epische 55 Kilometer erstreckte. Die Sau war auf einer Bewegungsjagd beschossen worden, der Schütze zu weit vorn abgekommen. Am ersten Tag arbeitete ein bekanntes Nachsuchengespann die Fährte des kranken Wildschweins über mehr als 25 Kilometer, bis die einbrechende Dunkelheit den Abbruch der Suche erzwang. Am nächsten Tag wurde die Nachsuche fortgesetzt, wobei sich ein BGS-Führer beteiligte, weitere Hunde(führer) hielten sich für Hetze und das Stellen des Stücks bereit. Auf den letzten zehn Kilometern der Fährte gab es keinerlei Bestätigung durch Pirschzeichen mehr. Es ist eine gigantische Leistung der Hunde und Gespanne, selbst erfahrene Nachsuchenführer hätten erfolgreiche Nachsuchen über solche (durch GPS-Aufzeichnungen der Hundeortungsgeräte belegte) Distanzen nicht für möglich gehalten.

Die Lehre, die daraus zu ziehen ist, sollte heißen: Gebrechschüsse sind zu kriegen – wenn auch nicht alle und nur mit hohem Aufwand und den besten Gespannen. Das Problem bei Gebrechschüssen ist ja, dass die Stücke vier gesunde Beine haben, folglich sehr mobil und deshalb sehr schwer zu bekommen sind. Aber trotzdem sollte die Schlussfolgerung nicht lauten: Kriegen wir ja sowieso nicht. Zum einen, weil die Stücke dann zu einem langwierigen, qualvollen Tod durch Verhungern verurteilt sind, zum anderen weil, wie dieses Beispiel eindrücklich zeigt, erfolgreiche Nachsuchen auf Gebrechschüsse möglich sind.

Auf der Facebook-Seite des SHVD beglückwünschen viele Kommentatoren aus der Schweißhundeszene zunächst die beteiligten Nachsuchenführer zu dieser herausragenden Leistung. Wer selbst schon mal nachgesucht hat, weiß erst richtig zu würdigen, was hier vollbracht wurde. Dann melden sich auch kritische Stimmen: Warum schießt man ein Foto, anstatt das Schwein tot, wenn es denn schon mal frei steht und die Hunde gerade nicht gefährdet sind, fragen zum Beispiel einige. Dazu ist anzumerken, dass die Fotos NACH dem Fangschuss aufgenommen worden. Der Einschuss ist hinter dem Schultergelenk der Sau deutlich zu erkennen, sowohl auf dem Beitragsbild, als auch auf dem Foto auf der SHVD-Seite. Nach dem Fangschuss stand das Wildschwein noch einige Sekunden, bis es umfiel, wodurch sich die Gelegenheit zu den Fotos ergab.

Dann meldeten sich auch die unvermeidlichen Tierschutz- und Jagdgegnerkreise zu Wort: “Wir mussten bislang über 200 Hasskommentare löschen”, berichtet ein SHVD-Sprecher gegenüber JAWINA. Es ist eine zweischneidige Sache, über Nachsuchen öffentlich zu berichten: Einerseits stellen die Jäger damit unter Beweis, mit welchem Aufwand und welcher Professionalität sie krankes, verletztes, angefahrenes Wild zu erlösen trachten und so Tierschutz und Weidgerechtigkeit praktizieren. Andererseits liefert man Jagdgegnern Munition, die jeden Einzelfall als Beleg dafür anführen, was und wie viel auf der Jagd schief geht. Jeder Jäger, Nachsuchen- und Hundeführer und natürlich auch jeder irgendwie öffentlichkeitswirksam Tätige muss sich immer wieder fragen, was in die Öffentlichkeit gehört und was nicht. red.

Beitragsbild: Das von einem HS und einem BGS gestellte Wildschwein nach dem Fangschuss. Foto: privat (JAWINA dankt für die Genehmigung zur Veröffentlichung!)

 

10 Gedanken zu „Brandenburg: Erfolgreiche 55-km-Nachsuche auf Gebrechschuss

  1. Rainer Weber

    Ein großes Lob den Nachsuchengespannen für ihre große Ausdauer bei der Nachsuche. Was gute eingearbeitete Hunde leisten können, wird oft meist unterschätzt und die Nachsuche, gerade bei solch schlechten Schüssen, leider zu früh abgebrochen.

    Antworten
  2. Ronbi

    Tolle Leistung von Hunden und Mensch.
    Stellen sich mir nur zwei Fragen.
    Wenn’s im Wolfsgelände passiert, wie lang überlebt krankes Wild?
    Sind Nachsuchen im Wolfsgelände überhaupt noch möglich?

    Antworten
    1. F. Brauer

      Trotz der Risiken wird auch im Wolfsgebiet nachgesucht. Das sind wir dem Wild schuldig. Gerade deshalb erwarten wir ein klares Zeichen der Politik für den Fall von Wolfsangriffen auf unsere Hunde.

      Antworten
  3. Anko

    Wahnsinnsleistung, meinen allergrößten Respekt und Hut ab nicht nur wegen der Strecke und vor der damit eiwesenen Leistung der Hunde/ des Hundes, sonderm vor allem auch vor der dahinterstehenden körperlichen und mentalen Leistung der Schweißhundeführerin!

    Antworten
  4. Peter

    Mein allergrößten Respekt den Nachsucheführern,
    gigantische Leistung von Hund und Schweißhundeführer!!!!!!
    Waidmanns Heil

    Antworten
  5. Jürgen

    Lese diese Meldung erst jetzt. Als Nachsucheführer bin ich ja einiges gewöhnt. Aber 55 km auf eine Sau sind mir dann doch etwas zu fantastisch.

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Es gibt hier nicht den geringsten Grund, zu zweifeln: Die Nachsuchenführerin ist persönlich (und für außerordentliche Leistungen) bekannt, der Track wurde mit dem Hundeortungsgerät aufgezeichnet. SE

      Antworten

Schreibe einen Kommentar zu admin Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.