Brandenburg: Brandbrief an die Jagdverbände

Drei Schwergewichte der Jagd, Wildmeister Klaus Mordhorst, Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel und Prof. Dr. Christoph Stubbe fordern in einem auf den 21.01.2020 datierten Brief die Vorsitzenden der Jagd- und Kreisjagdverbände Brandenburgs auf, der von Landwirtschaftsmnisterium geplanten tiertschutzwidrigen Massakrierung des Schalenwilds (JAWINA berichtete) unter dem Vorwand der ASP-Prophylaxe entgegenzutreten.

Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

“Sehr geehrte Weidgenossinnen und Weidgenossen,

es gab eine Zeit, da fühlten sich Ministerialbürokratie und Jägerschaft in Brandenburg der
Einheit von Wild und Lebensraum verpflichtet. Leitfaden war dabei das Jagdgesetz Brandenburgs, in dem es heißt:

„Wild ist ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Es ist als unverzichtbarer Teil
der natürlichen Umwelt in seinem Beziehungsgefüge zu bewahren. Der Schutz des jagdbaren
Wildes und seiner Lebensräume ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Den sog. Brandenburger Weg hat das zuständige Ministerium leider seit langem verlassen,
obwohl das Jagdgesetz nach wie vor Gültigkeit besitzt. Im Zeichen des Klimawandels und der
herannahenden Afrikanischen Schweinepest wird unser heimisches Wild nahezu zum alleinigen
Sündenbock gemacht. Die tierschutzwidrige neue Durchführungsverordnung zum Jagdgesetz,
die de facto qualifizierte Abschusspläne abschafft und einer erbarmungslosen Jagd
auf wiederkäuendes Schalenwild den Weg ebnet, ist Ausdruck dieser Nichtachtung des Paragrafen 1 des Jagdgesetzes. Leider hat unsere Interessenvertretung, der Landesjagdverband
Brandenburg e. V., dieser Verordnung zugestimmt.

Nun fordert das zuständige Ministerium die Jagdausübungsberechtigten mit Schreiben vom
17.01.2020 auf, Anträge auf Schonzeitaufhebung für wiederkäuendes Schalenwild zu stellen,
damit bei Bewegungsjagden auf Schwarzwild im Rahmen der ASP-Prophylaxe auch anderes
Wild zumindest bis Ende Februar (!) mit bejagt werden kann. Eine pauschale Genehmigung
solcher Anträge wird angekündigt. Das bedeutet, das Wild hat dann bis zum Beginn der Jagd
am 16. April sechs Wochen Schonzeit. Tierschutz und Weidgerechtigkeit werden mit Füßen
getreten. Die in Bayern im Waldgesetz festgeschriebene Maxime „Wald vor Wild“ wird nun
auch in unserem Bundesland gnadenlos umgesetzt. Wird vor allem das wiederkäuende Schalenwild weiter stark reduziert, muss zudem mit steigenden Zahlen gerissenen Weideviehs
gerechnet werden.

Nach unserer Meinung tritt unser Jagdverband dem tierschutzwidrigen Gebaren aus welchen
Gründen auch immer nicht entschieden genug entgegen. In diesem Jahr wird ein neues Präsidium des LJV gewählt. Wir möchten Sie bitten, die Delegierten Ihres Kreisjagdverbandes
bzw. Jagdverbandes eindringlich auf die oben skizzierte Situation aufmerksam zu machen.
Wünschenswert ist ein Präsidium, das sich ohne Wenn und Aber zur Parole Wald und Wild
bekennt und entsprechend agiert.

Mit freundlichem Gruß und Weidmannsheil

gez.

Wildmeister Klaus Mordhorst Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel Prof. Dr. Christoph Stubbe”

23 Gedanken zu „Brandenburg: Brandbrief an die Jagdverbände

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Dass dieser Brandbrief überhaupt erforderlich wurde, unterstreicht die Tragödie, zu der ideologisch Verblendete an politischen Schaltstellen fähig sind.

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    1. aktiver Land- und Waldbesitzer

      Im gleichen Gesetz (nur einen Absatz weiter) wird das angestrebte Beziehungsgefüge “Wald und Wild” präzise formuliert, zum Beispiel die biotopgerechte Wildbewirtschaftung. Warum erfolgt hier eine einseitige Darstellung der Sachverhalte? Warum erfolgt die Auslegung des Gesetzes ohne Eigentums- und Bewirtschaftungsinteressen – wir leben übrigens schon lange nicht mehr in der DDR. Mit welchem Recht stellen sich diese, aus meiner Sicht rückwärts gewandte Jäger so in den Vordergrund?

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  2. SJ

    Es zeugt von wenig (Pfannen-) Stil, wenn man aus dem LJVB mit viel Trara austritt, und sich dann als Nichtmitglied anschließend von außen wieder in die Verbandspolitik einmischen will.

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  3. Peter- C. Neigenfind. Öffentlichkeitsarbeit JV Bernau

    Die Entwicklung der Jagdgesetzgebung in Brandenburg verstößt gegen Jagd und Tierschutz unter dem Deckmantel von ASP und Waldschutz. Landesbetrieb Forst und Oberste Jagdbehörde müssen aus den bekannten Gründen sofort wieder getrennt werden.
    Peter-C. Neigenfind
    Öffentlichkeitsarbeit
    JV Bernau

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  4. Daniel Märkisch

    Ich habe im Jahr 2000 meine Jägerprüfung absolviert und meinen ersten Jagdschein in Brandenburg gelöst, bin also mit dem Grundsatz Wald und Wild „groß“ geworden. – Was wollen wir heutigen Jungjägern in Brandenburg mit auf dem Weg geben? Hier ist der Landesjagdverband mit eindeutigen Aussagen und einem eindeutigen Auftreten für unser Wild in Feld, Wald und Flur gefragt!

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  5. ALF

    Aktiver Land- und Waldbesitzer
    Eigentum verpflichtet, zur Einhaltung aller gesetzlicher Vorgaben und zur Berücksichtigung der Belange der Allgemeinheit. Die Duldung frei lebender Wildtiere, in notwendigen gesundem Maße wohlgemerkt, gehört dazu. Eigentum verpflichtet nicht zur ausschließlichen Ausrichtung des persönlichen Tuns auf die Befriedigung eigener wirtschaftlicher Interessen. Das Bayrische Jagdgesetz und die Jagdphilosophie dort, wie ein Gebetsbuch vorweggetragen (Ch. Ammer und Co., Der Wald-Wild-Konflikt), soll als Legitimation dienen, ein kleines grünes Mäntelchen umgehängt, und schon ist der Waldbesitzer Klimaschützer und Weltenretter (?) Hier müssen vielmehr gemeinsame möglichst allumfassende Lösungen erarbeitet werden. Wenn dazu 100te Mio Euro unserer öffentlicher Gelder aufgewendet werden müssen, dann nicht, um ein Wirtschaften weiter so zu sichern, und in 50 Jahren stehen die selben Probleme wieder an, nur die Wildtiere sind ausgeräumt. Diese hohen Aufwendungen von unseren Steuergeldern für einen Waldumbau sind gerechtfertigt, wenn sie für die Umwelt und die Gesellschaft einen Nutzen in Gänze erbringen. Die möglicherweise geringeren ökonomischen Erträge müssen ggf. kompensiert werden.
    Es ist wie bei den Kollegen Landwirten. Solange für die eigentlichen Betroffenen – das sind hier die Wildtiere, nicht die Jäger – keine vernünftigen Lösungen gefunden sind und mit ihnen rechtswiedrig umgegangen werden soll, muss dagegen Front gemacht werden. Aber wehren können sich nur die Jäger, und sie haben die Verpflichtung dazu.

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    1. Schafwirt

      Diese ganze Diskussion ist doch scheinheilig! Zum Einen ist niemand gezwungen die Jagd auf Wild zu Tag und Nacht auszuüben. Und vor allem die Jäger, die sich über diese Erlasse aufregen sind die ersten bei den Drückjagden im Forst. Wie oft erlebe ich Gespräche am Streckenplatz über die ach doch so schlimme Erlegung des Rehbockes nach dem 15.10., die gleichen Jäger lassen sich dann einen Bruch dafür überreichen. Diese Waidgerechtigkeit ist kein Heiligenschein sondern Scheinheilig. Und unter anderem deswegen haben wir in unserer Gesellschaft einen schweren Stand. Wenn ich mich im Brandenburger Wald umsehe, dann sehe ich Verjüngung im Zaun, der mit Steuergeldern errichtet wird. Und außerhalb ist vieles verbissen. Viele Jäger sehen das doch garnicht, weil die Strecke machen wollen und eben nicht Waldeigentümer sind. Offen über genau diese Widersprüche zu reden fällt in Zeiten der sozialen Medien schwer. Aber ich bin völlig entspannt: diesen gefühlten Grundsatzstreit gibt es seit mehr als 200 Jahren in der Jagd! Es macht Spaß die Bücher in altdeutscher Schrift von 1780 zu lesen.

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  6. Norman Utke

    Ich verstehe die Aufregung nicht, 2018 war das Rehwild und Damwild bis 31.01. offen. Niemand hat sich darüber aufgeregt, was ist nun 2020 wildbiologisch so völlig anders?

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    1. Enok1969

      2020 ist anders, dass die Jagdzeit bereits am 15. April wieder beginnt. Es war auch schon bereits 2018 so, dass wiederkäuendes Schalenwild ab der Wintersonnenwende in Ruhe gelassen werden sollte, damit dieses eben nicht mehr Energie benötigt und mehr verbeißt. Es gab damals bereits Vorschläge die Jagd zum 31. Dezember einzustellen bzw. zumindest Bewegungsjagden ab 01. Januar zu unterlassen.

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  7. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sehr geehrter aktiver Land- und Waldbesitzer,
    selbstverständlich können – und müssen vielleicht auch an manchen Stellen – Wildbestände aus waldbaulichen Erwägungen heraus abgesenkt werden. Das Wie ist entscheidend. Planloses und tierschutzwidriges Abknallen – nun auch noch in der Schonzeit – schafft keine gesunden Wildbestände, wie Jagdgesetze sie fordern. Bejagung nach Plan, der vernünftig nach Altersklassen und Geschlecht gegliedert ist, das fordere ich. Über die Gesamthöhe des Abschussplans ist damit nichts gesagt.
    Mit freundlichem Gruß und Weidmannsheil
    Hans-Dieter Pfannenstiel

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  8. Meissner. Uli

    Dank den Verfassern des Brandbriefes. Sie unternehmen was.Es nutzen uns keine Kommentare, von selbsternannten Spezialisten die die Jägerschaft noch weiter spalten. Teile und Hersche, Ziel erreicht. Ich habe alle Entwicklungen der Jagd seit 40 Jahren erlebt und mitgestaltet. Bestimmt gibt es unterschiedliche Ansichten und Interessenlagen .Was sollte verbinden, unsere Freude an der Jagd und unsere Verantwortung für die Flora und Fauna. WMH

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  9. Peter

    Forstliche Jagden auf denen aufgrund massiver jagdlicher Differenzen nur noch wenige oder gar keine einheimische Jäger zu finden sind, gibt es in BB doch schon jahrelang. Dann gibt es halt noch ein paar solcher Jagden mehr mit den ungezählten Reisejägern, denen jagdliche Details und Diskussionen völlig egal sind. Blieben die Stände unbesetzt, wäre das Spiel längst abgeblasen. Schade trotzdem und meinen Respekt an die letzten Mahner. Der LJV ist längst nur noch Feigenblatt und Trachtentruppe, er hat keinen echten Hebel. Die Entscheidungen werden woanders getroffen.

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  10. Peter-C.Neigenfind

    In unserer Hegegemeinschaft Niederwild Barnim Süd endet die Jagdzeit auf den Rehbock am 15.10.
    Wir halten uns damit an das Bundesjagdgesetz. Dieser Beschluss erfolgte Einstimmig durch alle
    Pächter unserer 14 Jagdreviere.
    Peter-C.Neigenfind
    Vorsitzender

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  11. JK

    Auch wenn ich im Sachsen zu Hause bin, kann ich nur sagen: wehret den Anfängen !!! Wenn das Beispiel Brandenburg Schule macht, wird das ein Flächenbrand. Unter dem Deckmantel der ASP wird hier dem Schalenwild der Krieg erklärt. Die Begründung der ” sowieso entsehenden Beunruhigung ” ist hirnrissig. Als es noch vernünftige Jagdzeiten gab, wurden doch auch DJ durchgeführt. Wer da eben den Finger nicht gerade lassen konnte, wurde um Selbstanzeige ( weil Schonzeitvergehen ) ” gebeten “. Was geben wir den Jungjägern mit ? Den Eindruck, nicht mehr Jäger und Heger zu sein, sondern Schädlingsbekämpfer. Den Rest bekommt das Schalenwild dann durch die Drückjagd”gäste”, die sich für 100€ /€ pro Stand und mehr in die forstlichen Ballerspiele eingekauft haben. Leb’ wohl, weidgerechte Jagd…..die Wildbretpreise sind schon im Keller, die Moral folgt auf dem Fuße.

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  12. E. Hahlweg

    Die Hegegemeinschaften sind der Schlüssel, diesem unseligen Treiben vom Grünen Vogel und der OJB die Stirn zu bieten, ganz zum Gegenteil der damit von der OJB postulierten Absicht, diese zu schwächen. In unserer Hegegemeinschaft gibt es keinen Mindestabschuss und es wird ihn auch nicht geben, die Jagd auf Rotwild endet in der Regel am 31.12. Wir machen die tierschutzgerechten und wildbiologischen Regeln im Rahmen der Jagdgesetze selbst und dies immer unter Beteiligung aller (Landwirte/Waldbesitzer), damit auch unsere Kinder noch jagen können und einen intakten Wald vorfinden.

    E. Hahlweg
    – Leiter der RG-EE der HG Hohenbucko – Rochauer Heide

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    1. Meissner. Uli

      Mann freut sich über die Beiträge, kommen doch immer neue und gute Aspekte hinzu.Trozdem meine Frage, können wir was erreichen?Wir kennen die Akteure, wir haben die beßten Argumente und vorallem wir tun was. Die anderen reden nur. Glaube auch nicht mehr, daß unsere Hegeringe noch den Einfluss haben, leider. Nach meiner Meinung kann nur helfen das wir uns nicht zerteilen lassen. Wenn wir uns einig sind, dann können wir auch das Problem lösen. Fast jedes Grüne Blatt kann dem Winter nicht trotzen. Es fällt herrunter. Das ist gut für die Natur. WMH

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  13. L. Hausdorf

    Die Hegegemeinschaften sind wohl noch der praktischste Zusammenschluss der Reviere, wenn der LJV schon mehr und mehr die Biege macht.
    In den HG ist der Draht direkt in den Revieren, dort läuft es ab, dort trifft die Theorie auf die Praxis.
    Wir setzen auch auf freiwilligen Verzicht statt bis nach Ultimo zu jagen. Intakte Bestände und Ruhe zu bestimmter Zeit sind das absolute Muss.
    Vielleicht sollten die ganzen Hegegemeinschaften etwas mehr zusammen machen um der Abschaffung durch die ggf. nächste DVO zuvor zu kommmen.
    Ich bin dafür offen.
    Es liegt an jeder HG und an jedem Revier selbst, den Kopf in den Sand zu stecken oder es freiwillig besser zu machen.
    Wie war denn das eigentlich mit den Grünen und den Tieren? Gibts in der Partei wohl auch mehrere Lager, links, mitte, rechts?

    Hegegemeinschaft Grünhaus

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    1. Peter- C. Neigenfind. Öffentlichkeitsarbeit JV Bernaum

      Dem kann ich Inhaltlich nur zustimmen.
      Vielleicht wäre es angebracht wenn die Vorstände der Hegegemeinschaften sich mal zusammensetzen um ihre Wünsche und Belange durchzusetzen. Bisher hieß es vom DJV und LJV-B nur
      „wir müssen die Hegegemeinschaften stärken“ Bisher aber leider ohne Ergebnis.
      Peter-C. Neigenfind
      Vorsitzender Hegegemeinschaft
      Niederwild Barnim Süd

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