Brandenburg: Die Polizei, dein Freund und Schwätzer

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Am Dienstag war es dann endlich soweit: Meine Waffenbesitzkarte (WBK) war wieder da. Am 22. Februar hatte ich einem älteren Jäger, der aus gesundheitlichen Gründen die Jagd aufgeben muss, einen älteren Repetierer abgekauft (nettes Teil übrigens, dazu vielleicht ein andermal mehr…). Am Tag darauf, also am 23. Februar, wurde der Umschlag mit WBK und Erwerbsanzeige per Einschreiben der bei der Brandenburger Polizei angesiedelten Waffenbehörde zugestellt. Nach einer Bearbeitungszeit von über zwei Monaten erhielt ich sie am 30. April zurück. Kein Einzelfall, ich kenne Leute, die nach drei Monaten Wartezeit Dienstaufsichtsbeschwerden veranlasst haben…

Es ist nun nicht so, dass in Brandenburg alle Behördenvorgänge ewig dauern: Wenn man z.B. seine Steuern nur ein paar Tage zu spät bezahlt, so hat man die Mahnung mit saftigen Säumniszuschlägen schon drei Tage nach Fristablauf im Briefkasten. Leider können Bürger bei der gebührenpflichtigen Bearbeitung ihrer Anliegen keine Säumnisabzüge geltend machen, etwa wenn ein WBK-Eintrag neun Wochen dauert. Obwohl das manchmal schon wünschenswert wäre, denn bei anderen Dingen, die manch einer wichtig finden könnte, herrscht keine Eile: Wenn in Brandenburg ein wütender Bauern einen Mitarbeiter des Veterinäramts mit seiner Schrotflinte erschießt, dauert es schon mal eine Dreiviertelstunde, bis die Polizei eintrifft. Solange liegt der tote Veterinär halt auf der Straße. Wenn meine Nachbarn mal die Polizei rufen, kriegen sie zu hören, dass es doch bekanntlich nur einen Einsatzwagen für das gesamte Gemeindegebiet gibt, und der wäre gerade ganz woanders und hätte danach auch noch zwei oder drei andere wichtige Dinge zu erledigen, also das könne schon dauern, man solle sich besser gleich darauf einstellen, dass überhaupt niemand kommt…

Nun könnte man vermuten, dass läge daran, dass bei der neoliberal (ach nee, neoliberal kann nicht sein, in Brandenburg regiert seit 2013 eine rot-rote Koalition…) kaputtgesparten Polizei halt krasse Personalknappheit herrscht. Aber das kann auch nicht sein. Denn in Brandenburg steht 24/7 wirklich hinter jedem zweiten Baum ein Blitzer, gut getarnt, wie zu DDR-Zeiten, als es noch um Westler-Abzocke ging, und bevorzugt nicht an Schulen, Altenheimen oder Behindertenwerkstätten, sondern irgendwo auf der Landstraße, wo auch der bravste Bürger sich denkt, dass es auf ein paar km/h mehr oder weniger hier nun auch nicht ankommt. Und beim Blitzermarathon, man glaubt es kaum, lässt sich die Blitzerdichte noch beträchtlich steigern.

Dass es an Personalmangel wirklich keinesfalls liegen kann, belegt ganz eindeutig auch diese Jubelmeldung hier: Zwölf Stunden am Stück hat die Polizei Brandenburg im Akkord getwittert! Wahnsinn, eine echte Leistung! Auf dem Foto zur Meldung (siehe Beitragsbild) ist das sechsköpfige Neue-Medien-Team zu sehen, das unablässig das überflüssigste aller sozialen Netzwerke füttert. Mit mäßigem Erfolg übrigens, die meisten Meldungen erhalten maximal einstellige Retweets und maximal zweitstellige Likes, aber lassen wir das.

Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass hierzulande nur das gut und schnell funktioniert (weil personell und monetär gut ausgestattet), was der finanziellen Auspressung der Bürger dient. Oder der positiven Selbstdarstellung von Staat und Behörden in GEZ-Funk oder Social Media. Man könnte sich fragen, ob da nicht vielleicht die falschen Prioritäten gesetzt werden. Ob die Twitter-Spezialisten der Brandenburger Polizei nicht andernorts sinnvoller und nutzbringender einzusetzen wären. Bei der Waffenbehörde zum Beispiel. Oder im Streifendienst. Der Bürger wüsste es vermutlich zu schätzen, aber wen interessiert das schon. SE

Beitragsbild: Twittern im Akkord bei der Polizei Brandeburg. Quelle: Polizei

2 Gedanken zu „Brandenburg: Die Polizei, dein Freund und Schwätzer

  1. Zündelnerlaubt

    Warum kann man da nicht direkt hingehen? In NRW (Polizei) oder NDS (Stadt), geht man hin, zieht ggf ne Nr. sagt habe Waffe von dem und dem gekauft, Eintrag und fertig?
    In NRW gibt´s ne Rechnung in NDS zahlt man am Automaten. Gerade in dünnbesiedeltem Raum macht das doch Sinn, oder nicht?

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Mein Wohnort liegt im Kreis Potsdam-Mittelmark. Für die Waffenbehörde (Polizeidirektion West, Brandenburg/Havel) und Untere Jagdbehörde (Kreisstadt Belzig) muss ich hier eine Lanze brechen. Jagdschein samt Antrag und Versicherungsbestätigung an die Behörde geschickt, verlängerten Jagdschein nach 10 Tagen per Post zurückbekommen. Waffe ge-oder verkauft, Meldung samt Kaufvertrag per Brief an die Waffenbörde, WBK mit entsprechendem Eintrag nach spätestens 14 Tagen per Post zurück. Schon mehrfach so exerziert. Gerade im ländlichen Raum ist die Möglichkeit, das alles per Post zu erledigen doch ausgesprochen hilfreich. Andernfalls müsste ich jeweils zweimal nach Belzig bzw. Brandenburg fahren.

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