Brandenburg: Entwurf der WolfsVO liegt vor

Verordnung soll Vergrämung von Wölfen sowie Tötung von Problemwölfen, Wolfshybriden und verletzten Wölfen regeln

Der Entwurf zur Brandenburger Wolfs-Verordnung (WolfsVO) ist vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) an die Gremien zur Abstimmung übersandt worden. In dem Verordnungsentwurf (der der Red. vorliegt) wird die Vertreibung von Wölfen sowie der Umgang mit Problemwölfen, Wolfshybriden – also Mischlingen von Wölfen und Hunden – und schwerst verletzten Wölfen geregelt. Die beteiligten Verbände und Interessengruppen sind aufgefordert, “Anregungen und Bedenken zu dem vorgelegten Entwurf einer Wolfsverordnung bis zum 30. Juni 2017” zu übermitteln, wie es im Begleitschreiben heißt.

§ 1 der WolfsVO befasst sich mit dem Vertreiben von Wölfen: Demnach sollen Wölfe, “die sich Weidetierbeständen, die nach den Vorgaben der „Mindeststandards beim Schutz von Weidetierbeständen vor Wolfsübergriffen“ des brandenburgischen Wolfsmanagements geschützt sind, bis auf weniger als 30 Meter annähern, mit dazu geeigneten Methoden und Geräten nach Maßgabe der §§ 3, 4 Absatz 1 und 5 vertrieben werden, sofern die Wölfe hierdurch nicht ernsthaft verletzt werden.”

Problemwölfe §2

In § 2 werden Ausnahmen vom Nachstellungs- und Verletzungsverbot für Wölfe mit für Menschen problematischem Verhalten festgelegt. Ob ein für Menschen problematisches Verhalten vorliegt, unterliegt der Prüfung durch die Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege. Als problematisch gilt insbesondere, wenn ein Wolf nachweislich

1. sich unprovoziert aggressiv gegenüber Menschen verhält,

2. sich wiederholt Menschen außerhalb von Fahrzeugen bis auf eine Entfernung von weniger als 30 Metern annähert und es sich erkennbar nicht um einen Welpen handelt,

3. wiederholt in Siedlungsbereiche vordringt,

4. wiederholt in nach den „Mindeststandards beim Schutz von Weidetierbeständen vor Wolfsübergriffen“ des brandenburgischen Wolfsmanagements geschützte Weidetierbestände eindringt und Nutztiere reißt.

Problematische Wölfe dürfen mit allen geeigneten Methoden und Geräten, “einschließlich Gummigeschossen, Warnschüssen, künstlichen Lichtquellen, Spiegeln oder anderen beleuchtenden oder blendenden Vorrichtungen sowie akustischen, elektrischen oder elektronischen Geräten” vergrämt werden.

§ 2, Abs. 3 regelt die Entnahme von Problemwölfen: Ist eine Vergrämung nicht möglich oder bleibt sie erfolglos, so dürfen sie gefangen oder “mit einem Narkosegewehr oder sonstigen betäubenden Mitteln” betäubt und der Natur entnommen werden. Entnommene Wölfe seien “tierschutzgerecht zu töten, wenn keine Möglichkeit einer Wiederfreilassung gegebenenfalls mit anschließender Vergrämung besteht.”

Hochwildtaugliche Kaliber gefordert

Liegen die Voraussetzungen nach Satz 1 und Satz 3, 2. Halbsatz, vor, dürfen problematische Wölfe auch direkt mit einer für die Jagd zugelassenen Schusswaffe getötet und der Natur entnommen werden. Getötete Wölfe sind der Fachbehörde für Naturschutz für wissenschaftliche Untersuchungen zu übergeben. […] “Bei der Tötung von Wölfen nach Absatz 1 Satz 3 müssen Büchsenpatronen verwendet werden, deren Kaliber mindestens 6,5 mm beträgt. Im Kaliber 6,5 mm und darüber müssen die Büchsenpatronen eine Auftreffenergie auf 100 m (E 100) von mindestens 2 000 Joule haben. Beim Töten von in Fallen gefangenen Wölfen mit Pistolen oder Revolvern sowie bei der Abgabe von Fangschüssen mit Pistolen oder Revolvern muss die Mündungsenergie der Geschosse mindestens 200 Joule betragen.”

Tierhalter zur Vertreibung berechtigt, Jagdschein Voraussetzung für Vergrämung mit Gummigeschossen oder Tötung von Wölfen (§4)

Zur Vertreibung von Wölfen sollen gem. § 4 des Verordnungsentwurfs “Tierhalterinnen und Tierhaltern oder von ihnen hierzu beauftragte Personen im Bereich der von ihnen bewirtschafteten Weiden berechtigt” sein. Zur Vergrämung von Wölfen mit Gummigeschossen oder Warnschüssen sowie zur Tötung von Wölfen mit einer für die Jagd zugelassenen Schusswaffe “darf nur bestellt werden, wer einen gültigen Jagdschein besitzt; hierbei sind vorrangig die in dem jeweiligen Bereich jagdausübungsberechtigt Personen zu bestellen.”

Tötung schwer verletzter Wölfe (§6)

Schwerst verletzte Wölfe dürfen eingeschläfert werden, wenn ein Tierarzt festgestellt hat, dass das Tier “nicht oder nur unter nicht behebbaren erheblichen Leiden oder Schmerzen weiterleben könnte.” Die Tötung, so heißt es in § 6, “darf in Beisein der Tierärztin oder des Tierarztes auch durch Polizeibeamte oder den Jagdausübungsberechtigten erfolgen, sofern die Tierärztin oder der Tierarzt in der konkreten Situation nicht hierzu in der Lage ist.”

Bei der Beurteilung der Frage, ob ein verletzter Wolf nicht oder nur unter nicht behebbaren erheblichen Leiden oder Schmerzen weiterleben könnte, sei “ein großzügiger Maßstab anzulegen.” Im Zweifel sei “der Natur ihr Lauf zu lassen, insbesondere wenn der verletzte Wolf sich selbstständig auf mindestens drei Beinen vom Unfallort fortbewegen kann.

Nottötung von Wölfen

“Bei Verletzungen, die so schwer wiegend sind, dass ein Überleben bei vernünftigen menschlichem Ermessen ausgeschlossen erscheint, insbesondere bei geöffneter Bauchhöhle oder zertrümmertem Schädel, dürfen Polizeibeamte einen schwerst verletzten und leidenden Wolf auch dann töten, wenn weder die untere Naturschutzbehörde noch eine Tierärztin oder ein Tierarzt zeitnah hinzugezogen werden kann.”

Wolfshybriden (§ 7)

Wolfshybriden sollen durch von der Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege hierzu bestellten Personen gefangen und getötet werden können. SE

Beitragsbild: Entwurf der WolfsVO (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

 

 

Ein Gedanke zu „Brandenburg: Entwurf der WolfsVO liegt vor

  1. Ronald Braun

    Bei einigen Punkten kommen mehr Fragen auf, als Antwort durch die VO gegeben werden!
    {Bei der Beurteilung der Frage, ob ein verletzter Wolf nicht oder nur unter nicht behebbaren erheblichen Leiden oder Schmerzen weiterleben könnte, sei „ein großzügiger Maßstab anzulegen.“ Im Zweifel sei „der Natur ihr Lauf zu lassen, insbesondere wenn der verletzte Wolf sich selbstständig auf mindestens drei Beinen vom Unfallort fortbewegen kann.} ….. geht’s noch?
    {Wolfshybriden sollen durch von der Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege hierzu bestellten Personen gefangen und getötet werden können.} …wer erkennt das am lebenden Stück? Und wartet der Hybride bis ein berechtigter vor Ort ist?
    Warum beschleicht mich das Gefühl, das es hier wieder um eine VO handelt die nicht wirklich Lösungsorientiert ist?

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