Botswana erwägt Aufhebung des Jagdverbots für Elefanten

Nur vier Jahre nach dem Inkrafttreten erwägt die Regierung Botswanas die Wiederaufhebung des Jagdverbots für Elefanten. Grund sind die zunehmenden Konflikte durch die wachsende Elefantenpopulation.

Kurz nach seiner Amtsübernahme im April 2018 hat Präsident Mokgweetsi Masisi die Minister aufgefordert, das von seinem Vorgänger Ian Khama 2014 Jagdverbot für Elefanten zu überprüfen. Die auf 130.000 Tiere geschätzte Elefantenpopulation gilt als die größte der Welt. Monatelang wurde der Plan in öffentlichen Sitzungen und Konsulationen erörtert, berichtet die BBC, Organisationen, Gemeinden und Einzelpersonen wurden um Stellungnahme gebeten. In dem jetzt vorliegenden Abschlussbericht wird empfohlen, das Jagdverbot aufzuheben und die Elefantenpopulation in ihrem historischen Streifgebiet zu “managen”. Wanderrouten der Wildtiere, die den Naturschutzbemühungen des Landes nicht zuträglich sind (“not beneficial to the country’s conservation efforts”) sollen geschlossen werden, Jagdfarmen als Pufferzonen zwischen Gemeinde- und Wildnisgebieten dienen. “Regelmäßiges aber begrenztes Culling von Elefanten” – also die Keulung überzähliger Tiere – solle eingeführt werden. Der Ministerrat empfahl überdies, Verarbeitungskapazitäten für die Konservenherstellung aufzubauen, um das anfallende Elefantenfleisch zu Haustierfutter zu verarbeiten.

Weitere Beratungen sollen folgen, bevor die Maßnahmen in Form einer Gesetzesvorlage der Öffentlichkeit vorgelegt werden, kündigte Präsident Masisi an.

Seit dem Inkrafttreten des Jagdverbots ist die Elefantenpopulation angewachsen – aber auch die menschliche Bevölkerung Botswanas wächst rasant, was zunehmend zu Konflikten führt. Die Elefanten dehnen ihr Streifgebiet aus, was nicht nur an der wachsenden Population liegt. Auch der Klimawandel trägt zu der Entwicklung bei: Der Leiter der Behörde für Wildtiere und Nationalparks, Otisitwe Tiroyamodimo, erklärt gegenüber der BBC, dass mit den nachlassenden Regenfällen die Vegetation verkümmere, was die Elefanten zu weiten Wanderungen veranlasse, da sie weniger Nahrung und Wasser fänden.

Die jüngsten Wildtierzählungen scheinen indes zu zeigen, dass die Elefantenpopulation nicht so stark angewachsen ist, wie die Landbevölkerung vermutet. Der zunehmende Landbedarf der wachsenden Bevölkerung und der rapide voranschreitende Ausbau der Infrastruktur dürften ebenfalls dazu beitragen, die Elefanten aus ihren angestammten Gebieten zu vertreiben.

Die Bevölkerung, die mit und in der Nähe der Elefanten lebt, unterstützt die Aufhebung des Jagdverbots. Elefanten können massive Schäden auf den Anbauflächen der Bauern anrichten, regelmäßig fallen zur Bewachung der Felder abgestellte Menschen den Angriffen der Dickhäuter zum Opfer. In Folge des Jagdverbots haben viele Landbewohner, die zuvor in Diensten der Safariunternehmen standen, ihre Jobs verloren. Wenig erstaunlich, dass sie die Wiederaufnahme der Jagd befürworten.

Kritiker befürchten, dass die Elefantenjagd sich nachteilig auf den (Foto-)Tourismus in Botswana auswirken könnte, der nach dem Diamantenabbau die zweitgrößte Einnahmequelle des Landes darstellt. Die BBC gibt jedoch zu bedenken, dass die Jagd in Gebieten stattfindet, die für Fotosafaris weniger geeignet sind und Chancen gerade für weniger attraktive Gegenden bietet. Auch ist der ökologische Fußabdruck des Jagdtourismus weitaus geringer, weil die Touristenzahlen und die Ansprüche an touristische Infrastruktur weitaus geringer, die Einnahmen pro Person jedoch deutlich höher ausfallen.

Bis zu den Wahlen im Oktober hat Präsident Masisi Zeit, die Forderungen der ländlichen (Wahl)Bevölkerung und den von internationalen Tierschutzorganisationen ausgeübten Druck auszubalancieren. SE

Beitragsbild: Elefanten vor dem Kilimandscharo. Foto: M. Disdero, Quelle: Wikipedia. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic Lizenz.

4 Gedanken zu „Botswana erwägt Aufhebung des Jagdverbots für Elefanten

  1. Anja Semling

    Es gibt auch andere Lösungen die Elefanten von den Bauen fernzuhalten. In Kenya wird dies erfolgreich z.B. mit den “Bienen-Zäunen” gemacht. Und Botswana ist ein sehr großes Land mit wenigen Einwohnern. Die Bauern siedeln an den “falschen” Plätzen, nehmen den Elefanten ihre uralten Wanderrouten weg.
    Nun das Jagdverbot wieder aufheben und gar Culling einzuführen, ist meiner Meinung nicht der in Ordnung. Vor allem im Hinblick darauf dass das Elefantenfleisch zu Hundefutter verarbeitet werden soll. Absurd.
    Botswana geht somit leider den einfachen Weg. Warum nicht Elefanten umsiedeln, in elefantenarme Länder. Botswana hat genügend Geld dafür.

    In Anbetracht dessen, dass die afrikanischen Elefanten vom Aussterben bedroht sind, ist dies eine Schande, was Botswana vor hat; selbst wenn das Land die Tiere bisher jahrelang geschützt hat.

    Aktuell schätzen Wissenschaftler gemäß einer Zählung im Jahre 2016 die Elefantenanzahl in Afrika auf max. 450.000 Das sind sehr wenige, im Vergleich zu 1900 mit rund 10 Millionen.

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    1. Chris

      umsiedeln scheint ja nicht so recht zu funktionieren – da, wo es versucht wird (bspw. mit Wölfen, Bären…), kehren die Tieren dorthin zurück, wo man sie weghaben wollte. Ist zudem auch eine wenig nachhaltige Lösung, Tiere nach dem Motto “aus den Augen – aus dem Sinn” wegzuschaffen – wer sich dort, wo sie hingeschafft werden, an ihrem Wirken stört, kann sie ja weiter transferieren… Vom finanziellen Aufwand mal ganz abgesehen (woher haben Sie eigentlich die Einsicht, kategorisch festzustellen, wofür Botswana genug Geld hat?)
      Da sich die Elefanten (nicht nur dort) wieder vermehren und ausbreiten, ist die Behauptung, sie seien “vom Aussterben bedroht” wohl nicht ganz aktuell (und wird die Geschädigten dort wenig interessieren) und es sollte gegen eine nachhaltige Bejagung eigentlich wenig einzuwenden sein.
      Aber selbst wenn man jagdliche bzw. zoologische Aspekte außenvor lässt, was mich vor allem interessiert: Liebe Frau Semling, wie gut kennen Sie die Verähltnisse in Botswana tatsächlich, dass Sie annehmen, Ihre europäische Sichtweise könnte geeignet sein, diese auf Verhältnisse und Entscheidungen in Botswana zu übertragen? Das hat schon zu Kolonialzeiten nicht dauerhaft funktioniert? Und wieviel Zeit und körperlichen Einsatz haben Sie persönlich schon aufgewendet um den dortigen Bauern bei der Behebung von “Wildschäden” zu helfen?

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  2. Silvia Steinbrecher

    Es ist grundsätzlich keine Option. das Problem Mensch / Tier mit dem Abschuss der Tiere zu lösen. Kein Mensch hat das Recht, Tiere zu töten nur weil sie “stören”. Es ist die Aufgabe der Regierung eine Lösung zu suchen und zu finden, die ein Zusammenleben Mensch / Tier ermöglicht. Nicht zuletzt ist der Mensch in die Gebiete der Tiere “eingefallen” und hat sie besiedelt (das gilt weltweit). Tiere haben den selben Anspruch auf dieser Erde zu leben wie Menschen. Der Mensch ist nicht die Krönung der Schöpfung, auch wenn er das behauptet und hat keinen Anspruch darauf, sich da anzusiedeln, wo es ihm gerade gefällt. Alle Tiere können ohne Menschen überleben, umgekehrt geht das nicht.

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    1. Chris

      Vom Menschen als „Krone der Schöpfung“ kann auch gar keine Rede sein. Und ihn als Invasor darzustellen, der in die bis dato heile Tierwelt „eingefallen“ ist, ist ebenso unzutreffend. Selbstverständlich haben Tiere den selben Anspruch, auf der Erde zu leben, wie der Mensch, was von keinem naturverbundenen Menschen (wie Landwirten, Jägern etc.) in Abrede gestellt wird. Das gilt in beiden Richtungen und schließt den Anspruch des Menschen, sich anzusiedeln, ebenso mit ein wie den der Tiere. Und auch die Jagd (die der Mensch beileibe nicht erfunden hat) wird davon erfasst und abgedeckt.
      Die von einigen Verbänden offensiv und teilweise aggressiv propagierte Auffassung, den Menschen als Störfaktor zu betrachten, den man aus der aktiv gestaltenden Natur am besten heraussubtrahiert, indem man ihm höchstens eine Beobachterrolle zugesteht, ist daher nicht nur naiv sondern im Sinne des gelebten Naturschutzes vor allem auch kontraproduktiv.

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