Bayern: Proteste gegen Drückjagden der Staatsforsten

“Immer lauter und mehrstimmiger” werden einem Bericht des Alt-Neuöttinger Anzeigers zufolge die Proteste gegen Drückjagden auf Rehwild, die in Staatswäldern im oberbayerischen Landkreis Altötting betrieben werden. Am vergangenen Freitag haben sich ca. 30 Drückjagd-Gegner zu einer “Mahnwache” an einer Straße eingefunden. Auf Transparenten waren Parolen wie “Drückjagd ist Massenmord” zu lesen. Die Jagdgegner behaupten, dass bei den Drückjagden “Tiere gehetzt” und unsauber geschossen würden. Die örtliche Jägerschaft ließ sich dem Zeitungsbericht zufolge nicht die Gelegenheit entgehen, die Aussagekraft des Vegetationsgutachtens anzuzweifeln, auf dessen Grundlage die Abschusszahlen festgelegt werden. Zugleich wurde aber betont, dass gegen die Jagdmethode grundsätzlich nichts einzuwenden sei, wenn “sauber gearbeitet” werde.

Der stellvertretende Leiter des zuständigen Staatsforstbetriebs, Joachim Keßler, erklärte gegenüber dem Alt-Neuöttinger Anzeiger, dass bei den Drückjagden erfahrene Schützen zum Einsatz kämen und Nachsuchen auf beschossenes Wild noch am Tag der Jagd erfolgten. Drückjagden seien eine geeignete Methode, um den Jagddruck auf Wildtiere zu vermindern. [Ergänzung d. Red.: Weil bei Drückjagden ein großer Teil der Jahresstrecke auf wenigen Jagden erbracht wird.] Es entspreche nicht der Wahrheit, dass “Rehe von Hunden totgebissen” würden. Keßler beklagte, dass von den “sehr massiv und verbal aggressiv auftretenden” Drückjagdgegnern “Gerüchte und Unwahrheiten” verbreitet würden.

Die Vorfälle im Landkreis Altötting zeigen wieder einmal, dass die Jagd oder bestimmte Jagdmethoden von einer kritischen Öffentlichkeit zunehmend argwöhnisch beobachtet werden. Umso wichtiger ist es, tatsächlich sauber und nach den selbst gesetzten ethischen Maßstäben zu jagen, wenn effiziente Jagdarten nicht in Misskredit geraten sollen. SE

Beitragsbild: Schlagzeile des zitierten Beitrags im Alt-Neuöttinger Anzeiger.

 

3 Gedanken zu „Bayern: Proteste gegen Drückjagden der Staatsforsten

  1. Joachim Orbach

    Wenn Drückjagden sauber und waidgerecht durchgeführt werden dürfte es keine Einwände geben. Oftmals handelt es sich aber leider um Wildvernichtungsjagden, um möglichst viele böse Knospenfresser zu vernichten – da wird denn sogar mit Hundemeuten gejagt. In NRW werden diese Jagden als “Waldschutzjagd” bezeichnet. Da dieser Beriff aber wohl offensichtlich nicht gut bei der Bevölkerung ankam, nennt man sie auch bereits “Lehrjagden”. Diese Namensgebungen bei Staatsjagden -unter der Regie der Grünen- dürfte daher auch nicht verwunderlich sein. Hier möchte ich einmal aus der 9. Auflage “Das Rehwild” Ferdinand von Raesfeld, Alfred Hubertus Neuhaus u. Dr.Karl Schaich zitieren: Wir wurden aber auch -selbst bei sehr kritischer Betrachtung- in unserer Auffassung bestärkt, das die Forderung,” um unseren schönen Wald zu retten, 9 von 10 Rehen abzuschießen”, bösartiger Unsinn ist und schlecht in die bewegten Klagen über die Ausrottung von Wildarten in der Vergangenheit paßt!

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Gegen eine gut organisierte und mit versierten Schützen durchgeführte Drückjagd auf Rehwild ist nichts einzuwenden. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass der überlebende Teil der Population nach Geschlecht und Altersklassen möglichst naturnah aufgebaut bleibt. Der Skandal an der Geschichte ist der Zeitpunkt der Drückjagd. Ab Wintersonnenwende, also kurz vor Weihnachten, beginnt auch beim Rehwild ein anatomischer “Rückbau” von Organen (Pansen z. B. um 40% verkleinert) und eine Umstellung des Stoffwechsels und des Verhaltens. Alles wird auf Energiesparmodus umgestellt. Auch die Aktivität sinkt notgedrungen. Man scheucht das Wild zu dieser Zeit vollkommen unabhängig von der Witterung nicht mehr durch die Gegend. Der dadurch provozierte Mehrbedarf an Äsung führt zu höherem Verbiss. Und die dadurch angekurbelten Verbissprozente, die über den Wildbestand aber auch gar nichts aussagen, sind in Bayern ja heilige Kühe und ziehen noch höhere Abschussdiktate nach sich. Mit Jagdethik und Tierschutz hat das nichts zu tun. Wer wie der Wolf jagen will, sollte das auch offen sagen und begründen. Mit der Begründung könnte man aber in der jagdkritischen Öffentlichkeit sicher keine Pluspunkte sammeln. Der Wolf jagt übrigens nur ein Reh, eine Drückjagd stellt aber ein ganzes Revier auf den Kopf, was im Januar nicht mehr vertretbar ist.

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