Birkwild: Ornithologen üben scharfe Kritik an Sachsenforst

Der Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS) stellt sich gerne als ökologischen Muster- und Vorzeigebetrieb dar. Was von dergleichen Lippenbekenntnissen zu halten ist, offenbart nicht nur der Umgang mit dem Rotwild im Landesforst, sondern auch die an den Tag gelegte Gleichgültigkeit gegenüber dem Birkwild. In Deutschland steht das imposante Raufußhuhn auf der Roten Liste, Kategorie 1: Es ist vom Aussterben bedroht. Im Westerzgebirge ist der Bestand seit Ende der 90er Jahre von 200 auf nur noch 20 Tiere geschrumpft, wie die Freie Presse (FP) berichtet. Viele der Flächen, auf denen die letzten sächsischen Birkhähne leben, werden vom SBS bewirtschaftet: “Obwohl der Sachsenforst dazu verpflichtet ist, den Lebensraum der seltenen Vögel zu erhalten, geschieht das Gegenteil”, so die FP. Bei einer Anhörung im Umweltausschuss im sächsischen Landtag am 2.11. haben Ornithologen scharfe Kritik am Sachsenforst geübt und Sofortmaßnahmen gefordert.

Den Ornithologen reiche es, schreibt die FP, Bitten um Unterstützung bei Schutzmaßnahmen stießen bei SBS und Umweltministerium aber auf taube Ohren. Trotz gesetzlicher Verpflichtung zum Schutz der bedrohten Art, passiere “genau das Gegenteil:” So seien Windbruchflächen, auf denen sich tschechische Birkhühner angesiedelt hätten wiederaufgeforstet worden, obwohl den Verantwortlichen die Birkwild-Ansiedlung bekannt gewesen sei.

Wolfram Günther, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Landtag, wirft dem Sachsenforst vor, dass er offenbar nicht willens sei, sich mit den Ornithologen über notwendige Maßnahmen auszutauschen, was der dramatische Rückgang der Bruten dokumentiere. Bereits 2015 hätten sechs Verbände, darunter neben Naturschutzverbänden auch Jäger und Angler, ein Positionspapier zum Birkwildschutz verabschiedet, 2017 erstellten Ornithologen eine Artenhilfsprogramm und legten es dem Ministerium vor. Eine Reaktion darauf blieb der Freien Presse zufolge aus – so wie der Sachsenforst es demnach auch nicht für nötig hielt, eine Anfrage der Zeitung zu beantworten.

Auf seiner Internetsite stellt der Verein sächsischer Ornithologen (VSO) fest:

“Trotz des anhaltenden Abwärtstrendes der sächsischen Birkhuhnpopulation bleiben notwendige Schutzaktivitäten für die Art aus.

– Die wichtigsten Flächen für den Birkhuhnschutz befinden sich in Landeseigentum und werden vom StaatsbetriebSachsenforst (SBS) verwaltet.

– Das Naturschutzkonzept des SBS bezieht die Notwendigkeiten des Birkhuhnschutzes nicht im notwendigen Umfang ein.

– Ein durch ehrenamtliche Sachverständige erarbeitetes Konzept wurde vor über einem Jahr dem SMUL vorgelegt, seitdem sind seitens des zuständigen SMUL, des SBS und des LfULG keine Aktivitäten erfolgt.” SE

Beitragsbild: Birkhahn in der Lüneburger Heide. Copyright: Verein Naturschutzpark e.V. (Vnp), Quelle: Wikipedia, veröffentlicht unter der  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz.

Ein Gedanke zu „Birkwild: Ornithologen üben scharfe Kritik an Sachsenforst

  1. Ralf Schmidt

    Ähnliche Versäumnisse wir bei den letzten Haselhühnern in der Eifel. Artenschutz und der Erhalt biologischer Vielfalt müssen den Forstbetrieben auferlegt werden.

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