Bleifreie Büchsenmunition: Fluchtstrecken vervielfacht

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger hat eine eigene Studie zur Tötungswirkung bleifreier Büchsenmunition durchgeführt. 602 Abschussberichte von 40 Berufsjägern flossen in die Studie ein. Nur 42,5 Prozent der Teilnehmer erfüllten vollständig den Projektauftrag: 22,5 Prozent lieferten keine Abschussberichte (etwa weil sie mit der zur Verfügung gestellten Munition keine zufrieden stellende Präzision aus ihrer Waffe erzielen konnten), 35 Prozent stiegen während des Projekts aus. Letzteres dürfte mit den verheerenden Ergebnissen der Studie in Zusammenhang stehen: Die Fluchtstrecken vergrößerten sich bei Einsatz bleifreier Munition deutlich – bei Rehwild verdoppelten, bei Schwarzwild verfünffachten sie sich! Die Ergebnisse hat der BDB in einer Präsentation zusammengefasst, die hier heruntergeladen werden kann.

In einem Positionspapier zur Verwendung bleifreier Munition im Jagdbetrieb unterstützt der BDB zwar grundsätzlich “den raschen Ausstieg aus bleihaltiger Munition”, fordert aber, dass Munition verwendet werden müsse, die auf Entfernungen bis zu 300 Meter bei verschiedenen Wildarten und unterschiedlichen Jagdarten möglichst ein schlagartiges Verenden des beschossenen Stückes garantiere.

Vor einem etwaigen Verbot bleihaltiger Munition müssten die möglichen Alternativen hinsichtlich ihrer Toxizität, Tötungswirkung und jagdpraktischen Eignung ausreichend geprüft worden sein, so dass die “reibungslose Umrüstung der Jagdausübenden gewährleistet” sei.

Im Sinne einer verantwortungsvollen Jagdausübung müsse zwingend sichergestellt sein, dass die verwendete Jagdmunition den Aspekten von Gesundheit, Umwelt, Sicherheit, Artenschutz und Tierschutz hinreichend Rechnung trage und erforderliche Veränderungen auf ausgereiften, wissensbasierten Konzepten beruhten, fordert der BDB.

Zu berücksichtigen ist, dass im Rahmen der Studie nicht alle verfügbaren bleifreien Laborierungen zu Testzwecken zur Verfügung standen. Der eine oder andere hoffnungsvolle Kandidat war nicht dabei. Welche Munition getestet wurde ist entweder der unten stehenden Grafik oder der zum Download bereit stehenden Excel-Tabelle zu entnehmen.

Testmunition

Bleifreie Testmunition, Quelle: BDB

 

2 Gedanken zu „Bleifreie Büchsenmunition: Fluchtstrecken vervielfacht

  1. Jochen Schumacher

    Für die Ergebnisse dieser Studie dürfte die Ziel-/Wundballistik von entscheidender Bedeutung sein. Damit hat man sich hier http://www.ballistik-workshop.de/ durch ausmessen ballistischer Seife sehr detailliert beschäftigt. Die Metriken für alle bisher vermessenen, bleifreien und bleihaltigen Geschosse finden sich ebenfalls auf der Webseite.
    Jagd und Natur TV hat eine informativen Film dazu gedreht http://www.jagdundnatur.tv/episode/Ballistik_Workshop . Im Jagdfunk habe ich mit Jens Tigges akustisch http://jagdfunk.de/jf008-buechsenmunition/ nachgelegt.

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  2. Manfred Schmitt

    Über das Pro und Contra bleifreier Munition wird meiner Meinung nach zum Teil sehr unsachlich diskutiert und berichtet.
    Besonders bei überzeugten Bleifreigegnern wird dabei manchmal recht polemisch und wenig objektiv argumentiert. Hier mangelt es erstaunlicher Weise oft an selbst gemachten Erfahrungen und auch an der fehlenden Bereitschaft neues unvoreingenommen und ausreichend zu testen.

    Ein sicher nich zu vernachlässigender Grund für die Ablehnung von bleifreier Munition ist auch deren relativ hoher Preis im Vergleich zu günstiger bleihaltiger, wobei bleihaltige Munition renomierter Marken preislich fast gleichauf liegt oder sogar vergleichbar viel kostet.

    Es sollte auch kritisch hinterfragt werden ob nicht vielleicht auch komerzielle Interessen mancher Lobiistengruppen dafür sorgen, dass gewisse Produktgruppen, die im eigenen Portfolio nicht vorhanden oder auf Grund von schlechten Absatzzahlen und mangelnder Funktion zu vernachlässigen sind durch gezielte “Informationen” schlechtgeredet und schlechtgeschrieben werden. Da werden hinter den Kulissen vermutlich so manche Fäden bis hin zu erschwerter Zulassung von Munitionslosen kleiner Hersteller, die man als unliebsame Konkurenten sieht, gezogen.

    Beim Bundesverband der Berufsjäger sollte man davon ausgehen können, dass das Ergebnis der durchgeführten Studie durchaus nicht zu vernachlässigen ist. Korrekter Weise wird in dem Bericht jedoch auch darauf hingewiesen, dass sicher nicht alle verfügbaren Munitionssorten und auch nicht die aller Anbieter getestet worden sind. Aus der Praxis weiß ich sehr genau, dass es Munitionssorten mit bleifreien Geschossen gibt, die in der Tat überhaupt nicht funktionieren oder nur sehr unbefriedigende Ergebnisse liefern. Wenn man bei den ersten Versuchen mit bleifrei an solche Laborierungen gerät hat es sich bald ausgetestet. Ich kann nur empfehlen sich mit unabhängigen und praxisgerechten Testberichtenaus der Fachpresse zu versorgen, dann ist schnell klar welche Munition besser in den Regalen der Händler liegen bleibt. Ein renomierter Name oder ein gutes Marketing alleine hat keine Auswirkung auf die praktische Physik hinsichtlich Ballistik, Präzision und Wirkung!

    An dieser Stelle möchte ich mich ganz klar als Jäger outen, der in den letzten beiden Jahren mit einer Büchse im Kaliber .270WSM über 50 Stück Schwarzwild bis 111kg Gewicht, Rotwild einschließlich eines Brunfthirsches, Rehwild und Raubzeug auf Distanzen bis ca. 300m ausschließlich mit bleifreier Munition eines Herstellers, der in der Studie nicht vorkommt, gestreckt hat. Präzision und Wirkung waren dabei in jedem Fall absolut befriedigend. Die Fluchtstecken waren dabei, wenn überhaupt, sehr überschaubar und keinesfalls länger als die des Wildes, welches von Waidgenossen unter Einsatz von Bleigeschossen gestreckt worden ist. Die durchschnittliche Wildbretentwertung war sicher geringer als mit Bleigeschossen. Im genannten Zeitraum kam es bei meiner Jagdausübung lediglich zu einer “echten” Nachsuche, welche durch einen unglücklichen Schuss meinerseits verursacht worden war.
    Einige meiner Mitjäger stellten im genannten Zeitraum auch auf “meine” Munitionssorte um und blieben bisher ausnahmslos dabei.
    Für mich steht es daher nicht zur Debatte den Einsatz von Bleigeschossen mit Ausnahme von Schießkino und Wettkampf in Erwägung zu ziehen.

    Ich würde mir wünschen, wenn an das Thema “bleifrei” mit weniger Emotionen und vor allem auch objektiver angegangen werden würde. Wenn jemand glaubt, dass er mit seinen Bleimantelgeschossen besser fährt, sollte man ihm die Freiheit lassen. Der kompromisslose Zwang zur bleifreien Munition, welcher in einigen Revieren bereits besteht, schürt verständlicher Weise Abneigung und Wutgefühle bei Anwendern, die vielleicht schon Jahrzehnte gute Erfahrungen mit ihrer bleihaltigen gemacht haben. Eine unvoreingenommene Einstellung gegenüner dem Neuen ist dann logischer Weise nicht mehr gegeben und das trägt sicher nicht zur Etablierung der bleifreien bei.
    Wie bei vielen anderen is tauch bei diesem Thema ist einfach mehr Toleranz gefragt.

    Waidmannsheil aus dem badischen Odenwald,
    Manfred Schmitt

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