Berlin: Grünen-Politikerin will Stadtjagd abschaffen.

Die Berliner Politikerin Claudia Hämmerling möchte die Stadtjagd durch ein „modernes tierschutzgerechtes Verfahren“ ersetzen. Das berichtet der Berliner Tagesspiegel. Bislang sind 40 Stadtjäger in der Hauptstadt tätig. Sie kümmern sich ehrenamtlich um Problemwild, erlösen verletztes Unfallwild und entsorgen Fallwild. Wenn es nach dem Willen von Hämmerling geht, sollen künftig Polizisten diese Aufgabe übernehmen.

Begründung: Angeblich seien die Stadtjäger „nicht immer auf Anruf einsetzbar.“ Deshalb müsse ein angefahrenes Tier manchmal unnötig lange auf den erlösenden Gnadenschuss warten. Woher Hämmerling diese „Informationen“ hat, bleibt unklar. Aus der Kleinen Anfrage, die Hämmerling zu diesem Thema an das Abgeordnetenhaus richtete, geht nicht hervor, dass die Erreichbarkeit der Stadtjäger ein Problem darstellte.

Die Stadtjäger sind auch keine „ehrenamtlich tätigen Privatpersonen zur Gewährleistung der  öffentlichen Sicherheit in befriedetem Gebiet“, wie Hämmerling in ihrer Anfrage vom 27.02. unterstellt. „Zur Gefahrenabwehr in Gefahrensituationen wird grundsätzlich die Polizei gerufen, die ggf. eine/einen Stadtjägerin/Stadtjäger als Verwaltungshelferinnen oder Verwaltungshelfer hinzuzieht“, wie die Senatsverwaltung in der Antwort auf Frage 7 der Anfrage klarstellt. Auch dass der Stadtjäger „naturgemäß immer viel später“ als die Polizei am Unfallort eintrifft, wie Hämmerling in Frage 8 behauptet, dürfte nicht mehr als eine unbewiesene Behauptung der Grünen sein.

Es stellt sich indes die Frage, ob die Polizei überhaupt in der Lage ist, die Aufgaben der Stadtjäger zu erfüllen. Zwar ist es rechtlich grundsätzlich schon jetzt möglich, dass die Polizei verletzte Wildtiere erlöst. Auch die Munition der Dienstwaffen ist mittlerweile dafür geeignet. Aber soll die Polizei auch Nachsuchengespanne vorhalten, für die oft erforderlichen Nachsuchen auf angefahrenes und nicht am Unfallort verendetes Wild? Soll das notorisch klamme Land Berlin dafür die Kosten übernehmen? Schon Hespeler stellte in seinem Gutachten zur Stadtjagd in Hinblick auf die Stadtjäger fest: Es dürfte kaum eine „Gesellschaftsgruppe geben, bei der der Einzelne für das öffentliche Wohl vergleichbare finanzielle Leistungen erbringt.“ Würden Berufsjäger den Job übernehmen, so müsste Berlin nach Hespelers Schätzungen zwischen 700 000 und einer Million Euro allein für die Lohnkosten aufwenden. SE

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