Bayern: BJV lehnt Saufänge ab – Bauernverband “irritiert”

+++ Bauern in Schleswig-Holstein fordern Desinfektionsstationen an der Grenze und Saufänge gegen ASP +++

Zurück ins Mittelalter? Der Bauernverband fordert statt effektiver Schwarzwildjagd brutale Ausrottung und den Einsatz von Medikamenten, beklagt der Bayerische Jagdverband (BJV) in einer Pressemitteilung: “Die Zeiten brutaler Jagdmethoden à la Mittelalter sind zum Glück schon lange vorbei“, betont Prof. Dr. Jürgen Vocke, der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes. Sie wären heute in unserer Gesellschaft  auch zu Recht nicht mehr möglich. „Um so mehr wundert es mich“, so Vocke „dass der Bauernverband immer wieder die brutalste Form der Ausrottung, den so genannten Saufang, zur Reduzierung der Schwarzwildbestände fordert.“

Saufänge seien, so der BJV, “eine Art Lebendfalle, in die die Wildschweine ahnungslos hinein laufen, aber nicht mehr herauskommen. Dort eingepfercht, geraten sie in Panik und schreien um Ihr Leben. In dieser Falle werden die Wildschweine dann getötet, eines nach dem anderen, vor den Augen der anderen Tiere.”

Für Andreas Tyroller, Fachberater beim Bayerischen Bauernverband,  sei das – Zitat: die effektivste und tierschonendste Bejagung – Zitat Ende.  Jagdpräsident Vocke hält solche Forderungen für einen gefährlichen Zynismus, auch und gerade zum Schaden der Bauern. Stehen sie und ihre Tierhaltung doch seit langem in der öffentlichen Kritik. Große Teile der Gesellschaft  halten sie für Tierquälerei. Der Bauernverband empfiehlt deshalb, die Fallen fernab von Rad- und Fusswegen aufzustellen, damit niemand mitkriegt, wie hier mit Wildtieren umgegangen wird.

„Hier stehen eindeutig die Veterinärbehörden in der Verantwortung“, verlangt BJV-Präsident Vocke. „Mit Jagd hat das auf jeden Fall nichts mehr zu tun“.  Rückendeckung bekommt er dafür auch von den Bayerischen Staatsforsten. Robert Bocksberger, Leiter des Forstbetriebes Landsberg, hält einen Saufang für reine Schädlingsbekämpfung. „Das ist ein brutaler Eingriff. Wir können nicht anfangen, ganze Rotten niederzustrecken.“

Ein klares Nein sagt Vocke auch zur Forderung des Bauernverbandes nach einer „Pille“ für die Sau. Den Einsatz von Medikamenten lehnt der Bayerische Jagdverband vehement ab. „Wer das fordert, übersieht die Folgen. Haben wir nicht schon genug Hormonbelastung in unserer Umwelt? Das Fleisch dieser Wildschweine wäre dann auch belastet und nicht mehr verzehrfähig. Das heißt, das Wildbret von zehntausenden von Wildschweinen – die bayerischen Jäger erlegen 60.000 bis 80.000 Wildschweine im Jahr – müsste alles weggeworfen werden. Das ist aus meiner Sicht nicht zu verantworten. Nur Jagen, um etwas wegzuwerfen, da machen die Bayerischen Jäger nicht mit.“

Irritiert äußerte sich der Bayerische Bauernverband (BBV) über die Kritik des BJV an den Saufängen. In einer Mitteilung des BBV kritisieren die Bauernfunktionäre, dass der BJV “ein realitätsfernes Bild von Saufängen” verbreite. Der BJV nehme billigend in Kauf, dass die gesamte Fallenjagd in der Öffentlichkeit in Frage gestellt wird. Dem Jagdverband werde es nicht gelingen, den Bürgern den Unterschied zwischen einer Lebendfalle für Füchse und Wildschweine zu erklären. Dies sei, “ein gefährliches Spiel”, so der BBV. SE

Beitragsbild: Erlegtes Wildschwein (Archivbild). Foto: SE

 

6 Gedanken zu „Bayern: BJV lehnt Saufänge ab – Bauernverband “irritiert”

  1. Grimbart

    Den Unterschied zwischen einer Lebendfangfalle in der ein Individuum gefangen ist oder einem kleinen Gatter mit einer ganzen Rotte als Fang, ist doch offensichtlich. Das kann ich sehr wohl gut erklären. Was soll diese Drohung? Wenn ihr die Sauenfänge nicht macht unterstützen wir PETA?

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Der Fang von Sauen, insbesondere von Frischlingen, ist durchaus eine brauchbare Methode, wenn es um die Reduzierung von Schwarzwildbeständen geht. Fang ist allerdings nicht gleich Fang! Die unterschiedlichen Fallentypen sind von Ch. Stubbe, M. Ahrens, M. Stubbe und J. Goretzki in ihrem leider vergriffenen Buch “Lebendfang von Wildtieren” detailliert beschrieben worden (DLV Berlin, 1995). Die Autoren distanzieren sich darin jedoch ausdrücklich von Fallen, in denen die gefangenen Sauen direkt geschossen werden. Zitat: “Auch beim Sauenfang zur Reduzierung zu hoher Schwarzwilddichten dürfen diese nicht im Fang erlegt werden. Bei einer größeren Rotte würde dies zu einem fürchterlichen Blutbad führen. . . . Für Mensch und Tier sind solche Aktionen unzumutbar.”
    Die auch unter Jägern verbreitete generelle Ablehnung des Sauenfangs rührt vermutlich von Schilderungen solcher Blutbäder her. Werden Sauen einzeln aus dem Fang in Kisten abgefangen und weit ab vom Fang geschossen, dann sieht die Sache schon anders aus. Ebenfalls erfolgreich können Großfänge sein, in die von Kanzeln hineingeschossen werden kann. Es steht aber fest, dass man zum tierschutzkonformen Sauenfang ein eingeübtes Fangteam braucht. So mal eben auf die Schnelle in jedem Revier ohne entsprechende Sachkenntnis Sauen zu fangen, wird nicht funktionieren.
    Hormonelle oder immunologische Methoden der Geburtenkontrolle bei Sauen sind indiskutabel. Die Folgen wären fatal für die Jagd .
    Über eines muss man sich allerdings im Klaren sein. Dass jetzt im Vorfeld der herannahenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei manchen Leuten abenteuerliche und höchst fragwürdige Jagdmethoden diskutiert und von Jagdbehörden angeordnet bzw. genehmigt werden, hat mit dem Schwarzwild wenig zu tun. Es geht eigentlich dabei um Hausschweine, die in manchen Gegenden zu Zigtausenden eingepfercht ihrem Schlachttermin entgegenleiden. Ein ASP-Ausbruch dort wäre eine Katastrophe. Schön wäre es dann aber auch, wenn Landwirte untereinander ein wenig Solidarität übten, wenn also den Jägern bessere Jagdmöglichkeiten, beispielsweise auf großen Mais- oder Rapsschlägen eingeräumt würden, damit Sauenbestände reduziert werden können.
    Die Übertragung der ASP von Wildschwein zu Wildschwein läuft übrigens recht langsam. Wichtigster Vektor dürfte der Mensch sein, der infektiöses Material (Fleisch, Rohwurst etc.) über weite Strecken verbringt. Der jüngste Ausbruch in der Tschechischen Republik ist 400 km vom nächsten Infektionsherd entfernt. So weit läuft eine Sau nie, zumal wenn sie mit ASP infiziert ist und innerhalb weniger Tage verendet!
    Also bitte genauer hinschauen und Sauenfänge nicht pauschal ablehnen.

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  3. Ralf K.

    Es ergibt sich eine Notwendigkeit für Lebendfangfallen- auch für Schwarzwild.
    Darüber hinaus muss man aber auch über den Abschuss führender Bachen nachdenken. Wenn man auf einer Drückjagd insgesamt acht Frischlinge erlegt und allein die Leitbache 8 Föten inne hat, dann sind diese acht Frischlinge im Frühling locker ersetzt.
    Der Abschuss von führenden Bachen war mir bislang auch zuwider. Wenn man aber die Schweinepestproblematik betrachtet, dann geht es wohl nicht anders. Sofern die Frischlinge ihre Streifen verloren haben, sollen sie auf die Führung der Leitbache nicht mehr angewiesen sein. Ich hoffe, es kommen auch wieder andere Zeiten. Gott vergebe mir!

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  4. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Man kann zwar über den Abschuss führender Bachen nachdenken, man muss es aber nicht tun! Zur Begriffsklärung: Als Bache wird allgemein ein weibliches Wildschwein ab Alter zwei Jahre verstanden. Jüngere Stücke sind entweder Frischlings- oder Überläuferbachen. Die Leitbache ist das Stück, das eine Rotte anführt.
    Die soziale Bedeutung der Leitbache für die Rotte verbietet deren Abschuss, auch wenn noch so viele Protagonisten des Leitbachenabschusses noch so viele mehr oder weniger haltbare Argumente dafür bringen.
    Solange die Frischlinge bei der Bache sind, ist eine Bache führend. Es kommt nicht darauf an, ob die Frischlinge noch Streifen haben oder nicht und es ist auch unerheblich, ob die Frösche noch die Muttermilch brauchen. Wann immer eine Bache mit ihren Frischlingen alleine kommt, also nicht in einer größeren Rotte, muss die Bache tabu sein! Aus einer größeren Rotte kann eine Bache erlegt werden, wenn alle Frischlinge der Rotte keine Streifen mehr haben. Erfahrungsgemäß führt die Rotte solche Frischlinge nach Verlust der eigenen Mutter weiter. Aber selbst in einem solchen Fall stellt sich die Frage nach dem Sinn solcher Bachenabschüsse, zeigen doch viele Untersuchungen, dass Frischlinge und Überläufer die Masse des Nachwuchses produzieren. Das tun sie deshalb, weil sie heutzutage im Zeichen des Fraßüberangebots früher als in der Vergangenheit geschlechtsreif werden. Mit jeder erlegten Frischlingsbache verhindert man deren gesamte Lebensreproduktionsleistung. Da nur jeder zweite Frischling statistisch weiblich ist, müssen eben so viele Frischlinge wie möglich gestreckt werden. Es ist also allemal zielführender, einen Frischling oder Überläufer zu erlegen als eine Bache. Eine ältere Bache hat schon einen Teil ihrer Lebensreproduktionsleistung erbracht. Mit ihrer Erlegung lässt sich nur noch der Rest ihrer Reproduktionsleistung verhindern.
    Der Wolf zeigt uns (Hochwildhegegemeinschaft Baruther Urstromtal) gerade beim Damwild, wie die Absenkung der Bestände effektiv gelingt. Die allermeisten Kälber reißt der Wolf. Es wächst von unten kaum noch was nach oben durch. Als Folge ist der Bestand in wenigen Jahren dramatisch abgesunken. Lehre daraus: Frischlinge bejagen, als wolle man sie ausrotten (Zitat Norbert Happ).

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  5. Ronbi

    Wie sieht es eigentlich, in bereits von ASP betroffenen Ländern, aus.
    Kein einziges Hausschwein und keine Wildsau mehr am Leben?

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  6. Willi Halbgewachs

    Der Herr Vocke hat ein schlechtes Erinnerungsvermögen.
    Der Rotwildbeauftragte des BJV hat auf einem bayerischen Schwarzwild Symposium den Sauenfang ausdrücklich empfohlen und seine Mitarbeiter einen Sauenfang entwerfen lassen. Alles nur um Nachtzielgeräte zuverhindern, da diese auch missbräuchlich bei der Rotwildjagd benutzt werden könnten. Soviel zum Thema Moral.

     https://www.wildtierportal.bayern.de/mam/cms12/jagd/dateien/krinner_nzg_folgen_und_konsequnezen_zusa.pdf

     https://wildundhund.de/wp-content/uploads/sites/2/old_docs/024_029_sauenfang_1215_1.pdf

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