Bayern: Rohrweihe mit gefährlichem Giftköder getötet

Schon wieder ist ein seltener Greifvogel in Bayern Opfer von Artenschutzkriminalität geworden. Östlich von Wallersdorf-Altenbuch im Landkreis Dingolfing-Landau wurde dem LBV eine tote Rohrweihe gemeldet. Die Weihe starb einen qualvollen Erstickungstod durch das hochtoxische Kontaktgift Carbofuran. Ein präpariertes Stück Rinderknochen wurde ebenfalls sichergestellt. Das Pestizid ist seit 2008 EU-weit verboten, da es nicht nur Insekten tötet, sondern auch Menschen gefährdet, das Grundwasser belastet und hochgiftig für Vögel und andere Tiere ist. „Nicht auszudenken, was passiert, wenn Haustiere die Köder aufstöbern oder Kinder neugierig die blauen Körnchen untersuchen und in den Mund nehmen“, so Christian Stierstorfer von der LBV-Bezirksgeschäftsstelle in Niederbayern. Der LBV hat auch deshalb Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Ob ein Zusammenhang zu einer einige Tage später in nur 45 Kilometer Entfernung verunglückten Rohrweihe besteht, ist derzeit noch ungeklärt, so der LBV. Auch eine mögliche Verbindung zu einem Vergiftungsfall in der gleichen Gegend von 2016 sei unklar.

Der vergiftete Greifvogel wurde schon Ende Juni östlich von Altenbuch von einem Landwirt auf dessen abgeernteten Wintergerstenfeld entdeckt. Dieser verständigte sofort einen LBV-Aktiven der Kreisgruppe Dingolfing. Zusammen stellten sie in direkter Umgebung zur Fundstelle auch ein Stück Knochen sicher, das auf der Unterseite mit blauem Granulat behaftet war. „Diese Spuren ließen auf eine Präparation mit dem hochtoxischen Gift Carbofuran schließen, was nun aktuell durch eine vorläufige Untersuchung des Landesamts für Umwelt bestätigt wurde“, so der Biologe.

Giftköder Rohrweihe. Autor: _H.-J. Fuenfstueck H.-J., www.5erls-naturfotos.de

Einige Tage später wurde dem LBV in nur 45 Kilometer Entfernung eine weitere tote Rohrweihe an einem Straßenrand bei Laberweinting im Landkreis Straubing-Bogen gemeldet. „Dem ersten Anschein nach ist dieser Greifvogel zwar einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen, ein Grund für derartige Kollisionen kann aber immer auch eine vorangegangene Vergiftung gewesen sein, durch welche die Vögel dann die Kontrolle verlieren“, weiß Stierstorfer. Im gleichen Gebiet wurde bereits vor zwei Jahren nördlich von Laberweinting bei Grasslfing ein vergifteter Greifvogel gefunden und vom LBV zur Anzeige gebracht.

Im Fall bei Altenbuch verständigte der LBV-Aktive anschließend auch den örtlichen Jagdpächter, damit dieser Hundehalter auf die Gefahr möglicher weitere Giftköder im Bereich der Fundstelle aufmerksam machen konnte. „Genauso wie es die Weihe erwischt hat, stellen ausgelegte Giftköder auch für Kinder und Hunde eine echte Gefahr dar“, warnt Stierstorfer. Das hochtoxische Kontaktgift ist seit 2008 EU-weit verboten. Sowohl der Vertrieb, als auch Verkauf und Besitz sind strafbar. Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt, ist auch in geringen Dosen hochtoxisch und führt zu Krämpfen. Mögliche weitere vergiftete Köder können von anderen Greifvögeln, wie etwa den stark gefährdeten Rot- und Schwarzmilanen oder auch anderen Wildtieren jederzeit aufgenommen werden. Jedes Jahr werden dem LBV Fälle vergifteter oder illegal getöteter Greifvögel aus Bayern gemeldet. „Wir gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist, als die Anzahl der Fälle, von denen wir tatsächlich erfahren“, erklärt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. 2017 wurden mehrere Greifvögel im Landkreis Cham vergiftet, 2015 fielen 2 Luchse, 2 Wiesenweihen und 2 Uhus der Artenschutzkriminalität in Bayern zum Opfer.

Damit nicht noch weitere Vergiftungsfälle auftreten, fordert der LBV, diesem Vorgehen so schnell wie möglich Einhalt zu gebieten. „Der Schutz der Öffentlichkeit ist hier für uns das zentrale Anliegen“, sagt Norbert Schäffer. Die Naturschützer rufen die Bevölkerung vor Ort dazu auf, den LBV und die Polizei umgehend zu informieren, falls noch weitere tote Greifvögel gefunden werden. Außerdem appelliert der LBV an alle Eltern, ihre Kinder nichts Verdächtiges anfassen zu lassen, und an alle Hundehalter, ihre Tiere an die Leine zu nehmen, damit sie mit eventuellen Giftködern nicht in Kontakt kommen.

Hintergrund:

Die Rohrweihe ist in Bayern gefährdet, im Ostbayerischen Grundgebirge und Alpenvorland/Alpen sogar vom Aussterben bedroht. Die Vorkommen sind zwar weit verteilt, doch ist der Bestand sehr klein. PM

Beitragsbild: Vergiftete Rohrweihe neben Köder. Quelle: Franz Wagner, LBV

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