Bericht des LJV Sachsen zum Rotwild im Erzgebirge

Mit der Situation des Rotwilds im Erzgebirge setzt sich der Bericht des Präsidiums des Landesjagdverbands Sachsen (LJVSN) auseinander. Die von der Interessengemeinschaft südsächsischer Hegegemeinschaften und der Hegegemeinschaft Erzgebirge gestartete Petition “Rotwild im Erzgebirge braucht Deine Hilfe” (JAWINA berichtete) hat derweil erst etwas über 1000 Unterschriften sammeln können. Im Präsidiumsbericht des LJVSN heißt es zum Thema:

4. Thema Rotwild

“Mit der Verabschiedung des neuen Jagdgesetzes hat ein damals übermächtiger Staatsbetrieb Sachsenforst den Erlass des Gesetzes nach seinem Gutdünken maßgeblich beeinflusst. Böse Zungen behaupten, dass es sich gar um ein Ermächtigungsgesetz handelt. Unser LJVSN muss sich hier zurechnen lassen, nicht genug getan zu haben um ein Gesetz zu schaffen, welches Wald und Wild gleichermaßen wichtet.

In diesem Jahr hat nun der SBSF harte Fakten geschaffen um mit fremden Know-How hohe Strecken erzielt! Nicht nur wir Jäger, nein auch große Teile der Bevölkerung, eingeschlossen die Naturschutzverbände, fragen nach einer Begründung für den massiven Eingriff. Es liegt nahe, dass die sozialen Strukturen des Wildes zerstört sind und der Schaden nur schwer zu reparieren ist. Der SBSF begründet den starken Abschuss mit erheblichen Verbiss-und Schälschäden.

Zweifellos sind diese vorhanden! Ob aber eine zu hohe Wilddichte oder der Konkurrenzdruck durch Erholungssuchende oder anderweitige Waldnutzung eine Rolle spielen ist nicht hinreichend geklärt. In den Gebieten mit den massiven Schäden kann man durchaus davon ausgehen, dass sogenannte sportliche Eventveranstaltungen und andere Störfaktoren dabei eine maßgebliche Rolle spielen. Zudem fehlt es Ruhezonen für das Wild!

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich nun dadurch für unseren Verband im Einzelnen:
– Es ist nicht zielführend dem SBSF die Alleinschuld für die massiven Eingriffe in den Wildbestand anzulasten, denn als Staatbetrieb ist er gegenüber dem Freistaat Sachsen weisungsgebunden.

– Wir alle sind nicht nur Jäger, sondern auch uns muss ein gesunder Wald ein wichtiges Anliegen sein. Wir stehen mit in der Verantwortung innerhalb unseres Verbandes praxisnahe Vorschläge für eine Koexistenz von „Wald und Wild“ zu erarbeiten und diese dann an den entscheidenden Stellen (Oberste Jagdbehörde) zu Umsetzung einzubringen, Kritik zu üben ist einfach – besser machen oft sehr schwer.

– Des Weiteren müssen wir uns durch hohe Argumentationsstärke und einen schlagkräftigen Verband das notwendige Gehör verschaffen, allerdings immer nach dem Prinzip „Höflich im Ton und hart in der Sache“, Schlammschlachten in der Öffentlichkeit schaden uns hierbei nur!

– Vom Gesetzgeber sind für die Bewirtschaftung des Rotwildes Hegegemeinschaften vorgeschrieben. Allerdings gilt es bei der Obersten Jagdbehörde dafür einzutreten, dass, wie z.B. in Thüringen, diese Hegegemeinschaften Körperschaften öffentlichen Rechts werden und alle zu
dem jeweiligen Territorium zählenden Jagdausübungsberechtigten einschließlichvSachsenforst dort verpflichtend Mitglied sein müssen.

– Wir sind überzeugt davon, dass wir in unseren und den Reihen der Hegegemeinschaften hervorragende Fachleute in Sachen Rotwildbewirtschaftung haben. Deren Kenntnisse und Fähigkeiten gilt es für uns alle nutzbar zu machen und wertvolle Energie nicht damit zu vergeuden, Kleinkriege auf Nebenschauplätzen zu führen die letztendlich erfolglos enden. Für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit werden wir mit einer für den Frühsommer geplanten Podiumsdiskussion, schwerpunktmäßig zum Thema Rotwild und Wolf werben, für die wir namhafte Vertreter aus Wissenschaft, Politik, befreundeten Verbänden, Staatsforst und natürlich unsere Mitglieder bereits jetzt einladen.”

Beitragsbild: Petition “Rotwild im Erzgebirge braucht Deine Hilfe” auf www.openpetition.de (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

5 Gedanken zu „Bericht des LJV Sachsen zum Rotwild im Erzgebirge

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wann werden die Betonköpfe der Wald-vor-Wild-Protagonisten endlich verstehen, dass durch Bewegungsjagden auf Rotwild im Januar genau die Schäden provoziert werden, deretwegen das Rotwild angeblich bejagt werden muss? Wann endlich kehrt auch die Forstpartie wieder zu einer einheitlichen ökologischen Betrachtung zurück? Die Fakten der Bundeswaldinventur sprechen eine ganz andere Sprache, als es uns die Rotwildhasser weismachen wollen. Die Rotwilddichten, die die Forstpartie anstrebt, sind tierschutzwidrig! Wann hat endlich ein Jagdverband den Arsch in der Hose, und geht gerichtlich gegen diesen Wahnsinn vor?
    In Brandenburg steht im Jagdgesetz in § 1: “Wild ist ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Es ist als unverzichtbarer Teil der natürlichen Umwelt in seinem Beziehungsgefüge zu bewahren. Der Schutz des jagdbaren Wildes und seiner Lebensräume ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.” In der Praxis der Forstpartie, und leider auch in manchen anderen Revieren, ist das aber lediglich Schall und Rauch. Abgeordnete in den Landtagen, wie lange wollt Ihr Euch dieses Treiben noch anschauen?

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  2. Joachim Orbach

    Wir müssen der breiten Bevölkerung deutlich machen, was Jäger sind und was Wildvernichter sind. Fakt ist doch: Die in der Forstwirtschaft erwirtschaften Gewinne sind doch auf eine Forstwirtschaft zurückzuführen, in der noch Wald und Wild sowie eine waidgerechte Jagd Bedeutung hatten. Oder hat in Brandenburg auch schon der Spruch “Jedes tote Reh ist ein gutes Reh” ( man könnte auch Hirsch schreiben ) einzug gehalten. Dem Kommentar von Herrn Pfannenstiel sollte daher bei der breiten Jägerschaft und in der Bevölkerung Zustimmung finden und die Abgeordneten in den Landtagen und den LJV zu entsprechenden Handlungen auffordern.

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  3. Carsten Geißler

    Die Antwort liegt auf der Hand Herr Pfannenstiel: Solange die Jägerschaft z.B.im sächsischen Landtag nur einen “Zunftgenossen” als Abgeordneten hat, dieser jedoch aktiver Lobbyist der Waldbesitzer ist ( was ja per se nicht schlecht ist, aber den Blickwinkel und die Leitlinie des Tuns dramatisch verengt) und somit unmittelbar an der Seite der Einpeitscher des Staatsbetriebes Sachsenforst steht, wird sich am Desinteresse in der Mehrheitsfraktion CDU leider nichts ändern. Erst ein denn MdL’s die Felle wegschwimmen, werden diese munter werden.

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  4. Carsten Geißler

    Die Antwort liegt auf der Hand Herr Pfannenstiel: Solange die Jägerschaft z.B.im sächsischen Landtag nur einen „Zunftgenossen“ als Abgeordneten hat, dieser jedoch aktiver Lobbyist der Waldbesitzer ist ( was ja per se nicht schlecht ist, aber den Blickwinkel und die Leitlinie des Tuns dramatisch verengt) und somit unmittelbar an der Seite der Einpeitscher des Staatsbetriebes Sachsenforst steht, wird sich am Desinteresse in der Mehrheitsfraktion CDU leider nichts ändern. Erst wenn den MdL’s die Felle wegschwimmen, werden diese munter werden.

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  5. Kurt Reichel

    In der Erklärung des Landesjagdverbandes Sachsen e.V. steht nicht Wald vor Wild. Es steht dort Wald und Wild. Dies ist gleichrangig zu sehen. Der Äußerung “Abgeordnete, wie lange wollt ihr euch dies noch ansehen” stimme ich zu. Hier sollten alle Seiten ansetzen und mit den Abgeordneten ins Gespräch gehen. Nur dort wo Gesetze beschlossen werden, können auch Änderungen erfolgen.

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