Bayern: Herdenschutzhunde reissen Wildschwein

Bei Sachsenheim (Landkreis Main-Spessart) haben Herdenschutzhunde eines Schäfers am Sonntag ein Wildschwein gerissen. Die Lokalzeitung Main-Post schildert den Vorfall reißerisch als “Szene aus einem Horrorfilm”, “fünf riesige Hunde, die ein blutendes Wildschwein umringen”, die weißen Schnauzen der Hunde rot vor Blut…

Der Schäfer, der seine Pyrenäenberghunde offenbar nicht beaufsichtigte, weil er mit den lammenden Schafen auf seinem Hof “alle Hände voll zu tun” hatte, erhebt Vorwürfe gegen die Jagdgesellschaft, die zum fraglichen Zeitpunkt in einem nahen Waldgebiet eine Drückjagd veranstaltet hatte. Gegenüber der Zeitung beklagte der Berufsschäfer, über die Jagd nicht informiert worden zu sein. So habe er keine Chance gehabt, das Geschehene zu verhindern.

Der Schäfer behauptet, das Wildschwein habe den Zaun um die Schafskoppel an zwei Stellen niedergerissen. Seine Hunde indes würden “niemals über den Zaun springen, um Menschen oder andere Hunde anzugreifen”. Nachdem der Zaun aber angeblich durch die flüchtige Sau durchbrochen worden sei, hätten seine Hunde jedoch “ihre Aufgabe erfüllt und das Wild vertrieben.”

Allerdings gab es bei dem selben Schäfer bereits einen Beißvorfall mit Herdenschutzhunden einer anderen Rasse, von denen einer im Frühjahr 2016 über den Koppelzaun gesprungen war und eine Joggerin gebissen hatte…

Dass Herdenschutzhunde – insbesondere ohne Behirtung – keinesfalls unproblematisch sind, ist denen, die wirkliche Erfahrungen im Umgang damit vorweisen vorweisen können, schon lange klar. Die Herdenschutzhunde dezimieren nicht nur jede Menge Wildtiere vom Hasen bis zum Bodenbrüter, sondern sorgen insbesondere in touristisch genutzten Gegenden immer wieder für Konflikte mit Wanderern oder Mountainbikern. SE

Beitragsbild: Herdenschutzhunde. Foto: SE

14 Gedanken zu „Bayern: Herdenschutzhunde reissen Wildschwein

  1. Zündelnerlaubt

    Ein süßer Handtaschenfiffi reicht nicht um auf Schafe aufzupassen.
    Niemand, weder Wölfe, Sauen noch Touristen haben etwas in der unmittelbaren Nähe fremder Herden zu suchen, der Schäfer rennt ja den Leuten auch nicht durchs Büro, ohne zu fragen.

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    1. Günther Halmer

      @zündelnerlaubt ich wohne auch in diesem Dorf und ich muss sage, dass es schon einige Zwischenfälle mit diesen Hunden gab.
      Dabei sind die Hunde über den Weidezaun gelangt und haben Spaziergänger, welche sich nicht im Bereich der Zäunung befanden attackiert.
      Also es ist für Unbeteiligte leicht reden…

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  2. mikka

    Dabei vermisse ich immer wieder die Nachricht: Wolf von Herdenschutzhunden verletzt oder getötet, oder anders herum…
    Warum sind keine Zwischenfälle dieser Art bekannt !? Es gibt jedoch Schafsrisse mit Anwesenheit von Herdenschutzhunden, bei denen die Hund keinerlei Spuren von Attacken aufweisen. “Die Hunde haben gebellt” heißt es dann.
    Wie wirksam sind diese Hunde? Gibt es Rassespezifika? Wird dem Bürger hier ein wirksamer Schutz vorgegaukelt?…

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    1. D. Seiler

      Mikka – die eine Frage kann ich beantworten. Sollten unsere mal einen zerlegen, dann darf das niemand erfahren! Zu sehr müsste ich befürchten, dass sie womöglich von Wolfsfanatikern vergiftet werden.
      Und: aus Italien gibt es Anfragen an die türkische Regierung, man möge doch Kangals exportieren lassen. Auch Frankreich setzt inzwischen vermehrt auf Kangals anstelle der Pyrenäenberghunde bzw zusätzlich.
      Was ich vermute – wie gesagt, das ist eine rein private Vermutung: die Pyries wurden in Deutschland jahrelang auch als wachsame Familienhunde gehalten und daher ganz anders selektiert. Das braucht niemand, dass ihn der eigene Herdi von den Füßen reißt, um einen frechen Gassihund zu “korrigieren”. Da mag einiges an Canidenschärfe verlorengegangen sein.
      Ich war kürzlich mit einem unserer Kangals bei einer Veranstaltung, da ist mir das passiert. Der Hund und ich sind gleich schwer, beide 60 kg, aber er hat sozusagen Allrad. Er wurde von einem angeleinten Stänkerer angemacht und da lag ich… Der Veranstalter griff ihn sich, sonst wäre vielleicht Blut geflossen, denn der andere wollte tatsächlich die Bekanntschaft noch vertiefen. Das ist alles nicht so einfach.

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      1. mikka

        Danke! “Canidenschärfe”….wieder was gelernt.
        Wären den auch die Kangals förderfähig?
        Für mich sind Herdenschutzhunde, rein intuitiv und wohl auch augenscheinlich, die einzig sinnvolle und wohl auch historisch rückblickend funktionierende Wolfsabwehr… wenn es denn funktioniert. Das hier wieder unangemessen geforderte Thema der Wolfsreduktion, löst ja bekanntlich nicht die Probleme der Räuber-Beutebeziehung zwischen Wolf und Nutztier. Wir Jäger sollten auch nicht den ersten Stein werfen.

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      2. Ines

        Hätten wir keine Wölfe würde es auch keine HSH geben und somit keine Probleme. Wer das Eine will muss das Andere mögen.

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  3. Ronbi

    Es gibt Berichte auf You Tube (wo sonst), von von Wölfen gefressenen Kangals.
    Es gibt keinen Schutz gegen Wölfe, der von Dauer ist.
    Wolf ins Jagdgesetz.
    Herabsetzung des Schutzstatus.

    Auch ein 20Kilo Hund, kann einen umreißen, nämlich dann, wenn man darauf nicht gefasst ist, dass Fiffi plötzlich losrennt.

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  4. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Für sog. Kampfhunde wie für solche, die Menschen gefährlich werden, sollte grundsätzlich analog wie bei Schusswaffen, eine “Waffenbesitzkarte” beantragt werden müssen.
    Es ist eine Schande, dass in unserem Land Kampfhunderassen Kinder zerfleischen oder Menschen töten ohne dass der Halter sich vorher für den Kampfhund legitimieren muß. Im Schadensfalle muss das Waffengesetz greifen, die Unzuverlässigkeit geprüft und ggf. ausgesprochen werden, wie bei legalen Waffenbesitzern auch. Es wird Zeit, dass die Kommunen von ihrem föderalen Recht Gebrauch machen, denn bei uns geht´s bei den Haustieren zu wie in einem Kuscheltollhaus.

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    1. Robin

      Was ist ein Kampfhund?
      Solche, die für Hundekämpfe gezüchtet wurden, wurden auf Aggressivität gegenüber Hunden selektiert.
      Gegenüber Menschen sind sie freundlich.
      Sind Rotweiler, Dobermänner, Malinois Kampfhunde (wohl eher Schutzhunde)?
      Herdenschutzhunde, welche keine Herde oder ein Dorf zu schützen haben, sind unterfordert und suchen sich andere “Aufgaben”.
      Solche Hunde sind nicht geeignet als Haus – und Begleithunde etc. .
      Jeder Hund kann dem Menschen gefährlich werden.
      Die Reihenfolge, wer zuerst angegriffen wird, ist, wie übrigens auch beim Wolf, Kinder, Alte Menschen, Frauen, Männer.
      Leider gibt es keine zusammenfassende Beißstatistik.
      Aber ich erinnere, dass Deutscher Schäferhund und Deutsch Drahthaar besonders oft zubeißen.

      Und gegen Wölfe, hilft nur der Vergrämungsabschuss.
      Die anderen Wölfe des Gebiets bekommen schon mit, was Sache ist.
      Ist allerdings ein unauffälliger/es Wolf/Rudel resident, ist es besser diese zu tolerieren (selbst, wenn eine Möglichkeit zum Abschuss gegeben wäre). Denn, wird das Revier frei und ziehen auffällige Wölfe nach, ist nichts gewonnen.

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  5. Iris

    Es gibt Beißstatistiken. Ganz oben stehen Dackel und Schäferhund. Ich selbst habe einen Herdenschutzhund. Gut sozialisiert und freundlich gegenüber Menschen und Hunden. Ich würde mich freuen wenn Menschen für ihre Hunde mehr haften würden. Dann würden jene, die ihre Schäferhunde, Straßenhunde, aggressiven Klein-Wadenbeißer usw. nicht in den Griff bekommen, endlich auch zur Rechenschaft gezogen. Bei uns im Dorf hat erst vor wenigen Wochen so ein kleiner Aggressor ein Kind beim Vorbeilaufen im Kinderwagen verletzt. Darüber schreibt niemand. Auch nicht dass viele Besitzer von kleinen Hunden das aggressive Verhalten derer tolerieren, was besonders für Kinder und Ältere gefährlich ist. Würde sich meiner so aufführen wäre gleich Theater…

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