Bautzen: Landrat beantragt Wolfsabschuss

Ministerium muss noch Einvernehmen erklären

Der Landrat der sächsischen Kreisstatdt Bautzen, Michael Harig, hat am Freitag den Abschuss von problematischen Wölfen des Rosenthaler Rudels beantragt. Der entsprechende Antrag sei am 8. September an das Sächsische Umweltministerium gesendet worden, teilt das Landratsamt mit. Der Antrag enthält demnach neben dem naturschutzrechtlichen Einvernehmen der Unteren Naturschutzbehörde auch die Genehmigung zum Abschuss durch die Untere Jagdbehörde. Bevor der Wolf tatsächlich entnommen werden kann, muss das Ministerium jedoch sein Einvernehmen erklären.

Der eingereichte Antrag beschreibt die konkrete Gefahr für ausreichend gesicherte Nutztierbestände im Bereich des Rudels. In dem Antrag werden die Übergriffe des Rudels seit dem Jahr 2013 dokumentiert. Bei den rund 60 Übergriffen wurden 181 Nutztiere getötet oder verletzt. Enthalten sind auch die zuletzt registrierten Übergriffe in Schönau und Cunnewitz, bei denen unter anderem ein fünffacher Litzenzaun mit Flatterband überwunden wurde.

Landrat Harig: „Mir liegt der Artenschutz – auch der des Wolfes – nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus persönlicher Sicht am Herzen. Gleichwohl muss darauf verwiesen werden, dass eine ungehinderte Ausbreitung der Spezies Wolf zu Konflikten führt, welche nicht unerheblich sind.

Vor diesem Hintergrund plädiere ich für einen Interessenausgleich im Sinne eines nachhaltigen Artenschutzes und im Interesse der Nutztierhalter im ländlichen Raum. Dieser schließt die im Naturschutzgesetz vorgesehenen Ausnahmen von Zugriffsverboten – wie der von mir aktuell auf den Weg gebrachte Antrag auf Entnahme – grundsätzlich mit ein. Die in Erwägung gezogenen Maßnahmen sind damit kein Akt staatlicher Willkür, sondern stellen ein Handeln nach Recht und Gesetz dar.“ PM

Beitragsbild: Mitteilung über den beantragten Wolfsabschuss auf der Internetseite des Landkreises Bautzen. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

3 Gedanken zu „Bautzen: Landrat beantragt Wolfsabschuss

  1. Ralf K.

    So kann man Verwaltungen auch an Arbeit binden. Soll in Zukunft bei proportional mit den Wolfbeständen steigenden Problemwolfanzahlen bei jedem Problemwolf eine solche Erklärung verfasst werden?
    Na gut. Man könnte argumentieren, dass man nach dem ersten Antrag ein Muster für die Folgenden hat. Aber ist dieser Aufwand wirklich im Sinne des Erfinders oder doch eher ein Politikum im Sinne der Naturschutzverbände und der Grünen?
    Ins Jagdrecht mit dem Wolf- von mir aus auch ohne Jagdzeit- dann können die Ordnungsbehörden auf solche Fälle flexibler und schneller, praktikabler und unbürokratischer reagieren.

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  2. Anko

    Da Wölfe zwar prinzipiell vorsichtig, aber eben auch lernfähig sind, werden früher oder später auch alle anderen real harmlosen Abschreckungsmaßnahmen an Wirkung verlieren. Die Festlegung genereller No-Go-Zonen dürfte unvermeidlich sein, wenn man im Konfilkt Wolf/ Kulturlandschaft nicht weiter nur Symtpome bekämpfen will.

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  3. Keule

    Naja, Wahlen stehen bevor, da unternimmt man mal so ein kleines wahltaktisches Manöver. Das Ministerium wird sein “Einvernehmen” sowieso verweigern, spätestens wenn die Wolfsfreunde protestieren. Die nächsten vier Jahre kann man die Schafhalter dann wieder ihrem Schicksal überlassen.

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