Ab damit – die Blaser R8 Kastrat

Ein Erfahrungsbericht von Robert Saemann-Ischenko

Das Problem: Ich brauche endlich eine richtige Nachsuchenwaffe. Zu sehr nervt mich mein Repetierer, der die üblichen Riemenbügel und einen normal langen Lauf hat. Also weit über meine Schulter aufragt, ständig mit dem Pistolgriff in den Rücken dötzt sowieso immerzu & überall hängenbleibt.

Erster Gedanke: Da ich mit meinem unkaputtbaren Plastikgewehr, einer Blaser R8 Professional Success im Kaliber .308, sehr zufrieden bin und weiterhin nur ein Gewehr für alles einsetzen will, überlege ich, einfach den Blaser Nachsuchenlauf zu kaufen. Der ist mit 50 Zentimetern ja schön kurz und hat einen an der Mündung angebrachten Riemenbügel, außerdem diese schicker Fluchtvisierung. Ich müßte also nur noch seitlich am Hinterschaft der R8 einen Riemenbügel anbringen lassen, schon hätte ich meine Nachsuchenwaffe. Ein Anruf später weiß ich, dass der Lauf über 1400 Euro kostet. Also ungefähr 28 Euro pro Zentimeter. Hier gilt offenbar die alte Coupé-Regel: Je weniger (Auto bzw. Lauf), desto teurer. Okay, das wird nix. Selbst wenn ich den ollen Lauf für einen anständigen Preis verticken kann, ist der Aufpreis für den Umstieg wesentlich zu hoch.

Zweiter Gedanke: Ha, ich hab’s – ich lasse einfach selbigen Altlauf vom Fachmann kürzen und schon habe ich einen Nachsuchenlauf! Und ich muß nicht mal zum Ordnungsamt laufen, um den einen Lauf ein- und den anderen austragen zu lassen. Ein Besuch beim Büchsenmacher Kästel in Nürnberg macht schlau. Die erleichternde Auskunft: Geht alles, kostet überschaubar, dauert nicht mal lang.

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Die gerade gekappte Mündung der Kastrat mit dem versetzten Kornsattel. Fotos: Robert Saemann-Ischenko

Die Lösung: Der nette Herr Kästel hat den 56-cm-Lauf der R8 wie vereinbart auf 46 cm gekürzt, den Kornsattel versetzt und in ihn eine Aussparung für den vorn per Ring angeklebten Riemenbügel gefräst, zudem im Hinterschaft links einen weiteren Riemenbügel angebracht, so dass ich die Waffe nun mit einem Rucksackriemen so auf dem Rücken tragen kann, dass sie seitlich aufliegt.

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Hier ist schön der aufgeklebte Ring zu erkennen, mit dem der Riemenbügel vorn angebracht ist. Fotos: Robert Saemann-Ischenko

Und schließlich die Löcher der alten Riemenbügel mit Blindschrauben verschlossen. Alles genau wie ich es wollte. Mann, ist die Blaser jetzt handlich! Schon steht fest, wie ich das Gewehr künftig nennen werde: R8 Kastrat.

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Der (wegen des rechts herausstehenden Kammerstengels) auf der linken Seite des Hinterschafts angebrachte neue Riemenbügel. Der nicht beim Anschlag stört, wie etliche Versuchsreihen ergeben haben. Fotos: Robert Saemann-Ischenko

Daten, Fakten, Zahlen: Der Umbau hat insgesamt 214 Euro gekostet. Die R8 Kastrat ist nun alles in allem 94 cm lang (inklusive 2 cm starker Schaftkappe) und schießt immer noch geradeaus. Beim Besuch auf dem Schießstand ergibt sich auf 100 Meter ein Streukreis von 5 Zentimetern bei drei Schuß („Nosler Custom“-Fabrikmunition mit 165-gr-Accubond). Das reicht mir. Die Selfmade-Kurzwaffe schießt sicher noch besser, aber ich halt nicht. Dafür komme ich jetzt endlich durch den Busch, ohne mich aufzuhängen.

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Die Blindschraube, mit dem das Loch verschlossen ist, in dem vorher der Standard-Riemenbügel saß. Fotos: Robert Saemann-Ischenko

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Das verschlossene Riemenbügel-Loch am Abschluß des Vorderschafts. Bei Bedarf lassen sich die beiden alten Riemenbügel also locker reaktivieren. Fotos: Robert Saemann-Ischenko

Beitragsbild: Unten die im Text beschriebene Blaser R8 Kastrat nach dem Eingriff, oben zum Vergleich ein Blaser-Standardlauf mit 56 cm Länge. Copyright: Robert Saemann-Ischenko.

Text und Fotos: Robert Saemann-Ischenko

 

 

2 Gedanken zu „Ab damit – die Blaser R8 Kastrat

  1. MM

    Also für Leute die im Nachhinein feststellen, dass man einen R8 auch wunderbar als Nachsuchenwaffe einsetzen kann ist dies sicherlich eine mögliche Lösung, vorausgesetzt man findet jemanden der die Arbeit in der oben abgebildeten Qualität für 214,- € durchführt. Mit der Fabrikwaffe besitzt man halt eine uneingeschränkt taugliche Ansitzwaffe (bei meinem Prof. Nachs. beträgt der Streukreis 12 mm).
    Hinzu kommt das riesengroße Loch in dem oben abgebildeten Successschaft, was für den Fall, dass man sich gebeugt, gebückt, kriechend, rückwärts oder seitwärts fortbewegen muss als „Aufhänger“ für Äste dient.
    Mein Fazit: gute und preisgünstige Umbauarbeit, bei Neuanschaffung aber besser auf das Original zurückgreifen, als einen neuen R8 zersägen lassen
    WMH MM

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