Brandenburg: DVO Jagd wird zum Debakel für den Deichschutz

Die unsägliche Durchführungsverordnung (DVO) zum Brandenburger Landesjagdgesetz wächst sich zum Desaster für den Deichschutz aus. Weil Bisam und Nutria ins Jagdrecht aufgenommen wurden, dürfen die bisherigen Bisam- und Nutriafänger den Tieren nicht mehr nachstellen (JAWINA berichtete), die Schäden an den Deichen nehmen explosionsartig zu. Die MOZ schreibt von einem “Existenzproblem für den Oderbruch”. Über 400 Bisamschäden sind am Oderbruch aktenkundig. Bei einer vom Forum Natur Brandenburg (FNB) organisierten Veranstaltung berichteten Experten aus anderen (Bundes-)Ländern von ihren Erfahrungen mit dem Deichschutz. Die von der MOZ zitierten Deischschutz-Fachleute wiesen darauf hin, dass man im Oderbruch ebenso wie in Norddeutschland oder den Niederlanden “existentiell von der Sicherheit des Deiches” abhänge. Der Deichschutz, die Bekämpfung von Nutria und Bisam, die die Deiche unterwühlen und durchbohren, gehört deshalb in die Hände von Profis: Sonst “würden wir einfach absaufen”.

Mit hohem finanziellen Aufwand gehen die Niederlande das Problem an. Der Deichschutz liegt in den Händen von professionellen Bisamfängern, die verbeamtet sind – so dass sich nicht fürchten müssen, “nach einer Ausrottung der Schädlinge ihren Job zu verlieren”, wie die MOZ schreibt.

Die jetzigen Probleme in Brandenburg hätte man sich offenbar sparen können, wenn der hiesige Gesetz- und Verordnungsgeber nur mal einen Blick über den Tellerrand geworfen hätten: “In Niedersachsen haben sich die Nutria zum massiven Problem entwickelt, seit sie 2001 ins Jagdrecht kamen”, berichtete ein Deichschützer. Doch offenbar befinden es die hochbezahlten Fachbeamten in der Brandenburger Verwaltung für unter ihrer Würde liegend, die Erfahrungen anderer Bundesländer zu beherzigen.

Die Oberste Forst- und Jagdbehörde Brandenburgs hat die DVO nach Gutsherrenart durchgeprügelt, Verbände rügten mangelnde Beteiligung und forderten Minister Vogelsänger auf, den Verordnungsentwurf nicht zu unterzeichnen, der Brandenburger Landkreistag kritisierte Verfassungsverstöße und fehlende Ermächtigungsgrundlage der DVO. Die Selbstherrlichkeit und Beratungsresistenz der Verwaltung und des Ministers wachsen sich jetzt zu einem existenziellen Problem aus. In ein paar Tagen wird in Brandenburg gewählt – dass irgendjemand die persönliche Verantwortung für das Debakel übernimmt, steht weder zu hoffen, noch zu fürchten. SE

Beitragsbild: Notdürftig reparierte Biberschäden am Oderdeich (Archivbild). Foto: SE

10 Gedanken zu „Brandenburg: DVO Jagd wird zum Debakel für den Deichschutz

  1. RK

    Wäre da nicht eine parallele Tätigkeit möglich (Jäger und Deichspezialisten in Abstimmung)? Konflikte wird man vermutlich nicht komplett ausschließen können. Die Jäger könnten sich aber als kompetente Unterstützer profilieren (was im Einzelfall aber auch in die Hose gehen wird :-))

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    1. Anko

      Ein Vorgehen analog zur Kormoran-VO würde es bringen: Die Jagdausübungsrechtigten (JAB) können und dürfen auf Kormoran jagen, die Fischereiausübgsberechtigten desselben Reviers dürfen auf dem Gewässer aber ebenfalls eigenständig dem Kormoran nachstellen, sie müssen die geplanten Abschusstermine nur vorab dem JAB anzeigen.

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  2. Ansitzjäger

    Wenn wir Jäger das nicht leisten können, was Bisam-und Nutriajäger bislang an Strecke aufweisen, stehen wir wieder im Rampenlicht. Lösungsansatz von Ronbi ist eine probate Lösung, wenn die beiden Arten dem Jagdgesetz unterliegen. Ich als Jäger hätte gar nicht die Zeit, ,ich da auch noch drum zu kümmern. Habe genug Probleme, mich um die Verbisschäden
    zu kümmern, die mir mit der DVO Paragraph 8 “vererbt” worden sind.

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  3. Dr. Wolfgang Lipps

    Es ist ja sehr lobenswert, gute Ratschläge zu geben, wie man den Unsinn dieser DVO noch leidlich reparieren könnte. Tatsächlich ist diese DVO ein Skandal und in weiten wesentlichen Teilen rechtswidrig und ein Schlag ins Gesicht aller, die sich um Bio-Diversität und Nachhaltigkeit bemühen. Sie gehört ersatzlos aufgehoben!

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  4. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Da müssen wirklich helle (Hohl)köpfe im Ministerium von Brandenburg sitzen, die die Ratten jetzt auch noch zu jagbarem Wild erklärt haben. Dazu unterstellen sie, dass wir Jäger von gleichem Kleingeist sind wie ihresgleichen, und sollen unsere Zeit mit Rattenansitz verbraten?, machen Streckenmeldungen? und vielleicht kommen die ja noch in die Wildschadensersatzpflicht? “Die “Armen im Geiste” – Ihre Überheblichkeit ist ihnen hinderlich, um wahre Einsicht und Erkenntnis …. zu finden.” (Matthäus 5,3)

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    1. Uwe Trepte

      Carpe Diem….., wieso verstecken Sie sich hinter einem Pseudonym? Trauen Sie sich es nicht Menschen zu beleidigen, ohne eine Maske zu tragen?

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  5. rifle_76

    Die Entnahme der in der Durchführungsverordnung mit aufgenommenen invasiven Arten (Waschbär, Nutria und Bisamratte) könnte evtl. im Zusammenhang mit § 1 Abs. 2 Nr. 5 BbgJagdG (sonstigen öffentlichen Belangen, insbesondere mit denen … der Landschaftspflege) als „erweiterter“ Jagdschutz im Rahmen des § 40 a Bundesnaturschutzgesetz problemlos durch die zuständige untere Jagdbehörde angeordnet werden?
    ODER
    Die wirtschaftliche Notwendigkeit der Entnahme zum Deichschutz von Bisamratte und Nutria muss in die Management- und Maßnahmenblättern, gem. VO (EU) Nr. 1143/2014, in den Bereichen „Nachteilige Auswirkungen“ und „Maßnahmen“ mit aufgenommen werden.
    Dies sind die notwendigen Voraussetzungen einer Anordnung der Entnahme nach § 40 e BNatschG, in Verbindung mit § 28a BJagdG durch die untere Jagdbehörde zu ermöglichen. Die Maßnahmeblätter für Waschbär und Nutria müssten nur noch ergänzt, die für Bisamratte bei der Erstellung der Deichschutz mit einbezogen werden.
    Wenn zusätzliche, durch die kürzlich erfolgte Gesetzesänderung ermöglichte, Anordnungen aufgrund des Bundesnaturschutzgesetzes, in Verbindung mit dem Bundesjagdgesetz, durch die zuständige untere Jagdbehörden vorgenommen werden sollen/ergehen, so sind die dabei anfallenden Kosten den Kommunen vom Land zu erstatten.
    Aneignungsrechte des Jagdausübungsberechtigten bei der Erlegung von einem durch die Behörde Beauftragten (in dem Fall, dass der Jagdausübungsberechtigte die Beseitigung nicht selbständige durchführen kann oder will) sollten nicht untergraben und auf Wunsch ausgeübt werden können. Dies könnte im Rahmen der Beauftragung des Dritten durch die untere Jagdbehörde geregelt werden.

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  6. Rico

    In der Kürze der Zeit wird wohl kaum noch an der jetzigen Fassung der DVO zu rütteln sein. In acht Tagen hat Brandenburg wahrscheinlich eine neue Landesregierung die dann damit beschäftigt sein wird Ämter zu verteilen und Diäten einzusacken. Alles andere wird kaum mehr zur Diskussion stehen. Man kann nur hoffen das es eine gute Zusammenarbeit mit Jägern und professionellen Bisam und Nutria Fängern gibt, da diese auf den guten Willen der Jäger und die Vergabe von Begehungsscheinen angewiesen sein werden um ihre Arbeit weiterhin ausführen zu können. Wmh

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