Brandenburg: DVO Jagd – Gegenwind für Wellershoff und Vogelsänger

Jagdverband fordert Delegierte auf, Wellershoff nicht zum DJV-Vize zu wählen

Die Durchführungsverordnung zum Brandenburger Jagdgesetz schlägt weiterhin hohe Wellen: In einem Offenen Brief distanziert sich der Kreisjagdverband Frankfurt/Oder unter der Überschrift “Misstrauensvotum” von der Aussage, den Entwurf zur DVO Jagd mitzutragen.

Aus dem Brief des KJV Frankfurt/Oder an LJVB-Präsident Dr. Dirk-Henner Wellershoff (Screenshot)

Der KJV Frankfurt/Oder kritisiert nicht nur das Zustandekommen des DVO-Entwurfs – von “fehlender Mitwirkung nicht zuletzt der Jägerschaft, ob organisiert oder nicht” ist die Rede – sondern insbesondere auch die Festlegung von Hauptbaumarten per Verordnung, die “vielerorts keine Hauptbaumarten im Märkischen Kiefernwald” darstellten. Dies werde dann aber “den Amtsgerichten bei Wildschadensfällen” egal sein. Der Verband vermisst desweiteren Regelungen zur “Behandlung von Wildschäden im Feld”. Der Entwurf erwecke den Eindruck, als diene er “ausschließlich den Interessen des Landesforsts und dem dort häufig vertretenen Grundsatz “Wald vor Wild”, so der KJV.

Die Empfehlung des LJVB an seine Mitglieder, nicht an Jagden des Landesforsts teilzunehmen, hält der KJV Frankfurt/Oder für verfehlt, da dies “eine weitere Spaltung der Jägerschaft” zur Folge haben könnte.

JV Rathenow fordert Delegierte auf, Wellershoff die Stimme zu verweigern

In einem Offenen Brief an die Delegierten des Bundesjägertages (siehe Beitragsbild), der am 6. und 7. Juni in Berlin stattfindet, fordert der Jagdverband Rathenow “gemäß Vorstandsbeschluss vom 13.05.2019”, Wellershoff bei der Wahl des Vize-Präsidenten des DJV nicht zu unterstützen. Zur Begründung heißt es:

“Die medialen Einlassungen des Präsidenten des LJVB, Herrn Dr. Dirk-Henner Wellershoff, repräsentieren ohne Abstimmung mit den Kreisjagd- und Jagdverbänden eine Privatmeinung. Die angerissenen Themen, wie

– die Befürwortung der Bogenjagd in tlw. befriedeten Bezirken (versus § 19 BJagdG, Punkt 1, sachliche Verbote)

(Verweis: MAZ-Interview vom 14.04.2019, Zitat Wellershoff: „Gerade in einem städtischen Gebiet birgt die Wildschweinjagd mit der Schusswaffe immer ein sehr hohes Risiko. Da kann die Bogenjagd ein zusätzliches Instrument sein, dem Wildschwein auf die Pelle zu rücken.“), vgl. https://www.maz-online.de/Brandenburg/Wildschweine-in-Stahnsdorf-Tierschutzbeauftragter-lehnt-Bogenjagd-ab; und

– den Export von Wölfen nach Hessen und ins Saarland

(Verweis: MAZ-Interview vom 17.04.2019, Zitat Wellershoff: „Ich habe immer gesagt, ich muss die nicht umbringen. Narkotisiert sie und bringt sie in Gegenden, wo es noch keine Wölfe gibt, zum Beispiel ins Saarland oder nach Hessen und bürgert sie aus!“); vgl: https://www.maz-online.de/Brandenburg/Jagdpraesident-will-Woelfe-ins-Saarland-ausbuergern

bewerten wir als höchst bedenklich und möchten uns von diesen persönlichen Auffassungen des Herrn Dr. Dirk-Henner Wellershoff distanzieren. Wir möchten, dass dieser Sachverhalt im DJV bekannt ist und entsprechend gewertet wird. Die bundesdeutsche Jägerschaft wird nach unserer Einschätzung durch diese populistischen Meinungsäußerungen merklichen Schaden in der Öffentlichkeit nehmen und wir wollen vor allem verhindert wissen, dass diese Darstellungsform im DJV-Präsidium Eingang findet.

Nach unserer Wahrnehmung fehlt es dem Kandidaten offensichtlich an der nötigen Integrationsfähigkeit. Diese disqualifizierende Eigenschaft des Kandidaten haben wir wiederholt und kritisch bei der Zusammenarbeit im Landesjagdverband Brandenburg feststellen müssen. Wir sehen die Nicht-Wahl des Kandidaten Dr. Dirk-Henner Wellershoff als Selbstschutz für die bundesdeutsche Jägerschaft an und vertreten die Auffassung, dass weit wichtigere jagdliche Themenfelder vorhanden sind, die mittelfristig beim DJV mit Augenmaß bearbeitet werden müssen.

Ich möchte abschließend darauf hinweisen, dass dieser offene Brief von vielen Kreisjagd- und Jagdverbänden in Brandenburg unterstützt und mitgetragen wird.”

JV Rathenow bittet Minister Vogelsänger, DVO nicht in Kraft zu setzen

In einem auf der Internetseite des JV Rathenow veröffentlichten Schreiben an den brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) fordern die Rathenower Jäger den Minister auf, den “Entwurf der  Verordnung  zur  Durchführung  des  Jagdgesetzes  für  das  Land  Brandenburg  (BbgJagdDV) nicht zu unterzeichnen und in Kraft zu setzen.

Zur Begründung heißt es, das “Zustandekommen des Verordnungsentwurfes und die sachlichen und redaktionellen Mängel des Entwurfs kennzeichnen eine einseitig ausgerichtete Expertise des Verordnungsgebers. Eine zeitlich angemessene Beteiligung der Jägerschaft ist nicht erfolgt, fundierte Stellungnahmen zum Verordnungsentwurf sollten offenbar zielgerichtet unterbunden werden. Der vorliegende Entwurf birgt erhebliches Konfliktpotenzial zwischen Jägerschaft und Waldbesitzer .Er ist in der vorliegenden Form abzulehnen, eine Überarbeitung unter Beteiligung der Jägerschaft ist dringend geboten.”

Im Fortgang des Schreibens werden auf mehreren Seiten einzelne Regelungen der DVO in inhaltlicher und rechtlicher Hinsicht kritisiert. Wir verweisen dazu auf das oben verlinkte Dokument. SE

Beitragsbild: Offener Brief des JV Rathenow an die Delegierten des Bundesjägertages (Screenshot, Ausschnitt)

 

 

 

 

17 Gedanken zu „Brandenburg: DVO Jagd – Gegenwind für Wellershoff und Vogelsänger

  1. J. Gruhl

    Albernes Pennälergehabe legen die Kreisfürsten mal wieder an den Tag. Die Einsicht in das politisch Machbare muss manchmal dem eigenen Wunschdenken Platz machen, so funktioniert Demokratie in unserem Rechtsstaat.

    Auch mir gefällt die neue DVO ganz und gar nicht. Als Beschämend empfinde ich den von Landesforst und Minister Vogelsänger gewählte Art der Durchsetzung dieser geplanten Verordnung. Auch hier vermisse ich Demokratieverständnis.

    Der LJV Brandenburg hat die, ihm zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt, und konnte somit Schlimmeres verhindern. Das die Ergebnisse dieser Bemühungen uns Jäger mehrheitlich nicht zufrieden stellen, ist nachvollziehbar.

    Doch nun wollen die Kreisfürsten denjenigen abstrafen, der sein Möglichstes getan hat. Dadurch werfen diese Mitglieder nicht nur ein schlechtes Licht auf ihre eigene Person. Schlimmer, viel schlimmer, sie schädigen mit ihrem unausgegorenen Protestschreiben die politische Positionen des LJV Brandenburg. Gerade jetzt muss der Verband, also seine Mitglieder Geschlossenheit demonstrieren. Nur mit bewiesener Einigkeit kann unsere Interessenvertretung uns Jägerinnen und Jäger deutliches politisches Gehör und Gewicht verschaffen. Eitle Selbstdarstellung und bockiges Verweigern haben daher keinen Platz.

    Ob es der Mehrheit unserer Jägerschaft passt oder nicht, wir müssen auch mit Kompromissen umgehen können. Pluralismus und Demokratie leben vom Kompromiss. Nochmals: Entstehungsgeschichte und Inhalt der DVO sind ein Skandal. Abgestraft gehören Landwirtschaftsminister und Landesforstverwaltung. Die einseitige Betrachtung des Waldes als reines Wirtschaftsgut und die des “Wiederkäuenden Schadwildes” mit derart brachialen – wenn auch legalen – Methoden durchzusetzen ist ein Schandfleck der Brandenburger Umweltpolitik. Unserer einzigen Interessenvertretung, dem LJV Brandenburg jetzt trotzige Albernheiten aufzuladen ist kontraproduktiv.

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Lieber Jörg Gruhl,
    Dein Kommentar erinnert mich an den offenen Brief des LJVB-Präsidenten an Minister Vogelsänger: Die ganze Verordnung ist zwar Mist, aber wir stimmen zu. Geschlossenheit eines Verbandes ist ja schön und gut. Die hilft aber nicht oder ist sogar kontraproduktiv, wenn man hinter der falschen Fahne marschiert! Die ernsten Bedenken der “Kreisfürsten”, die sich nach Abstimmung mit ihren Verbandsmitgliedern äußern, sollte man nicht so schnöde als “albernes Pennälergehabe” abqualifizieren. Immerhin äußern sich in Sachen DVO auch Untere Jagdbehörden der Landkreise und der Landkreistag ganz ähnlich. Auch denen darf man wohl kein Pennälergehabe unterstellen.
    Man kann einen Jagdverband nicht wie ein private Firma führen!

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  3. Ralf

    Eigentlich müsste ich mich raushalten, da der brandenburger Landesjagdverband nicht mein Landesjagdverband ist. Dennoch halte ich es als Niedersachse für angebracht, gewisse Bedenken zu äußern.
    Kompromisse kann man eingehen, wenn es Sinn macht. Wenn es keinen Sinn macht, dann geht’s um die Wurst. Und so sehe ich es auch hier.
    Ich weiß nicht, ob es mir zusteht. Aber hin und wieder die Klappe aufzumachen kann in gewissen Situationen helfen. Schweigen hat noch niemanden nach vorne gebracht.

    Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem WIR ALLE uns überlegen müssen, was wir wollen.

    Wollen wir jagen, oder wollen wir zukünftig nur noch das machen, was Jagdgegner uns vorschreiben? So langsam reicht es! Kommt verdammt nochmal endlich aus euren Schneckenhäusern und zeigt euch! Wir brauchen uns nicht verstecken! Zieht den Stock aus dem Arsch und steht endlich ein für eure Rechte! Unsere Vorfahren würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie es mitbekämen! Wann, verdammt nochmal, kommt das Wort “Gesunder Menschenverstand” zur Geltung? Ich warte drauf!

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    1. Dr. Philipp Großmann

      Herr Dr. Wellershoff benimmt sich so wie viele Mitglieder des Landesjagdverbandes Brandenburg, die von Kindesbeinen an in der DDR sozialisiert worden sind und so gelernt haben vor der Obrigkeit zu kuschen anstatt sich zu wehren. Lieber schluckt man die Kröten und freut sich „Schlimmeres verhindert“ zu haben.

      Mindestabschuss von AK0 und AK1 bei Rot- und Damwild? Das ist der Freibrief für die Landesforsten, gnadenlos alles abzuknallen was nicht auf deren Bäume klettern kann. Und das, obwohl sich der Wildschaden nachweislich schon immer in einem für die Landesforsten durchaus vertretbaren Rahmen bewegt. Schauen Sie sich einmal deren Bilanz an, die von stillen Reserven im Milliardenbereich nur so strotzt!!!

      Wir sollten Herrn Dr. Wellershoff darum bitten, seine Auffassung zu korrigieren und diesen unsäglichenEntwurf der DVO doch noch abzulehnen. Wenn er uneinsichtig bleibt, dann sollte er abgewählt werden.

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  4. Markus Herrmann

    Das Anliegen aller Beteiligten sollte es sein, dass ein durch natürliche Entwicklung sich selbst regulierendes Ökosystem Wald entstehen kann. Dabei so platte Formulierungen wie “Wald vor Wild” in den Vordergrund zu stellen, baut nur unnötige Fronten auf. Einem solchen Ökosystem Wald fehlt es in Brandenburg auf grosser Fläche an Artenvielfalt. Genau diese Artenvielfalt verhindern nicht angepasste Wildbestände bzw. sie ist mit den vielerorts vorhandenen Wilddichten nur durch teure, unbezahlbare Wildschutzzäune erreichbar. Diese Zäune bieten dann auch keinen 100%igen Schutz. Insofern ist es völliger Quatsch davon zu reden, dass mit der DVO der Wald einseitig nur als Wirtschaftsgut für Profit der Waldeigentümer betrachtet wird. Kurzfristige hohe Profite erziele ich mit Kiefer im Kahlschlagsverfahren. Das funktioniert auch mit reichlichen Hirschen und Rehen. Aber eben genau die fehlende Artenvielfalt nicht.
    Wir Jäger müssen in anderen Zeitdimensionen denken (nicht nur im 12 Jahres Turnus). Wir leben in einer Zeit, in der eine deutliche Reduzierung der Wildbestände unausweichlich ist. Sollten sich die Jäger dem verweigern, disqualifizieren sie sich selbst. Ja, wir schaffen uns dann selbst ab. Wir machen uns überflüssig. Wir sind dann nur noch eine traditionsbewusste Folkloretruppe – mehr nicht. Nehmen wir unsere zeitgemäße Aufgabe ernst und stellen wir uns dieser! Wir können durch eine zeitgemäße Jagd die Wildbestände so regulieren, dass klimastabile Waldökosysteme entstehen können. Und genau dies will die DVO erreichen. Unserem Wild wird es in diesen neuen Wäldern übrigens viel besser gehen. Es hat dann eine viel natürlichere Lebensgrundlage. Das werden allerdings erst unsere Enkel erleben. Stellen wir uns dieser Aufgabe nicht, gehen unsere Enkel gar nicht mehr zur Jagd. Dann hat sich Jagd abgeschafft!

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    1. Chris

      “deutliche Reduzierung der Wildbestände unausweichlich”?
      “klimastabile Waldökosysteme”?

      … don’t feed the troll…

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    2. Hardy Schobel

      Hallo Markus Herrmann,

      Ihre Standpunkte sind klar geäußerte Positionen, die wirklich aufrichtig, verantwortungsvoll und zukunftsweisend sind. Ich wünsche Ihnen viel Durchsetzungskraft und die nötigen Erfolge. Als Forstpraktiker und aktiver Wald- und Landbesitzer bin ich vollkommen auf Ihrer Seite.

      Alles Gute, Hardy Schobel

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  5. S. Meyer

    Lieber Herr Gruhl,
    als „Kreisfürst“ aus Rathenow möchte ich gern auf Ihren Kommentar antworten.

    Ihr fachlicher und intellektueller Vorsprung bezüglich des Zustandekommens des DVO-Entwurfes finde ich sehr bemerkenswert, vor allem Ihre Kenntnisse zu „politisch Machbarem“, vermutlich versuchen sie dein Eindruck zu erzeugen, dass Sie als Akteur fest in das Geschehen eingebunden waren.

    Deshalb wissen Sie auch genau, dass der LJVB seine ihm zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt hat, um Schlimmeres zu verhindern!

    Nur verkennen Sie, dass die Expertise der Mitglieder der Jagd- und Kreisjagdverbände genau das Mittel gewesen wäre, das hätte eingesetzt werden müssen!
    Lediglich das Zustandekommen der DVO und der Inhalt gefällt ihnen nicht.
    Konstruktiv haben sie zu den angemahnten fachlichen Mängeln des DVO-Entwurfes allerdings nichts beizutragen, so erschöpfen sich ihre Mahnungen in der Forderung nach Einigkeit und Geschlossenheit als reiner Selbstzweck ihres Demokratieverständnisses.

    So fabulieren sie von „unausgegorenen Protestschreiben“, die die politische Position des LJVB schädigen. Welche Funktion üben sie aus, dass Ihnen eine unsachgemäße Kritik an den ehrenamtlichen Vorständen mit Ihren Vorsitzenden zusteht?

    Wenn in heimlichen und unabgestimmten Verhandlungen für die Jägerschaft unakzeptable Ergebnisse herauskommen, grenzt es an Unverfrorenheit, dafür kollektive Rückendeckung einzufordern. Die Unterdrückung von Kritik aus den Reihen der lebendigen Verbandsarbeit, ist eine postsozialistische Machart, auf die wir gern verzichten können.

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  6. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sehr geehrter Herr Herrmann,
    Ob die sog. klimastabilen Mischwälder die ihnen zugedachte Funktion erfüllen können, bleibt abzuwarten. Immerhin ist es den Versuch wert. Das Absenken von Wildbeständen wegen der dazu notwendigen waldbaulichen Maßnahmen wird wohl kaum jemand in Frage stellen. Das “wie” ist das Problem. Wenn nach dem DVO-Entwurf die Jugendaltersklassen des wiederkäuenden Schalenwildes nach dem Modell Mindestabschuss bejagt werden, und wenn nach Feststellung erhöhter Wildschäden im Wald (wegen ein paar verbissener Exemplare der “Hauptbaumart Eberesche”) alles weibliche Wild als Mindestabschuss frei ist, dann kann der nach Ende der Jagd verbleibende Wildbestand nicht gesund sein, also nach Geschlecht und Altersklassen möglichst naturnah gegliedert, wie es unser Jagdgesetz vorschreibt. Absenken von Wildbeständen also nach Plan und mit Sinn und Verstand und nicht durch wahlloses Abschießen nahezu jeden Stückes!
    Mit freundlichem Gruß

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    1. Markus Herrmann

      Sehr geehrter Herr Pfannenstiel,
      das Wild lässt sich nicht zählen. Alle Vorgaben für die Abschussplanung beruhen aber genau auf der Grundlage, dass der Wildbestand getrennt nach dem Geschlecht bekannt ist. Das ist doch die große Unbekannte. Mit unseren Abschussplänen beeinflussen wir nicht den verbleibenden Wildbestand sondern die Strecke. Diese ist übrigens genau zählbar und nach Geschlecht und Alter auswertbar. Der vorhandene Wildbestand nicht. Dieser unterliegt wahrscheinlich auch jährlichen Schwankungen. Man kann doch nur anhand der Vegetation und steigenden oder fallenden Strecken feststellen, welchem Trend der Wildbestand unterliegt. Steigende Strecken bei weiterhin zu hohen Verbissbelastungen – Wildbestand steigt an. Das ist die Tatsache in weiten Teilen Deutschlands.
      Jetzt kommt noch hinzu, dass der Jäger nur einen kleinen Teil des Wildbestände zu Gesicht bekommt und jeder heutzutage unter angestrengten Zeitregieme jagen muss. Und jetzt versucht er “auszuwählen”!?? Bei so vielen Unbekannten muss dieses veraltete Jagddenken in eine ökologische Katastrophe führen.
      Sorry, Wissenschaftler zählen, berechnen, analysieren gern – hier ist aber effektives Jagen dringender gefordert.
      MfG

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  7. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Nur noch ein kurzer Kommentar zu Ihrem letzten Statement, sehr geehrter Herr Herrmann. Wie die Untersuchungen von Herrn Immekus (DNA-Untersuchung des Speichels an der verbissenen Stelle) zeigen (https://www.jagdagenda.de/brennpunkte/veg-gutachten/), ist keineswegs jeder Verbiss dem Schalenwild zuzurechnen. Verbissprozente sind Lug und Trug, solange die Grundgesamtheit nicht bekanntgegeben wird und solange nicht bewiesen ist, dass der unverbissene Teil der Grundgesamtheit zur Bestandsgründung ausreicht. Verbiss”gutachten” dürfen keinesfalls auf das ganze Revier hochgerechnet werden. Zu hoher Verbiss kann allenfalls zu einem Jagdschwerpunkt am Ort der Begutachtung führen, darf aber nicht zur Erhöhung des Gesamtabschusses missbraucht werden. Es gibt keinerlei wissenschaftlich begründeten Zusammenhang zwischen Verbissprozent und Wildbestand! Die Bundeswaldinventur zeigt klar: Die Waldfläche in Deutschland wächst beständig, der stehende Holzvorrat wächst ständig und ist der höchste in ganz Europa! Ich will nicht fragen, wo ist das Problem? Aber hier wird doch von einigen Forstleuten maßlos übertrieben. Es gibt zudem keine mir bekannten Langzeituntersuchungen, was in 50 Jahren aus einer Fläche wird, bei der heute soundsoviel Prozent verbissen und/oder geschält sind. Und schließlich, nennen Sie mir eine jagdliche Vorschrift aus der Zeit vor dem unsäglichen DVO-Entwurf, die den Waldbauern am Absenken seiner Wildbestände gehindert hätte. Sicher ist der Wildbestand die unbekannte Größe. Aber ebenso sicher kann kein Wildbestand gesund sein oder bleiben, der nach den Vorgaben des DVO-Entwurfs bejagt wird.

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  8. Markus Herrmann

    “… nennen Sie mir eine jagdliche Vorschrift aus der Zeit vor dem unsäglichen DVO-entwurf, die den Waldbauern am Absenken seiner Wildbestände gehindert hätte.”
    HEGEGEMEINSCHAFT!
    Die meisten Waldbauern sind auf die Jagdpächter angewiesen, da sie viel zu kleine Flächen besitzen. Diese Jagdpächter begründen ihr eigenes nicht “Mehrjagenwollen” mit dem fehlenden Einverständnis der HEGEGEMEINSCHAFT. In der HEGEGEMEINSCHAFT treten sie dann aber auch nicht auf den Plan und prangern diese Umstände an. Da wird dann wieder in der grauen Masse gekuscht.
    Die DVO erlaubt es den Waldbauern in Zukunft, finanziellen Druck auf die nicht wollenden Jagdpächter auszuüben. Das ist in meinen Augen der eigentliche positive Inhalt der DVO. Mit wollenden Jagdpächtern wird der Waldbauer immer andere Lösungen finden, die ein positives Miteinander ermöglichen. Im Übrigen gibt es sehr viele Waldbauern, denen das alles so wie so egal ist. Da wird sich Nicht’s ändern.

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  9. Dr. Wolfgang Lipps

    Zur Diskussion Herrmann mit Pfannenstiel: Die neue DVO ist nicht mehr Ausdruck eines Prinzips “Wald vor Wild”, was schon bedenklich wäre, sondern nach Zustandekommen Inhalt Logik und Konzeption ein Instrument für “Wald ohne Wild”. Der üble Bestandteil ist nämlich der sog. “Mindestabschussplan”, der garkein Plan ist, sondern eine Lizenz zum Töten. Deshalb ist Pfannenstiel zuzustimmen, und auch Wellershoff – wobei ich die Mitwirkung des LJV für richtig halte, nicht aber dessen Zustimmung. [Beitrag gekürzt, admin.]

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