Brandenburg: DVO Jagd gefährdet Deichschutz

Die umstrittene Durchführungsverordnung (DVO) zum Landesjagdgesetz Brandenburg (JAWINA berichtete) sorgt für massive Probleme beim Deichschutz: Allein am Oderdeich hat der bislang zuständige Bisamfänger 289 Eingrabungen durch Bisamratten festgestellt, wie die Märkische Oderzeitung (MOZ) berichtet. “Und es dürften täglich mehr werden”, befürchtet die MOZ: Denn  Bisam und Nutria darf der bislang zuständige Bisamfänger nicht mehr fangen. Grund ist die DVO Jagd, durch die Bisam und Nutria ins Jagdrecht aufgenommen wurden. JAWINA-Leser Rico hat in diversen Kommentaren (zum Beispiel hier) bereits auf die Problematik hingewiesen: Durch die offenbar unüberlegte Neuregelung werden die bislang hauptamtlich tätigen Bisamjäger arbeitslos. Wenn die Bisamratten dem Jagdrecht unterliegen, dürfen nur die Inhaber des Jagdrechts ihnen nachstellen. Bisamfänger benötigen künftig also einen Begehungsschein. Zudem gilt der im Jagdrecht verankerte Muttertierschutz, die Elterntiere müssen also geschont werden. Das bedeutet, dass man den Schadnagern Monate lang nicht nachstellen kann, da sie sich in Mitteleuropa mindestens von März bis September fortpflanzen, unter günstigen klimatischen Bedingungen auch ganzjährig. In der MOZ fordert der Vorsitzende des Jagdverbands Seelow eine schnelle Änderung der DVO, um größere Deischschäden zu vermeiden. Der Landeswasserverbandstag kritisiert wie andere kommunale Gremien Brandenburgs, “dass er bei der Erarbeitung der DV Jagd nicht gefragt wurde”, so die MOZ.

Die hauptamtlichen Bisamjäger seien “professionell ausgerüstet, waren täglich an den Gewässern I. Ordnung , Hochwasser-Schutzanlagen usw. tätig und konnten eine flächendeckende Jagd auf Bisam und Nutria fast gewährleisten”, schreibt JAWINA-Leser Rico: “Hätten Jäger Interesse an der Bejagung dieser semiaquatischen Nager gehabt, wäre es ohne Probleme möglich gewesen, Sondergenehmigungen einzuholen und, wie es in anderen Bundesländern üblich ist, eine Schwanzprämie zu kassieren. Beim Nutria kann ich mir noch ein Interesse der Jägerschaft in gewissen Maße vorstellen, bei Bisam wohl gar nicht.” Der Red. liegen auch keine Erkenntnisse darüber vor, dass sich die Brandenburger Jäger sehnlichst gewünscht hätten, den Bisam bejagen zu dürfen…

Er könne sich auch “kaum vorstellen, dass Jäger in ihrer Freizeit den Bisam so bejagen können wie die Hauptamtlichen das taten.” Was eine zutreffende Einschätzung sein dürfte, wenn man bedenkt, wie sehr die Jäger in Brandenburg derzeit bereits mit der Schwarzwildbejagung zwecks Wildschadensvermeidung und ASP-Prophylaxe eingespannt sind.

Es bleibt – wieder einmal – festzustellen, dass der Brandenburger Obersten Jagdbehörde (OJB) mit dieser DVO wahrlich kein großer Wurf gelungen ist. Dies gilt umso mehr, als diverse Gremien und Verbände – so sie denn zu Wort kamen – in ihren Stellungnahmen ausführlich und dringend vor den rechtlichen und inhaltlichen Fehlern und Problemen der DVO gewarnt haben – Warnungen, die die amtierende Behördenleitung offenbar nach Gutsherrenart in den Wind zu schlagen beliebte. SE

Beitragsbild: Wühlschäden am Oderdeich, hier durch Biber. Foto: SE

 

 

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