Baden-Württemberg: Sorge um das Auerwild im Schwarzwald

Noch gibt es sie, die großen, schwarz glänzenden Hähne mit den markanten roten „Augenbrauen“, die an Balzplätzen im Schwarzwald ab März um ihre bräunlich gefiederten Hennen werben. Aber es werden weniger: nur noch knapp 250 Auerhähne und ähnlich viele Hennen tummeln sich im Schwarzwald, davon gehen Experten nach der diesjährigen Frühjahrszählung aus. „Auch wenn die exakte Zahl der scheuen Vögel zwar nie ganz genau erfasst werden könne, sei durch die einheitliche Methodik der Trend der Bestandsentwicklung seit dem Beginn der Erhebungen im Frühjahr 1971 recht gut ablesbar“, erläutert Klaus Lachenmaier, Wildtierexperte beim Landesjagdverband Baden-Württemberg (LJV) : „Wir sorgen uns um die weitere Entwicklung des Auerwilds im Schwarzwald, da der leichte Anstieg der Population bis zum Jahr 2012 sich leider in einen Abwärtstrend verwandelt hat. 243 Hähne sind dieses Frühjahr von Jägern und Förstern an den Balzplätzen beobachtet worden.“


Die seit drei Jahren sinkende Population macht den Jägern Sorgen. Negativ für die empfindlichen Auerhühner ist die erheblich zunehmende touristische Erschließung entlegener Waldgebiete durch E-Bike und Mountainbike, durch neue Natur- und Erlebnissportarten, Geocaching und neue Wintersportarten. Hinzu kommen Mountainbikerennen, Ultramarathons, Hundeschlittenrennen – sogar Großfeuerwerke werden ohne Rücksicht auf Schutzgebiete und Wildtiere geplant. Weitere Lebensraumverluste und Störungen drohen durch Windkraftanlagen, Pumpspeicherkraftwerke und nicht zuletzt die Waldbewirtschaftung mit ihrer anhaltenden Tendenz zu dichten Beständen. Zumindest im Staatswald erwartet der LJV weiterhin große Anstrengungen in der Lebensraumpflege. Forst BW hat in vielen Bereichen des Schwarzwaldes eine große Verantwortung für den Erhalt des Auerhuhns und durch den Aktionsplan Auerhuhn auch die Handhabe für adäquate Maßnahmen.

Die Jäger bemühen sich die seit 1971 nicht mehr bejagte Vogelart zu erhalten. Gemeinsam mit den Förstern zählen sie im Frühjahr. Die Schwarzwälder Jägerschaft hat sich bereits vor 30 Jahren zum Schutz der Auerhühner organisiert und hilft durch intensive Fuchsbejagung den seltenen Vögeln. Vier Hegeberater des Landesjagdverbandes, die sich in einem Projekt des LJV auch um die sinnvolle Verwertung von Pelzen kümmern, unterstützen die Revierpächter vor Ort. Wildbiologe Lachenmaier schätzt, dass es heute mehr als dreimal so viele Füchse gibt wie Ende der 1980er Jahre. Der Vermehrung der Füchse steht ein starker Rückgang der Auerhühner im gleichen Zeitraum gegenüber.

Hintergrund:
Der Aktionsplan Auerhuhn bildet die Grundlage für die gemeinsamen Anstrengungen zum Erhalt der Auerhühner. Bei der Mitgliederversammlung der Auerwildhegegemeinschaft (AHG) im Regierungsbezirk Freiburg am 25.7. in Menzenschwand stellte der Vorsitzende Dr. Gerrit Müller gemeinsam mit dem Koordinator für den Regierungsbezirk Karlsruhe, Klaus Roth, die aktuellen Zahlen vor.

243 Hähne waren von den für das Monitoring verantwortlich zeichnenden Jägern und Förstern an den Balzplätzen beobachtet worden. Dies sind 7% weniger als im Vorjahr und 23% weniger als im Jahr 2012, das am Ende einer 8-jährigen Periode mit einer stabilen Population von gut 300 Hähnen stand. „Der aktuelle Rückgang liegt noch im Rahmen von natürlichen Schwankungen der Population“, so die beiden Koordinatoren der Balzplatzzählungen Roth und Müller, „aber der Langzeittrend ist negativ und die Probleme für Auerhühner haben sich trotz des Aktionsplans Auerhuhn des Landes leider vergrößert.“

Auch die letzte Lebensraum-Erhebung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Zusammenarbeit mit AHG und den Auerwildhegeringen im gesamten Schwarzwald zeigte 2013 einen Lebensraumverlust von 15 % im Vergleich zur regelmäßigen Verbreitungsfläche der Raufußhühner von 2008.
Die Inhalte des Aktionsplans Auerhuhn und Aktionen rund um den Urvogel des Schwarzwaldes werden beim Auerhuhntag am 26. und 27.September in Todtnauberg vorgestellt. PM LJV BW

Weitere Informationen hierzu: www.landesjagdverband.de.

Beitragsbild: Balzender Auerhahn, Copyright: Erich Marek, Quelle: LJV BW

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