Bayern: Jäger und Tierschützer protestieren gegen Gatterabschüsse

In Bayern sind Rinder an Tuberkulose (TBC) erkrankt. Allein im Landkreis Oberallgäu sind 354 Tiere befallen und mussten getötet werden. Die betroffenen 146 Höfe wurden bis auf weiteres gesperrt. Rotwild gilt als möglicher Erreger, da Rinder und Rotwild auf den Almen in Kontakt kommen können. Deshalb soll nicht nur auf Jagden erlegtes Wild auf den Erreger getestet, sondern zusätzlich 350 “diagnostische Abschüsse” in Wintergattern getätigt werden. Dagegen protestieren Jäger und Tierschützer in Bayern.

Volker Hartwig,der Leiter des Arbeitskreises Hoch- und Niederwild bei der Wolfsteiner Jägerschaft, erklärte gegenüber der Passauer Neuen Presse (PNP): “Das ist keine Jagd, das ist ein Abschlachten.”

Um dem Erreger auf die Spur zu kommen, sollen in diesem Jahr rund 1.600 Stück Rotwild, die in den betroffenen Bereichen auf der Jagd erlegt werden, hinsichtlich des Befalls mit TBC Erregern untersucht werden, wie der Bayerische Jagdverband (BJV) berichtet. Der BJV erklärte, er erkenne die Brisanz dieses Monitorings und habe daher sofort zugesichert, diese Beprobung zu unterstützen, wie es in einer aktuellen Pressemeldung heißt. Aufrufe an die Jägerschaft sich zu beteiligen, gingen bereits an die zuständigen Kreisvorsitzenden heraus. Zurückliegende Untersuchungsergebnisse aus den letzten Jahren erbrachten noch keinen einzigen hinreichenden Beweis, dass Rotwild für die Übertragung bzw. Verbreitung in Frage kommt.

Trotzdem sollen nun in den Wintergattern zusätzlich sogenannte „Diagnostische Abschüsse“ getätigt werden, insgesamt rund 350 Stück. Ziel sei, herauszufinden, ob es in dem Gatter kranke Tiere und symptomlose Träger des Erregers gibt. Der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, Prof. Dr. Jürgen Vocke, stellt klar, dass ein derartiges Vorgehen nur akzeptabel sei, wenn eine konkrete seuchenrechtliche Notwendigkeit besteht und wenn bei der unausweichlichen Tötung einzelner Tiere im Gatter alle tierschutzrechtlichen Aspekte berücksichtigt werden.

Der geplante Abschuss von derart vielen Tieren in einem engen Wintergatter, in dem die Tiere über Monate auf engstem Raum zusammen leben müssen, berge die Gefahr, dass Panik ausbreche und die Tiere sich verletzten und sei deshalb abzulehnen. Ein weiterer wichtiger Aspekt gegen ein derartiges Vorgehen ist, dass die im Gatter befindlichen Hirschkühe hochträchtig sind. Zu dieser Zeit brauchen die Tiere Ruhe und keinen unnötigen Stress. PM BJV

Foto: SE

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