BMEL: “Mehr Umweltschutz – aber nicht auf Kosten von Tierschutz und Biodiversität”

Das BMEL äußert sich zum Vorschlag der EU-Kommission, bleihaltige Schrotmunition in und über Feuchtgebieten zu verbieten

Ziel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist es, den Blei­eintrag in die Umwelt zu verhindern. Umweltauswirkungen von Blei sollen minimiert werden. Das derzeit aber zur Debatte stehende pauschale Verbot von bleihaltiger Schrotmuni­tion in und über Feuchtgebieten wirft aktuell gravierende Fragen, wie zum Beispiel eine Tierschutzproblematik, auf.

Tierschutz darf nicht zurückstehen

Studien der Deutschen Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sport­waffen (DEVA) weisen auf das Problem hin, dass durch die vorgeschlagene Alternative Stahlschrot nur eine verzögerte Tötungswirkung eintritt aufgrund des erheblich leichteren Materials. Leichtere Munition birgt das Risiko für das Tier, dass der Schuss nicht unmittelbar zum Tod des Tieres führt, aber stattdessen zu einem langen und schmerzhaften Tod. Das gilt vor allem mit Blick auf schwerere (größere Tiere) invasive Arten wie Kanadagans, Nilgans, Marderhund, Waschbär, die vorwiegend in Feuchtgebieten vorkommen und nach EU- und nationalem Recht an und für sich strikt zu bejagen sind. Für das BMEL ist essentiell, dass bei der Bejagung Tierschutz nicht hintenansteht.

Es kann nicht akzeptiert werden, wenn ein Tier länger leidet, weil die Tötungswirkung der Munition nicht unmittelbar zum Tod führt und stattdessen das Tier qualvoll verendet. Solchen Bedenken muss nachgegangen werden. Ziel muss es sein, den Ausstieg aus dem Material Blei mit dem Anliegen des Tierschutzes bei der Bejagung von Wild zu verbinden.

Biodiversität muss gewährleistet bleiben

Es bestehen außerdem Bedenken hinsichtlich der sehr weiten Definition „der Feuchtgebiete“ und der Pufferzone, die eine tierschutzkonforme Jagd auf größere Tierarten in Frage stellt. Während die bisher in Deutschland geltenden Regelungen sich auf ein Verbot von Bleischrot an „Gewässern“ beziehen, geht es bei dem Kommissionsvorschlag nun um eine viel größere Gebietskulisse, nämlich Feuchtgebiete, in denen unter anderem invasive Arten wie Kanadagans, Nilgans, Waschbär oder Marderhund vorkommen. Diese tierschutzkonform zu bejagen ist nach EU- wie nationalem Recht Pflicht, um die Biodiversität zu schützen. Es kann nicht sein, dass den Jägern hierbei durch den Kommissionvorschlag die Hände gebunden werden. Dann fehlt Munition, um die schwereren Tierarten, die invasiv sind und damit das Ökosystem negativ beeinflussen, tierschutzkonform zu bejagen. Zudem wirft die Definition des Feuchtgebiets durch die Kommission für Jäger wie für Behörden Fragen auf, weil selbst vorübergehende Wasseransammlungen nicht ausgeklammert sind.

Fazit

In der Frage, wie man den Bleieintrag in die Umwelt minimiert, müssen wir weiterhin einen wissensbasierten Ansatz verfolgen, der alle Belange berücksichtigt. Es geht darum, Raum für Innovationen im Bereich der Jagdmunition zu ermöglichen, die eine zuverlässige Tötungswirkung gewährleistet und gleichzeitig kein Blei an die Umwelt abgibt. Das ist mit dem derzeitigen Entwurf aus Sicht des BMEL noch nicht hinreichend sichergestellt.

Klar ist: Tierschutz darf nicht hinter dem Umweltschutz zurückstehen. Es geht um einen verantwortungsvollen Ausgleich. Berechtigte Hinweise zum Tierschutz dürfen nicht ignoriert werden. PM

Beitragsbild: Schrotmunition. Foto: SE

4 Gedanken zu „BMEL: “Mehr Umweltschutz – aber nicht auf Kosten von Tierschutz und Biodiversität”

    1. Frosch

      Äpfel mit Birnen.
      Es macht schon Sinn sich über den Eintrag von Schadstoffen in die Umwelt Gedanken zu machen.
      Allerdings sollte man abwägen zu welchem Preis. Das heutzutage gern bemühte Gießkannen-Prinzip “Alles oder Nichts” hilft uns hier nicht weiter. Einer Reduktion mit Augenmaß stehe ich offen gegenüber.

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    2. Bleijäger

      Der Unterschied zwischen Geschossblei und Blei(staub) im Benzin erschließt sich nicht Jedem. Es ist angesichts solcher Wissenslücken verheerend, dass Jeder seine unfundierte Meinung im www verbreiten kann, obwohl er elementarste Kenntnisse vermissen lässt.

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