Berufsjäger “enttäuscht” über Vorverlegung der Jagdzeiten

Mit großem Befremden und fachlich basiertem Entsetzen hat der BDB Vorstand die Vorverlegung der Jagdzeiten für Wildwiederkäuer in einigen Bundesländern zur Kenntnis genommen.

Seit Jahren beteiligt sich der Bundesverband Deutscher Berufsjäger e.V. mit Erfahrungen aus der jagdlichen Praxis, in Verbindung mit wildbiologischen Erkenntnissen, an der politischen Diskussion um die effiziente, wildschadensreduzierende Bejagung und damit auch um geeignete sowie ethisch vertretbare Jagdzeiten der wiederkäuenden Schalenwildarten.
Es ist also kein gutes Zeugnis für den aktuellen Politikstil, die Corona-Krise dafür zu nutzen, kontroverse Themen ohne Rückkopplung zu den Fachverbänden durchzuboxen.

Der wissenschaftlich fundierte und oft publizierte Konsens zu Jagdzeiten für Wildwiederkäuer fordert, dem Mutterschutz höchste Priorität einzuräumen. Kontraproduktiv und somit abzulehnen ist die Vorverlegung der Jagdzeit für Wildwiederkäuer auf den 1. April, da sich das Wild im Stoffwechseltief des Winters befindet und noch auf „Winterbetrieb“ eingestellt ist.

Eine Jagdausübung zu diesem frühen Zeitpunkt führt zu einer höheren Stressbelastung und damit zu dem, was vordergründig vermieden werden soll, namentlich zu vermehrten Waldwildschäden, genauso wie eine Jagdausübung im Januar.

Der Vorsitzende des BDB, Wildmeister Bernd Bahr, unterstreicht nochmals die Forderungen seines Verbandes: „Erklärtes Ziel muss es sein, dass die Jagdzeit auf wiederkäuende Wildarten am 31. Dezember endet. Wer den Großteil seines Abschusses von August bis Weihnachten nicht erfüllt, der kann oder will es nicht.
Es mag in dem ein oder anderen Bundesland abweichende Einzelpositionen geben, die aber nicht die fachlich begründete Meinung des Bundesverbandes wiederspiegelt.“

Den Berufsjägern, die vermehrt in ihren Revieren auch für die Bewirtschaftung des Waldes verantwortlich sind, ist durch die tägliche Arbeit äußerst bewusst, dass die Kalamitätsschäden sehr hoch sind. Sie sind gerne bereit an sachlichen Lösungen mitzuarbeiten, die aber nicht nur die Interessen der Waldbauern berücksichtigen, sondern auch die Ansprüche der Wildtiere. Die großflächig aufgetretenen Kalamitäten durch den Schädlingsbefall im Nachgang der Trockenperioden der letzten Sommer erfordern auch aus Sicht des BDB eine effektive Lenkung und Anpassung der Schalenwildbestände.
Dafür gibt es jedoch wildbiologisch bessere Methoden als die Not des Wildes, nach den Wintermonaten frische Äsung zu finden, auszunutzen, um ohne Rücksicht auf jetzt hochtragende Muttertiere Strecke zu machen.
Nichts Anderes verbirgt sich hinter dem Argument, die „biologischen Aktivitätszyklen“ des Wildes im April, für eine leichte Erlegung zu nutzen.

Der BDB appelliert an die Regierungen der Länder, ihre jagd- und umweltpolitischen Ziele
nicht auf Kosten eines ethisch zivilisierten Umgangs mit den Wildtieren unseres Landes zu verfolgen. Darüber hinaus sollte auch in Krisenzeiten die gute Praxis gemeinsamer, gerne auch kontroverser Beratung vor der Verabschiedung von Verordnungen und Gesetzesänderung erhalten bleiben.

Der BDB ist jederzeit bereit, die Erfahrung und Kompetenz der „Facharbeiter der Jagd“ in Deutschland in politischen Beratungen einzubringen. PM BDB

Beitragsbild: Erlegte Rehe (Symbolbild). Foto: SE

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