Bayern: Streit um Bejagung von Nilgänsen in Nürnberg

Am Samstag, dem 18. August wurden in den frühen Morgenstunden in einer Nürnberger Grünanlage, genauer gesagt an der Norikusbucht des Unteren Wöhrder Sees, zwei Kanadagänse und drei Graugänse geschossen. Am Sandstrand des Unteren Wöhrder Sees wurden eine Kanadagans und zwei Graugänse geschossen. Das teilt die Stadt Nürnberg mit. Die Bejagung begann um 6:15 Uhr und war um 6:45 Uhr beendet. Ziel der Bejagung ist eine Vergrämung der Wildgänse von den Freizeitflächen am Unteren Wöhrder See. Tierschützer kritisieren die Aktion vehement und werfen den Jägern vor, eine krankgeschossene Gans nicht nachgesucht zu haben. Im Internet ist ein Video zu sehen, das, kommentiert durch eine empörte Aktivistin, die sterbende Gans zeigen soll.

Nach Angaben der Stadt ist die Population der Grau- und Kanadagänse in Nürnberg in den letzten Jahren stark angewachsen. Das führe zu unterschiedlichen Problemen. Der Kontakt mit Gänsekot kann zu Infektionen führen und das Wasser wird durch den Eintrag des Kots stark verschmutzt. Die Nürnbergerinnen und Nürnberger können die Flächen nur eingeschränkt zur Erholung nutzen. Deshalb habe die „Gänse-Task Force”, bestehend aus Beschäftigten des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg, des Umweltamts und des Ordnungsamts der Stadt Nürnberg sowie des staatlichen Wasserwirtschaftsamtes, ein Maßnahmenbündel erarbeitet, die Wildgänse in verträglichere natürlichere Bereiche des Wöhrder Sees zu vergrämen. Zu den Maßnahmen gehören ein Fütterungsverbot, die Vergrämung auf hergerichtete Ablenkungsflächen am naturnahen Oberen Wöhrder See und die Bejagung der Gänse vor Ort. Die in Bayern geltende Jagdzeit für Wildgänse begann am 1. August und endet am 15. Januar.

Das Tierheim Nürnberg schreibt in einem auf der Internetseite des Tierheims veröffentlichten Offenen Brief an den Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel: “Es kann nicht sein, das mal wieder Tiere darunter leiden müssen und die Gänse zum Abschuss freigegeben werden, ohne dass man andere Möglichkeit ausprobiert hat. Das Problem ist wie so oft der Mensch – ein Fütterungsverbot und das Anbieten einer alternativen Futterstelle wird die Gänse vermutlich dazu bewegen, sich einen anderen Platz am Wöhrder See zu suchen. Anstatt sofort zu solch drastischen Maßnahmen wie dem Abschuss zu greifen, wurde noch nicht mal versucht, das Fütterungsverbot streng zu kontrollieren und den Tieren Alternativen anzubieten.”

Dazu ist anzumerken, dass in diversen Städten, in denen Nilgänse ähnliche Probleme bereiten, etliche sanfte Vergrämungsmethoden wie Drohnen, Greifvögel, Lichtsignale oder spezielle Zäune erfolglos ausprobiert wurden (JAWINA berichtete), während die letale Vergrämung sich stets als einzig effektive Maßnahme erwies.

Auf der Facebook-Seite des Tierheims Nürnberg heißt es zu der angeblich nicht nachgesuchten Gans: “Heute früh hat bei unserem Notdienst eine verzweifelte, weinende Frau angerufen…seit 06:00 Uhr morgens wurden die ersten Gänse am Wöhrder See eiskalt abgeknallt…vermutlich sogar mit Schrot ..eine Gans wurde nicht mal richtig getroffen und musste ÜBER EINE STUNDE elendig um ihr Leben kämpfen. Auf dem Wasser konnte sie nicht gefangen werden und ist dann vermutlich verblutet. Unser Notdienst konnte ihr leider auch nicht mehr helfen.Wir sind entsetzt, schockiert und fassungslos! Das Monster Mensch hat mal wieder zugeschlagen…und wie man auf dem Video der Dame deutlich sieht, kurze Zeit später war der Strand wieder voller Gänse.”

Ein weiterer Tierschutzverein hat nordbayern.de zufolge juristische Schritte gegen die beteiligten Jäger angekündigt, da die Abschüsse “nicht waidgerecht und damit nicht gesetzeskonform” abgelaufen seien. Nordbayern zitiert: “Durch Zurücklassen der verletzten Tiere wurde eklatant und vorsätzlich gegen bestehende Verordnungen verstoßen. Nach § 1.3 (BJG) sind bei der Ausübung der Jagd die allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit zu beachten. Das Gesetz formuliert hier eindeutig, dass krankgeschossenes Wild unverzüglich zu erlegen ist, um es vor vermeidbaren Schmerzen oder Leiden zu bewahren (§22a (1) BJG). Mindestens zwei Tieren wurden länger anhaltende, erhebliche Schmerzen und Leiden und mit dem Tode letztlich der größte anzunehmende Schaden zugefügt. Weiterhin war mit dem Zurücklassen offensichtlich, dass die getöteten Tiere, nicht zum menschlichen Genuss verwendet werden sollten. Tierkörper, Tierkörperteile und Erzeugnisse sind jedoch so zu beseitigen, dass Gewässer, Boden und Futtermittel durch Erreger übertragbarer Krankheiten oder toxische Stoffe nicht verunreinigt als auch die öffentliche Sicherheit und Ordnung sonst nicht gefährdet oder gestört werden.” SE

Beitragsbild: Nilgans. Autor: Frank Liebig, Quelle: Wikipedia. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany Lizenz.

 

 

Weitere Informationen zum Thema Wildgänse am Wöhrder See finden Sie auf der Website

https://www.nuernberg.de/internet/soer_nbg/gaense.html uab

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