Brandenburg: Bauernbund kritisiert anhaltende Naturzerstörung durch den Biber

Der Bauernbund Brandenburg, Interessenvertretung der bäuerlichen Familienbetriebe, hat den heute vorgelegten Entwurf der Landesregierung zur Novelle der Biberverordnung als komplett untauglich zurückgewiesen. “Bei über 5000 Bibern im ganzen Land ist der strenge Schutz nicht mehr gerechtfertigt – wir brauchen keine schadensbezogene Entnahme, sondern eine vorbeugende Bejagung, um der Plage noch Herr zu werden”, sagte der Biberbeauftragte des Bauernbundes Bernhard Kalies, Ackerbauer aus Ortwig im Oderbruch.

Auch innerhalb der Entnahmelogik bleibe der Entwurf bei den Widersprüchlichkeiten der alten Biberverordnung, kritisiert Kalies: “Was bringt es, wenn die Behörden aufgrund massiver Schäden Ausnahmegenehmigungen erteilen, diese durch die Verordnung aber zeitlich und räumlich so eingeschränkt werden, dass die Schäden nicht aufhören? Wo sollen die Vögel denn nisten, wenn der Biber im Vogelschutzgebiet einen Baum nach dem anderen zu Fall bringt?” Auch dass der Pelz und das Fleisch von getöteten Bibern nicht vermarktet werden dürfen, ist nach Auffassung des Bauernbundes Ausdruck eines falschen, von Wegwerfmentalität geprägten Naturverständnisses.

Kalies, der auf seinem Hof vor zwanzig Jahren 368 Bäume gepflanzt und davon inzwischen 349 durch den Biber verloren hat, hält die politisch gewollte Ausbreitung werbewirksamer Symboltiere für einen Anschlag auf das ökologische Gleichgewicht in der Kulturlandschaft: “Mit dem Biber verschwinden die Bäume und Büsche an unseren Wasserläufen. Mit dem Wolf verschwindet das extensive Weideland. Das sind alles wertvolle Lebensräume für Insekten und Vögel, die der staatliche Naturschutz wissentlich zerstört.“ PM

Beitragsbild: Von Biber gefällter Baum im Spreewald. Foto: SE

11 Gedanken zu „Brandenburg: Bauernbund kritisiert anhaltende Naturzerstörung durch den Biber

  1. Titus von Unhold

    Die Natur in Form des Bibers zerstört sich selbst? Interessant. Ist es nicht viel mehr so dass jedes Ökosystem dem ständigen Wandel unterliegt? Auch nach einem Waldbrandmit Wipfelfeuer ist ein Ökosystem vorhanden, nur eben ein anderes.

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  2. Outsider

    Fragen: Anknüpfend zur Disskusion um den Wolf: Sollten man die jagdlichen Kräfte nicht bündeln und auf die jetzt bestehenden Probleme mit Sau und Reh konzentrieren? Ist es wirklich sinnvoll, den unter Naturschutz stehenden Bibern nachstellen zu wollen, während die ASP vor der Tür steht und ein nicht im Einklang mit der Landeskulltur befindlicher Rehbestand den dringend notwendigen Waldumbau auf großer Fläche ohne Zaunschutz verhindert?

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    1. Keule

      Die Existenz eines flächendeckend “nicht im Einklang mit der Landeskultur befindlicher Rehbestandes” halte ich für eine unbewiesene Behauptung – um es mal äußerst freundlich zu formulieren und das L-Wort zu vermeiden.
      Der “Waldumbau auf großer Fläche ohne Zaunschutz ” ist nur wegen der Fehler der Forstpartie in der Vergangenheit erforderlich und dient vor allem deren ökonomischen Interessen. Es ist überhaupt nicht eizusehen, dass für schalenwildfreie Holzplantagen derart in die natürlichen Wildbestände eingegriffen wird.

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  3. Outsider

    Fragen: Anknüpfend zur Disskusion um den Wolf: Sollten man die jagdlichen Kräfte nicht bündeln und auf die jetzt bestehenden Probleme mit Sau und Reh konzentrieren? Ist es wirklich sinnvoll, den unter Naturschutz stehenden Bibern nachstellen zu wollen, während die ASP vor der Tür steht und ein nicht im Einklang mit der Landeskultur befindlicher Rehbestand den dringend notwendigen Waldumbau auf großer Fläche verhindert?

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  4. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Da prangert der Klimaschutzbericht die Abholzung von Bäumen an, die doch CO2 binden, der Biber darf sie aber fällen und ruinieren; auch im privaten Bereich. Der Waldumbau ist eine Jahrhundertaufgabe und nicht auf die Schnelle zu realisieren und schon gar nicht vom Forst, der damit Geld verdienen soll. In der Diskussion um die globale Klimaveränderung macht es wenig Sinn, nur Brandenburg zu betrachten und dort sich als “Prügelknabe” das Schalenwild auszusuchen. Alle Maßnahmen der Holzernte führten und führen zu erheblichen Langzeitschäden z.B. durch die Bodenverdichtung schwerer Maschinen, die Zerstörung der Wurzelteller und die Bäume kippen beim nächsten Sturm, falsche Baumstandorte mancher Aufforstung vor 50 Jahren nach Marktgesichtspunkten, hausgemachte Kalamitäten u.v.m.. Der Wald ist nicht mehr Heimstatt für die wildlebenden Tiere sondern zum Freizeitpark verkommen. Nicht jedes Wild passt sich diesen Bedingungen an mit den entsprechenden Konsequenzen (Aussterben, Abwandern, Schälschäden und Verbisskonzentration). Aber unsere Ökofuzzies sind ja die Experten und haben eins zwei drei schon einen Schuldigen für diese Misere ausgemacht…..die bösen Jäger schießen zu wenig. Anstatt dass sie sich ebenfalls dafür stark machen, dass der Wald wenigstens Nächtens in Ruhe gelassen wird; dass die Leute nur auf ausgewiesenen Waldwegen sich bewegen und nicht jeden Tag quer Beet eine “Bewegungsjagd” simulieren, weil der Wald ja ihnen gehört. Wenn die Forstpartie wieder ihrer alten Aufgabe, nämlich auch am Wochenende für Ordnung im Wald zu sorgen, mehr nachkämen, wäre schon ein erster Schritt in die richtige Richtung getan.

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  5. Outsider

    Fragen: Ist es nicht eher so, dass heutige Waldstrukturen den Erfordernissen vergangener Epochen geschuldet sind? Nach dem Krieg ging es darum die Holzversorgung zu sichern. Heute sind u.A. über naturnahe Methoden in der Waldwirtschaft Lebensgrundlagen für Menschen und alle anderen Lebewesen zu sichern. Bedrohte Arten füllen ganze Bücher (Rote Liste). Sau und Reh gibt es in bisher nicht gekannter Dichte. Hat die Jagd hier nicht den gesetzlichen Auftrag den Wildstand an die Landeskulur anzupassen um z.B. der ASP entgegenzuwirken oder Waldumbau (dort wo Eigentümer es wollen) zu ermöglichen?

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  6. D. Seiler

    Ich finde den Artikel gut. Ja, ich sehe es auch so, dass durch Biber und Wölfe tatsächlich im Bestand gefährdete Arten verschwinden können. Mancherorts gibt es während der Brut und Setzzeit Leinenpflicht für Hunde. Nur nehmen jetzt die Wölfe die brütenden Vögel mitsamt Gelege als Snack mit. Und jetzt noch das zusätzliche Problem mit den Bibern, die ebenfalls Habitate zerstören. Da kann man nur hoffen, dass es dort nicht auch noch Waschbären gibt.

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  7. Niemand Sonst

    @Titus von Unhold

    “Die Natur in Form des Bibers zerstört sich selbst?”
    – Nein. Er zerstört aber eine jahrhunderte alte Kulturlandschaft.
    Und von Ihrer “Natur” können Sie höchstens träumen.

    @Outsider

    “Anknüpfend zur Disskusion um den Wolf: Sollten man die jagdlichen Kräfte nicht bündeln und auf die jetzt bestehenden Probleme mit Sau und Reh konzentrieren?”

    Das Reh ist kein Schädling, somit der Jäger auch kein Schädlingsbekämpfer.
    Denn mehr als ein Verbissgutachten ist naja………
    Und was die ASP anbelangt, könnte man höchstens die Kräfte dahingehend bündeln, ausreichend Mülltonnen am Wegesrand aufzustellen, damit die Menschen ihre Essensteste nicht in der Natur entsorgen. Denn damit kommt die ASP.

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    1. Titus von Unhold

      “Nein. Er zerstört aber eine jahrhunderte alte Kulturlandschaft.”

      Nö, er verändert sie. Zerstörung ist lediglich die menschliche Sichtweise. Und die ist falsch.

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  8. MH

    Die hohen Schwarzwildbestände sind ja wohl von den Maiswüsten und nicht durch eine (vermeintlich) zu zaghafte Bejagung verursacht. Beim Rehwild kann man lange diskutieren, aber ich habe gestern etwas gelesen, das schwer zu entkräften sein wird:

    “Bäume mit Leittriebverbiss sind kein Problem für den Klimaschutz, denn sie sterben keineswegs ab, sondern wachsen munter weiter, vielleicht nicht ganz so schnell und stärker verzweigt. Verbiss ist allein ein ÖKONOMISCHES Problem, aber keineswegs ein ÖKOLOGISCHES.”

    Tja…

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