Bayern: Hirsch über Abschussplan geschossen – Jäger wegen Wilderei verurteilt

Ein erfahrener Jäger ist vom Amtsgericht Bad Kissingen zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à 45 Euro (2700 Euro) verurteilt worden, weil er als Gastjäger einen Hirsch geschossen hat, obwohl Abschussplan bereits erfüllt war und die Revierinhaberin der Jägern mitgeteilt hatte, dass keine Hirsche mehr geschossen werden dürfen. Der 76-jährige ist Jagdscheininhaber seit 1962 und seit drei Jahren Gastjäger in einem Revier bei Zeitlofs (Landkreis Bad Kissingen). Vor Gericht habe der Jäger “fast zwei Stunden erbittert, aber aussichtslos um seine Ehre als langjähriger Waidmann” gekämpft, berichtet inFranken.de. Er sei sich keiner Schuld bewusst, insistierte der Jäger. Er bestreite zwar nicht, dass die Revierinhaberin bereits im September ihren Begehungsscheininhabern mitgeteilt habe, dass der Abschussplan erfüllt und somit keine Hirsche mehr geschossen werden dürften, aber er habe dies nicht gehört.

Die Revierinhaberin hat den Abschuss bei der Unteren Jagdbehörde (UJB) angezeigt. Dem Bericht von InFranken.de zufolge soll die UJB der Revierinhaberin daraufhin mitgeteilt haben, dass sie verpflichtet sei, auch polizeilich Anzeige gegen den Jäger zu erstatten. Eine Verpflichtung zur Anzeige besteht für Privatpersonen beim Delikt Jagdwilderei jedoch nicht, insofern bleibt die Darstellung hier zweifelhaft. Auch der Pressesprecher des Amtsgerichts konnte auf Nachfrage von JAWINA dazu keine Auskunft erteilen, da ihm nur das schriftliche Urteil vorlag, nicht jedoch die mündliche Zeugenaussage vor Gericht.

Vor Gericht bedauerte die Revierinhaberin jedenfalls, dass sie gezwungen gewesen sei, juristische Schritte einzuleiten und lobte die gute jagdliche Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Weidmann. Mehrere Zeugen bestätigten indes vor Gericht, dass die Erfüllung des Abschussplans allen Jägern mitgeteilt worden sei. Der Jäger akzeptierte daraufhin den Strafbefehl, nachdem sein Anwalt eine Herabsetzung der Höhe der Tagessätze um fünf auf 45 Euro erreicht hatte.

Bei einer Verurteilung zu 60 Tagessätzen oder mehr wegen einer “Straftat nach dem Waffengesetz, dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen, dem Sprengstoffgesetz oder dem Bundesjagdgesetz” gilt die waffenrechtliche Zuverlässigkeit gem. § 5 WaffG als verwirkt. Der Abschuss des Hirschs dürfte den Jäger also auch WBK und Jagdschein kosten. SE

Beitragsbild: Erlegter Hirsch (Archivbild). Foto: SE

2 Gedanken zu „Bayern: Hirsch über Abschussplan geschossen – Jäger wegen Wilderei verurteilt

  1. Anko

    Wow, entweder ist Wilderei neuerdings *kein* Vorsatzdelikt mehr oder das Gericht hatte schlagende Gründe, von Vorsatz auszugehen, somit Fahrlässigkeit als vollkommen fernliegend auszuschließen.

    Zitat dazu aus dem verlinkten Artikel: <>

    Mit der Einspruchsrücknahme ist das nicht mehr anfechtbar.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.