Bayern: Wildkatze stirbt Hitzetod in Kofferfalle – Jäger angezeigt

Am 31. Juli 2018 wurde im Landkreis Haßberge/Ortsteil Sulzbach in einer sogenannten „Kofferfalle“ eine tote Wildkatze entdeckt. Biologen, die sich in der Region um diese streng geschützte und seltene Tierart kümmern bemerkten, dass an einem der heißesten Tage dieses Sommers um die Mittagszeit die Falle zugeschnappt war. In dem niedrigen Gefängnis, dass mit einer schwarzen Teichfolie zugedeckt war, musste das Tier einem qualvollem Hitzetod erlegen sein. Die Schnauze der Katze war voller Erde, die aus Holz bestehenden Seitenwände der Falle wiesen deutliche Kratzspuren auf. Die Polizei ermittelte rasch den zuständigen Jäger, der vorgab, dass er die Falle im Morgengrauen zwar kontrolliert habe, der aber trotzdem die Falle „fängisch“ stehen ließ und damit in Kauf nahm, dass ein Tier im Laufe des Tages in der Fall gefangen wurde.

Die fängisch gestellte Kofferfalle. Quelle: Wildes Bayern/privat

Aus diesem Grund hat „Wildes Bayern e.V. zusammen mit einer örtlichen „Tierschutzinitiative Haßberge e.V.“ und dem „Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes“ Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bamberg gestellt wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen a) § 17 Tierschutzgesetz sowie b) §§ 38 Abs. 1 in Verbindung mit 22 Abs. 2 Satz 1 sowie § 22 Abs. 4 Bundesjagdgesetz.

Geschlossene Kofferfalle, mit schwarzer Folie abgedeckt. Quelle: Wildes Bayern/privat

Die Fallenjagd ist in Bayern streng reglementiert, erklärt der Verein Wildes Bayern in einer Pressemitteilung zu dem Fall: Wer eine sogenannte „Lebendfalle“, wie die verwendete Kofferfalle einsetzt, müsse sicherstellen, dass das gefangene Tier nicht zu Schaden kommt. Auf diese Weise könnte eine unfreiwillig gefangene Wildkatze wieder frei gelassen werden.

“Nach unserer Auffassung hat der Jäger direkt vorsätzlich gehandelt,” so Dr. Christine Miller vom Verein „Wildes Bayern“, die die Anzeige federführend einreichte. “Wer bei diesen Temperaturen eine Falle „fängisch“ stellt, und weiß, dass er in den nächsten Stunden die Falle nicht kontrollieren wird, nimmt in Kauf, dass sich ein Tier darin fängt und dann über Stunden in dem engen Gefängnis ausharren muss. Die Falle stand in prallem Sonnenlicht, ohne Schatten, das kann kein Tier überleben.” Und ergänzt: „Außerdem sorgen die Wildkätzinnen jetzt noch intensiv für ihre Jungen. Und das Töten von Muttertieren, die noch mit der Aufzucht beschäftigt sind, ist ebenfalls eine Straftat, die der Jäger bewusst in Kauf genommen hat.” PM

Beitragsbild: Tote Wildkatze in Kofferfalle. Quelle: Wildes Bayern e.V./privat

13 Gedanken zu „Bayern: Wildkatze stirbt Hitzetod in Kofferfalle – Jäger angezeigt

  1. Anton Maas

    Mit einem guten Fallenmelder wäre das sicherlich nicht passiert. Der Fallensteller wird damit sekundenscharf über die zugeschnappte Falle informiert und kann umgehend Nachschau halten. Ich kann nur jedem Fallensteller raten, alle seine Fallen mit so einem Fallenmelder zu bestücken. Dann hat er rund um die Uhr seine Fallen jederzeit unter Kontrolle. Nichts kann mehr anbrennen.
    Zudem wäre das auch in einer Wippbetonrohrfalle niemals passiert, weil es in diesen Fallen, auch bei diesen Temperaturen, immer sehr schön kühl ist (Beton). Dazu ist es natürlich notwendig, dass die drei Fangrohre komplett mit einem Sicht- und Wetterschutz umbaut ist.

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  2. Gabriela Bartels

    Ja, Herr Maas….zwischen Theorie und Praxis gibt es einen riesigen Unterschied. Und wo kein Klaeger, auch kein Richter. Wenn diese elendige Tierqulerei hier nicht durch Zufall von WIRKLICHEN Tier- und Naturschuetzern entdeckt worden waere, haette von Seiten dieses ganz “waidgerecht” agierenden Hobbyjaegers nur die allseits bekannten 3 “S” gegriffen: Schießen (in diesem Fall jaemmerlich krepieren lassen), Schaufeln, Schweigen. Und das hier ist kein Einzelfall. Die Dunkelziffer der Tierquaelereien durch Freizeitjaeger ist noch viel hoeher.

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    1. admin Beitragsautor

      Ihre haltlosen Anwürfe und Unterstellungen gegen die ach so schlimmen “Hobby”- und “Freizeit”-Jäger gehen fehl. Hinter dem Verein Wildes Bayern e.V. steckt die WIRKLICHE Tier- und Naturschützerin Dr. Christine Miller, die zugleich WIRKLICHE Biologin – und WIRKLICHE Jägerin ist. Es gibt, wie Sie sehen, keinen Grund und keinen Anlass, zwischen Jägern und Naturschützern einen Gegensatz zu konstruieren. Ob es wirklich sinnvoll und der Sache der Jagd dienlich ist, wenn Jäger andere Jäger wegen eines sicherlich unbeabsichtigten Fehlers anzeigen, müssen wir hier nicht diskutieren. Der toten Wildkatze hilft es definitiv nicht.
      Sie haben auch überhaupt keine Berechtigung, den sachlichen und wertvollen Hinweis von Hrn. Maas zu kritisieren, da Sie von der Sache sehr wahrscheinlich null Ahnung haben und Sie das Thema der – für den Artenschutz übrigens unentbehrlichen – Fallenjagd auch gar nicht interessiert. Ihnen geht es nur darum, auf unterstem Niveau gegen Jagd und Jäger zu hetzen. SE

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      1. Steffen Kahl

        Ich stimme Gabriela Bartels in jeder Hinsicht zu.
        […]
        Mir erschliesst sich auch der Sinn einer Kofferfalle nicht, die nicht unterscheidet was da gerade in die Falle tappt !!
        [… Kommentar gekürzt. Das ist hier kein Jagdgegner-Forum und wird auch keins werden, admin.]

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      2. Ursula Hugo

        Eine Falle aufzustellen und nicht zeitnah zu kontrollieren, als einen “unbeabsichtigter Fehler” zu bezeichnen, ist einfach dreist!!! Ein Tier, egal ob Wildkatze oder auch jedes andere darin jämmerlich verrecken zu lassen ist Tierquälerei, egal wie man sich das schönredet.

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        1. Gabi Humbert

          Genauso sehe ich das auch, Ursula Hugo.
          Außerdem hätte es genauso eine Hauskatze, einen Hund oder ein Kind treffen können!
          Solche Fallen gehören VERBOTEN!!! Wie auch die sogen. “Bärenfallen” – grrr

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  3. Stengele, Otto

    Leider gibt es immer noch Menschen, die glauben, daß wir die Natur, insbesondere die Tierwelt regulieren müssen!
    Die Natur braucht uns Menschen sicherlich nicht, aber umgekehrt!
    So manche Person hat auch ihre Religion oder ihren Glauben!
    Das Eine war schon immer verlogen und das andere deutet von Unwissen!

    Mehr möchte ich dazu nicht sagen!

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    1. jochen

      Nur blöd, daß es diese Gummibärchen Version von Natur, die euch urbanen Experten so, von eurem heimischen Balkon aus vorschwebt, praktisch nicht in Deutschland vorkommt. Das was wir hier in der BRD haben, ist eine menschen gemachte Kulturlandschaft, in der völlig andere Regeln herrschen, als in unberührter, praktisch menschenfreier Natur. Könnte man natürlich wissen, wenn man sich mal ein klein wenig damit beschäftigt. Aber das ist ja zu anstrengend. Wenn man also selbst nur schnell sein Unwissen ins Internet kotzt, sollte man sich vielleicht nicht ganz so weit aus dem Fenster lehnen? Nur so ein Gedanke.

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  4. Hans Hieber

    Ich finde so wie die Falle aufgebaut ist ,war es dem Jäger egal was mit der Tier passiert das sich hier verfängt ,Hauptsache es ist etwas drin ! Solche Individuen gehört ne anständige Strafe sowie Entzug der Waffen und der Jagderlaubnis !

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  5. Heinz-Josef

    Da bestätigt sich mal wieder unsere verdrehte Welt. Da haben Menschen über mehrfache Prüfungen fundiertes Wissen nachgewiesen und werden von den immer mehr werdenden Möchtegernexperten angegangen. Ein Anton Maas weiß wovon er spricht, und wer so reagiert wie Gabriela Bartels und andere zeigt wes Geistes Kind sie oder er ist.

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  6. TierehabenRechte

    Das Ermorden von Tieren und deren Quälerei gehört mit Freiheitsentzug bestraft. Die Jagd gehört somit verboten.

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    1. Gabi Humbert

      Vollkommen richtig!
      Es sollte sich jeder freuen, wenn sich Wölfe ansiedeln.
      Leider denken noch zu viele Unwissende, dass sie ja “so gefährlich” sind.
      Insbesondere Jäger wollen diese tollen Tiere auch noch abschießen. DAS ist zum ….

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