Berufsjäger: Auch Wildtiere haben ein Recht auf Tierschutz

Schwarzwild-Sonderbejagung im ASP-Fall: “Grobe, nicht zu tolerierende Verletzung des Tierschutzes”

Die Landesregierung in NRW plant ein Sonderjagdrecht zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest bei einem entsprechenden Seuchenausbruch. Unter anderem soll die Aufhebung der Schonzeit für Bachen, auch wenn diese, noch kleine gestreifte Frischlinge säugen und der Abschuss mit Schrotmunition erlaubt werden.

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger e.V. (BDB) sieht in diesen Maßnahmen eine grobe, nicht zu tolerierende Verletzung des Tierschutzes. „Bei einem Seuchenausbruch in Hausschwein-beständen müssen gesetzlich vorgeschrieben, höchste Ansprüche an Personal und Methode zur Keulung der erkrankten Tierbestände angewendet werden. Dies muss doch selbstverständlich auch für die Seuchenbekämpfung bei Wildtieren als Mindeststandard gelten! Der Wald ist kein rechtsfreier Raum und Wildtiere empfinden ebenso Schmerz und Leid wie Haustiere. Natürlich müssen infizierte Tiere sehr schnell und möglichst effizient der Wildbahn entnommen werden, aber professionell und unter strikter Beachtung des Tierschutzes.“ führt Peter Markett, stellvertretender Vorsitzender des BDB aus.

Der BDB hat bereits Ende 2018 dem Umweltministerium in NRW ein umfassendes Verfahrens-konzept vorgelegt, welches durch gut ausgebildete Berufsjäger professionell umgesetzt werden könnte.

Der Verband macht immer wieder darauf aufmerksam, dass die beste Seuchenprophylaxe verringerte, angepasste Schwarzwildbestände sind, denn hohe Bestände im Seuchenfall zu reduzieren, erfordert einen immensen Aufwand und zieht erhebliche Kosten nach sich.
In Fachveranstaltungen und Publikationen wurden bereits umfassende Vorschläge gemacht, wie eine effiziente Schwarzwildreduktion im Vor-Seuchenfall jagdhandwerklich durchgeführt werden kann.

Dazu zählen insbesondere professionell geplante und durchgeführte revierübergreifende Gemeinschaftsjagden. Mit Hilfe dieser Jagdmethode kann in kurze Zeit eine hohe Zahl an Wildschweinen erlegt werden.

Weitere unterstützende Maßnahmen wären beispielsweise:

Stützung der schlechten Wildbretpreise zum Anreiz der Frischlingsbejagung

Kostenfreie Bereitstellung von Bejagungsschneisen in Feld und Wald

Förderung von jagdlichen Ansitzeinrichtungen für Gemeinschaftsjagden

Übernahme der Kosten für Hundeeinsatz, Versicherung und Hundesteuer

Unbürokratische Genehmigungsregelungen und Erlass der Gebühren zur Verkehrsregelung anlässlich von Gemeinschaftsjagden

Flächige, kostenfreie und ganzjährige Bereitstellung von Konfiskattonnen zur unschädlichen Beseitigung von Eingeweiden und Zerlegungsresten

Kostenlose Trichinenuntersuchung

Regionalisierung des Wildhandels zur Vermeidung der ASP – Einschleppung

Professionelle jagdpraktische Beratung der Jägerschaft

LJV NRW: Maßnahmen im Widerspruch zu Weidgerechtigkeit und Tierschutz

Der Landesjagdverband NRW (LJV) erklärt zu den ASP-Sonderjagdregeln:

“Die jagdlichen Maßnahmen in der ASP-Verordnung widersprechen den allgemein anerkannten Grundsätzen der Waidgerechtigkeit und des ethischen Tierschutzes eklatant. Einem waidgerechten Jäger fällt es deshalb schwer, sie zu akzeptieren und umzusetzen. Dennoch ist es Kernelement unseres gesetzlichen Hegeauftrages, für einen gesunden Wildbestand zu sorgen und Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft zu vermeiden. Im Falle eines ASP-Ausbruchs liegt es in der solidarischen Mitverantwortung der Jägerschaft gegenüber den in ihrer Existenz bedrohten Schweinehaltungsbetrieben, für eine effektive und zügige Tilgung der Seuche zu sorgen. Deshalb hat sich der LJV NRW bereits vor über einem Jahr dazu entschlossen, sich zusammen mit den Landwirtschaftsverbänden an der Gründung einer Wildseuchenvorsorgegesellschaft zu beteiligen, die inzwischen bestens darauf vorbereitet ist, im Seuchenfall wichtige logistische Aufgaben in den Restriktionsgebieten zu übernehmen.

Letztlich liegt die Bekämpfung der ASP aber auch in unserem ureigenen Jägerinteresse, denn nur so können wir das Schwarzwild als eines unserer wichtigsten heimischen Schalenwildarten vor einem verheerenden, epidemischen Seuchenbefall schützen. Die in der ASP-Verordnung vorgesehenen Maßnahmen sind hässlich, aber als wirksame und effiziente Bekämpfungsmittel im Seuchenfall leider notwendig und dann auch verhältnismäßig.”

Allerdings liegt es an uns selbst, den Jägerinnen und Jägern in Nordrhein-Westfalen, durch weiterhin ganz intensive, aber rechtskonforme und waidgerechte Jagd das Schwarzwild so stark zu reduzieren, dass auf diese Weise die Gefahr der natürlichen Einschleppung und Ausbreitung des ASP-Virus deutlich minimiert wird. Die Anwendung der ASP-Jagdverordnung wäre dann weitgehend überflüssig.” PM

Beitragsbild: Erlegte Frischlinge (Symbolbild). Foto: privat

7 Gedanken zu „Berufsjäger: Auch Wildtiere haben ein Recht auf Tierschutz

  1. Zündelnerlaubt

    Tierschutz wird dort betrieben wo er finaziellen Interessen und / oder dem Generieren von Wählerstimmen dient, ist mit dem Naturschutz ja ähnlich.
    Ansonsten ist die Haltung zur Natur weiterhin diese, sich der die Erde untertan zu machen.

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  2. kilalli

    LJV: “Die in der ASP-Verordnung vorgesehenen Maßnahmen sind hässlich, aber als wirksame und effiziente Bekämpfungsmittel im Seuchenfall leider notwendig….”

    Sehr geehrter LJV, bitte nochmal überprüfen, was nur hässlich, aber nicht effizient ist.

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  3. Jäger aus Walhall

    Man könnte auch zuerst einmal anfangen, das ASP belastete Fleisch nicht mehr in den Verkehr (in die Wurst) zu bringen. EU weit! Oder wie soll ich es sonst verstehen, dass sich Schwarzwild an der Weg geworfenen Wurstsemmel infizieren kann?
    Das würde schon einmal die Ausbreitung verlangsamen. Aber DAS geht schon einmal überhaupt nicht-das würde ja die Wirtschaft treffen. Da tragen wir das lieber auf dem Rücken der Wildtiere aus-genau wie bei Wald(um)bau.
    Irgendwie ist die EU auch immer nur dann zuständig, wenn es um Repressalien gegenüber den Bürgern geht. Sonst ist keiner Zuständig.

    Ein Land, in dem man gut und gerne KOTZT.

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  4. Zündelnerlaubt

    Wo sind jetzt eigentlich unsere Lobbyverbände? Hallo liebe xJVs schreit mal laut und macht mal Kampange! Wofür zahlen wir Beiträge?

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  5. Saujäger

    Zu Gesellschaftsjagden sag ich Mal nur soviel überholt und nicht mehr zeitgemäß. Guckt euch Mal an was das zerschossen wird von Unfällen ganz zu schweigen. Es gibt bessere Mittel Schalldämpfer und Nachtsichttechnik Wärmebildtechnik (Vorsatzgeräte) in meinen Augen sollte es legal in ganz Deutschland eingesetzt werden dürfen. Und Grenze zu nach Polen keine Einfuhr ohne Entseuchung keine Lebensmittelimporte aus solchen Ländern. Ach ich vergaß die EU Diktatur.

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  6. Axel Plümacher

    Wie sieht es eigentlich bei vorbeugenden Maßnahmen bei den Schweinezucht und -mastbetrieben aus? Die verdienen zur Zeit richtig Geld. Werden Desinfektionswannen für die LKW gebaut, die diese passieren müssen wenn sie die Betriebe anfahren. Werden Filter in Belüftung eingebaut, die Vireneintritt verhindern oder abtöten. Werden Fahrzeuge angeschafft die die gesunden Schweine von Betrieb zum weiterführenden Betrieb transportieren können ohne daß ASP Viren aufgenommen werden können? Der Weg zum Schlachthof ist da für die Tiere noch das geringste Problem. Warum gibt es immer noch keine Desinfektionswannen an der Grenzen zu ASP Ländern? Warum keine Kontrollen auf Fleischproduktemitnahme aus ASP Ländern. Zur Zeit ist alles machbar von der Schweinewirtschaft allgemein bezahlbar, und meinetwegen auch noch von der Regierung subventioniert. Tönnies alleine schlachtet in Everswinkel 20.000 Schweine am Tag. Die sind nun runde € 70 mehr wert als vor einem Jahr Das heißt die Wertschöpfungskette ist um € 350.000.000 höher als vor einem Jahr, nur bei Schweinen die in Everswinkel geschlachtet werden. Dazu kommen all die anderen Schweine. da kommen unvorstellbare Summen bei raus. Was geschieht mit dem Geld? Es wird in der Wertschöpfungskette aufgeteilt aber nicht zur Seuchenpreventation verwendet. Das Friedrich Löffler Institut hat in seinen Ställen Versuche unternommen, dabei wurden gesunde Schweine in Buchten neben Buchten gehalten, in denen tote ASP infizierte Schweine lagen. Alle gesunde Tiere sind gesund geblieben. das heißt im Umkehrschluß, da draußen können tausende von toten Wildscheinen liegen, selbst ohne die oben angesprochenen Maßnahmen würden die eingestallten Schweine gesund bleiben. Die geltenden EU Regeln für den Fall des ASP Ausbruches gehen also völlige an der Realität vorbei. Das wirtschaftliche Fiasko für die Schweinewirtschaft ist demnach inszeniert, die Zeche sollen vor allem wehrlose Wildschweinfrischlinge bezahlen, die elendig verrecken sollen. Ich denke jeder vernünftig denkende Jäger kann sich nicht der Erkenntnis verschließen, daß wir insgesamt zu hohe Sauenbestände haben und daß die Bestände durch wirkungsvolle tierschutzgerechte Maßnahmen abgesenkt werden müssen, mit oder ohne ASP, aber nicht dadurch, daß all das, was der Tierschutz jetzt berechtigterweise verbietet, nicht nur legalisiert, sondern sogar gefordert wird. Das kann nicht sein, zumal es die Seuche nicht verhindern wird.

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    1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      Interessant zu lesen, aber was ist jetzt daran wahr und was nicht? Was sagt dann unsere “Miss Ernte” dazu, die Strahlefrau der Weinbauern?

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