Bayern: Landtagsabgeordneter scheitert mit Vorstoss für Brauchbarkeits-Verordnung

Der bayerische SPD-Landtagsabgeordnete Herbert Woerlein ist im Landtag mit seinem Vorhaben gescheitert, einen “Erlass einer landesgesetzlichen Regelung zur Feststellung der Brauchbarkeit von Jagdhunden” zu erwirken. Anlass dieses Vorstosses war einem Bericht der Main-Post zufolge der Besuch Woerleins bei einem Jägerstammtisch im Landkreis Augsburg. Die anwesenden Jäger taten offenbar, was mancher Weidmann bekanntlich (leider) gern und oft tut: Sich über andere Jäger und deren Hunde echauffieren: Es seien immer wieder Hunde auf Jagden unterwegs, die zur Jagd gar nicht taugten, selbst Möpse seien schon in Revieren gesichtet worden, klagten die Jäger. Wie gut und günstig muss es um die Jagd in Bayern stehen, wenn sich bajuwarische Weidmänner beim Besuch eines Landespolitikers über nichts anderes beklagen können, als über ihre Mitjäger! Der für Tierschutz stark engagierte Woerlein brachte sein Anliegen im Agrarausschuss des bayerischen Landtages zur Sprache, wo er der Main-Post zufolge feststellte, dass Bayern das einzige Land sei, in dem “nicht geprüfte Hunde auf Tiere losgelassen” werden dürften. (Was nicht stimmt, Berlin hat auch keine Brauchbarkeits-Verordnung).

Im Landtag holte sich Woerlein jedoch eine Abfuhr: Das Gesetz sei “überflüssig wie ein Kropf”, urteilte ein CSU-Politiker, eine Fraktionskollegin bezweifelte, dass ein mit Möpsen jagender Jäger hohes Ansehen bei seinen Kollegen genießen würde. Die Freien Wähler wollten keine neue Bürokratie schaffen und vermuteten der Main-Post zufolge, dass “Praktiker ohnehin nur Hunde zur Jagd mitnähmen, die brauchbar seien.” Woerlein betonte, dass die “Zweifel an der Selbstkontrolle der Jäger” ausgerechnet und immerhin aus den Reihen der Jägerschaft selbst an ihn herangetragen worden seien – doch vergeblich. Eine “breite Allianz der Vernunft” (so ein weiterer CSU-Politiker) lehnte den Antrag ab. SE

Beitragsbild: Bayerische Jagdhunde auf der Fahrt ins Revier. Copyright: SE

4 Gedanken zu „Bayern: Landtagsabgeordneter scheitert mit Vorstoss für Brauchbarkeits-Verordnung

  1. Frucht, Christoph

    Das ist sehr bedauerlich, denn die im JGHV zusammengefassten Hundezucht- u. -prüfungsvereine dokumentieren seit 120 Jahren im DGStB ihre Herknft. Nur bei diesen Hunden, bzw. dort, ist ein “Herkunftszertifikat” gegebven, wie es heute für jedes Klopapier sein muß. Für Hunde, das wichtigste Werkzeug des Jägers nicht ?? Wir haben für Waffe, Munitioon, Optik, für alles auf der Jagd Herkunftszertifizierung ! Herkünfte für Saat- u. Pflanzgut natürlich auch in Land- u. Fortwirtschaft. Ist bei Hunden egal ??? Das wäre aber fatal und zeigt, wie wenig Ahnung manche Leute von Jagd und Hund wirklich haben.
    Ho Rüd Ho
    Christoph Frucht

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  2. Frucht, Christoph

    Das ist sehr bedauerlich, denn die im JGHV (= Jagdgebrauchshundverband e.V.) zusammengeschlossenen Zucht- u. Prüfungsvereine sind dem VDH und der FCI angeschlossen u. dokumentieren im DGStB (= Deutsches Gebrauchshundestammbuch) ihre Herkunft, Anlasgen und Leistungen, die auf öffentlichen uind von Spezialrichtern beurteilten Prüfungen bewertet wurden. Nur diese Hunde haben damit also ein Zertifikat für ihre rassereine Herkunft, ihre Anlagen und Leistungen. Ein Herkunftszertifikat braucht man heute für alles (z.B. Klopapier aus Holz nach zertifizierter (z.B. PEFC od. FSC) Herkunft. Waffen, Munition, Optik, Bekleidung, alles muß für die Jagd zertifiziert sein. Auch die Saat- u. Pflanzgutherkunf in Land- u. Forstwirtschaft. Bei Jagdhunden egal ?? Das zeigt aber wiedermal, wie ahnungslos manche Leute in ihrer Meinung zu Jagd und Hund sind.
    Ho Rüd Ho
    Christoph Frucht

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  3. Andreas Hoffmann

    Ich persönlich finde die Forderung vom Herrn Woerlein nicht schlimm – im Gegenteil es wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

    Nach dem Regensburger Urteil gibt es doch unterschiedliche Ansichten.

    Herr Woerlein versucht aus meiner Sicht einen einheitlichen Standard zu schaffen. Diesen müssen dann alle Hunde erfüllen ob mit oder ohne JGHV Papiere.
    Wie ist denn der Status Quo? Hunde o.P. können nach der Prüfungsordnung des BJV nicht an deiner Brauchbarkeitsprüfung teilnehmen.
    Das bedeutet aber auch das möglicherweise ein Hund der Wild- und Schussscheu ist von seinem „HF“ (in Berufung auf das Regensburger Urteil) als für ihn Brauchbar eingestuft wird. Was im realen Jagdbetrieb dramatische Folgen haben kann.

    Mit einer gesetzlich verankerten Prüfungsordnung und der gesetzlichen Verpflichtung nur geprüfte Hund zur Jagd zu verwenden sähe die Sache vollkommen anders aus.

    Dann müsste jeder HF eine Brauchbarkeit nach dem Jagdgesetz oder eben eine rassespezifische gleichwertige Prüfung des Hundes nachweisen.
    In einer veränderten Brauchbarkeitsordnung (ähnlich Thüringen oder Brandenburg) kann man die Anforderungen für die Jagdhunde entsprechend ihrer Verwendung erhöhen (z.B. 600m Schweißfährte für die Brauchbarkeit für reine Schalenwildreviere).

    Waidmannsheil

    Andreas Hoffmann

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