Brandenburg: Berufsjäger protestieren gegen Schonzeitaufhebungen

Der Brandenburger Landesverband der Berufsjäger (BdB) protestiert in einem Offenen Brief gegen die Genehmigung “von Anträgen auf Schonzeitaufhebung zur Bejagung von wiederkäuendem Schalenwild bis 29.02.2020 durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz”. Das Schreiben ist an den Brandenburger Landwirtschaftsminister Axel Vogel gerichtet. Vogel stammt aus Bayern, ist Gründungsmitglied der Grünen und hat laut Wikipedia “von 1980 bis 1991” ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen absolviert.

Im Folgenden dokumentieren wir das Schreiben der Berufsjäger im Wortlaut:

“Widerspruch zum Genehmigen von Anträgen auf Schonzeitaufhebung zur Bejagung von wiederkäuendem Schalenwild im Februar

Sehr geehrter Herr Minister,

der Landesverband der Berufsjäger Brandenburg widerspricht hiermit den von Ihrem Ministerium in Aussicht gestellten pauschalen Genehmigungen von Schonzeitaufhebung auf wiederkäuendes Schalenwild bis 29.02.2020 und fordert Sie dazu auf, die Jagd- und Schonzeitenregelung nach der erst am 05. Juli in Kraft getretenen Verordnung zur Durchführung des Jagdgesetzes für das Land Brandenburg aufrechtzuerhalten.

Mit der Verordnung zur Durchführung des Jagdgesetzes für das Land Brandenburg (BbgJagdDV) vom 28. Juni 2019 wurde die Jagd in Brandenburg an gesellschaftliche und insbesondere auch an wirtschaftliche Bedürfnisse der Landnutzer angepasst.

Unter anderem wurden von den Verfassern der Verordnung die Jagdzeiten auf wiederkäuende Schalenwildarten so geändert, dass die Bejagung optimiert wird und wildbiologische Aspekte Beachtung finden sollten. Dabei ist die Jagdzeit auf wiederkäuendes Schalenwild nun auf Mitte Januar beschränkt, was tatsächlich den physiologischen Anforderungen der Wiederkäuer und somit dem Tierwohl Rechnung trägt. Zudem kann dadurch auch nachweislich dem erhöhten Aufkommen von Verbiss und Schälschäden entgegengewirkt werden.

Genau dieser Personenkreis strebt nun aber mit dem Schreiben Ihres Ministeriums (MLUL-35-2131/9+ 78#12408/2020) vom 17.01.2020, in welchem Anträge auf Schonzeitaufhebungen für wiederkäuende Schalenwildarten pauschal bewilligt werden sollen, an, unter dem Vorwand der ASP-Prävention, im Zuge von umstrittenen Winter- Ansitzdrückjagden wiederkäuende Schalenwildarten mit zu bejagen, da diese Wildarten ohnehin durch die Beunruhigung großflächiger Jagden tangiert würden.

Dabei ist klar ersichtlich, dass fachlich falsch und handwerklich unbeholfen agiert wird, denn Schwarzwild ließe sich auch ohne personal- und somit kostenaufwändige Ansitzdrückjagden effektiv bejagen.

Revierinhaber, welche es bis Mitte Januar nicht fertig gebracht haben, ihren Abschussplan bzw. den möglichsten Rehwildabschuss zu erfüllen, sollten vielmehr ihre Jagdstrategie kritisch hinterfragen und prüfen, ob der Wildbestand nicht doch geringer ist, als angenommen.

Im Hinblick auf eine effektive Schwarzwildbejagung ist es mit dem vereinfachten Genehmigungsverfahren zum Betreiben von Schwarzwildfängen und den durch die Durchführungsverordnung ermöglichten Bejagungshilfen umsetzbar, schwerpunktbezogen auf Schwarzwild zu jagen, ohne großflächig Wildlebensräume zu beunruhigen.

Die pauschale Genehmigung von Anträgen auf Schonzeitaufhebung wiederkäuender Schalenwildarten, perspektivisch sogar bis Ende Februar, einem Zeitraum, in dem speziell Wiederkäuer durch Beunruhigung nachhaltig körperlich beeinflusst werden, lässt keine Zweifel mehr aufkommen, dass ausschließlich forstwirtschaftliche Ziele die Entscheidungen des Referates 35 steuern und Tierleid billigend in Kauf genommen wird. Der Auftrag Ihrer Behörde, bei der Entscheidungsfindung auch gesellschaftsethische Belange zu berücksichtigen sowie bei allen ökologischen und ökonomischen Zwängen den Tierschutz aufrecht zu erhalten, und so Bemühungen um das Tierwohl mit einfließen zu lassen, ist nicht mehr zu erkennen.

Vielmehr wird die gesellschaftsübergreifende Sorge um Klima und Fortbestand nachfolgender Generationen als Vorwand genutzt, ungehindert eigennützige Zielstellungen umzusetzen.

Der Landesverband der Berufsjäger Brandenburg erkennt die Bestrebungen, hohe Schalenwildbestände zur Seuchenprävention und zum zukunftsfähigen Waldumbau zu senken, an, fordert jedoch alle Verantwortlichen dazu auf, diese Zielsetzung nur im Konsens mit tierschutzkonformen und zeitgemäßem Handeln umzusetzen. Dabei steht insbesondere der Muttertierschutz und die Berücksichtigung wildbiologischer Erkenntnisse im Vordergrund.

Die Bejagung von wiederkäuendem Schalenwild im Februar ist im Hinblick auf den Tierschutz uneingeschränkt abzulehnen und zeigt nur, dass Ihr Ministerium wider besseren Wissens ethische Belange außer Acht lässt.

Auch wenn die Oberste Jagdbehörde in Brandenburg hauptsächlich von forstnahen Entscheidungsträgern geführt wird, sollten diese die Jagd unvoreingenommen beeinflussen, um dauerhaft glaubwürdig zu sein und so dem demokratischen Grundverständnis entsprechen. Herr Minister, Sie haben sich mit dem Amtsantritt verpflichtet, unserer Gesellschaft durch kluge und weitsichtige Entscheidungen dem Gemeinwohl zu dienen. Das beinhaltet auch den gesellschaftlichen Auftrag, unsere Umwelt, einschließlich der Lebensräume großer Pflanzenfresser, nicht nur als Wirtschaftsgut anzuerkennen, sondern auch als Ökosystem zu fördern, was Artenvielfalt und letztlich auch die Erlebbarkeit von behutsam verwalteten Wildtierbeständen beinhaltet.

Setzen Sie mit der Nichtverlängerung der Jagdzeiten ein Zeichen, ebensolcher klugen und weitsichtigen, den gesellschaftsethischen Anforderungen gerecht werdender Entscheidungen.

Mit hoffnungsvollen Grüßen Alt Madlitz, den 24.01.2020

ROJ Axel Nitschke

Vorsitzender Landesverband der Berufsjäger Brandenburg”

Beitragsbild: Offener Brief der Brandenburger Berufsjäger an Minister Vogel. (Screenshot, Ausschnitt)

9 Gedanken zu „Brandenburg: Berufsjäger protestieren gegen Schonzeitaufhebungen

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Na, dann hat Herr Vogel (grün) ja 11 Jahre Zeit gehabt, die Wirtschaft (nicht Wirtshaus) gründlich zu studieren, die Regelstudienzeit hierfür beträgt 3 Jahre! Wenn aber dieser Mensch jetzt Umwelt- und Jagdminister ist, [Kommentar gekürzt, bitte sachlich bleiben, admin.]

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    1. Bernhard

      Die Regelstudienzeit im Diplomstudiengang Wirtschaft betrug damals 10 Semester. An der Fernuni wurde häufig nebenberuflich in Teilzeit studiert. Diffamierungen des politischen Gegners sollten nicht unsere Form der Auseinandersetzung sein …

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    2. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      #Admin: Einen deutschen, dem Sozialismus zugewandten, bekannten Dramatiker zu zitieren ist nicht unsachlich und beschreibt das Verhalten des Ministers treffend.
      und nachstehend an
      #Bernhard: mit welchem Wort habe ich den Minister herabgesetzt? Wenn der Mann in dieser Zeit politisch tätig war, sollte das auch dabei stehen;
      denn ich schreibe einen Kommentar nach dem was ich lese und nicht erst nach umfassenden Recherchen.

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  2. HW

    Leider sprachlich so unbeholfen, dass sich der grüne Minister alleine darüber schon köstlich amüsieren wird. Dass Leute, denen das Verfassen von Texten nicht in die Wiege gelegt ist, nie kapieren, dass man einen solchen Brief von Profis schreiben lassen muss. Ich verstehe es nicht.

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    1. E. Hahlweg

      Es ist schon armselig, sich über die Formulierungen des Schreibens zu echauffieren, statt Ziel und Kritik der Berufsjäger zu unterstützen. Ich bin mir aber sicher, Sie #HW werden hier Ihr Schreiben an den Minister veröffentlichen. Oder haben Sie nichts Konstruktives beizutragen?

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      1. HW

        @E. Hahlweg: Sie haben mich offensichtlich nicht verstanden. Ich bin sehr dafür, mit knackigen Statements an die Öffentlichkeit zu gehen. Inhaltlich ist das ja auch alles ok. Aber es muss auch professionell wirken. Und das tut es hier eben nicht. Fehlende Medienkompetenz ist eines der größten Probleme der Jägerschaft. Und was mich betrifft: Glauben Sie mir, ich bekämpfe auf meinem Gebiet und mit meinen Mitteln unermüdlich diesen Öko-Irrsinn.

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    2. Ansitzjäger

      #HW
      Nicht jedem gelingt es heutzutage, die Gedanken in passende Formulierungen zu gießen. So drücken sich aber unsere Bürger aus! Herr Minister Vogel wird schon wissen, was mit diesem Brief gemeint ist! Wahrscheinlich sind es seine Referenten, die ihn an der Sache vorbei beraten und die von Ihnen zitierte Unbeholfenheit der Formulierungen als nicht zielführend werten. Schade, das Politiker heute nicht mehr in der Lage sind, mit Fakten umzugehen und geltende Gesetze und Verordnungen fallgerecht umzusetzen. Armes Brandenburg!!!

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  3. E. Hahlweg

    Diesem Schreiben ist uneingeschränkt zuzustimmen und die Forderung nach Rücknahme der Schonzeitaufhebung ist vollständig zu unterstützen. Ich stelle fest: alle kompetenten Jagdpraktiker und Wildbiologen sind einer Meinung. Nun liegt es am Grünen Minister Vogel, weiteren Schaden (durch seine enorme Unkenntnis) von Wild und Wald abzuwenden. Wir dürfen gespannt sein, wie die Grünen Parteikollegen von Vogel seine Weigerung, dem Wild Tierschutz zu gewähren, begegnen werden.
    Dem Landesjagdverband wünsche ich weiterhin einen geruhsamen Schlaf.

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