Baden-Württemberg: Reh mit Kantholz erschlagen

Für Diskussionen sorgt die Tötung eines verletzten Rehs in Titisee-Neustadt: Das vermutlich angefahrene Tier hatte sich am 12.02. in den Hof eines Wohnhauses geschleppt. Es war augenscheinlich an der Schulter schwer verletzt und versuchte vergeblich, auf die Läufe zu kommen und “sich weiterzuschleppen”, wie die Badische Zeitung schreibt. Ein Anrufer, dem Bericht zufolge gelernter Tierpfleger, entdeckte das Tier und rief die Polizei, nachdem er bei Feuerwehr und Forst keinen Erfolg hatte. Die Polizeibeamten hielten jedoch wegen der nahen Wohnbebauung und des harten Bodens einen Schuss aus der Dienstwaffe zwecks Erlösung des Tiers für zu riskant. Da die Polizei den zuständigen Revierinhaber nicht erreichten, erinnerten sich die Beamten eines Bauhofmitarbeiters, der Jäger und Revierpächter sei. Dieser sei mit einem Fahrzeug des städtischen Bauhofs angerückt und habe das Reh mit einem Kantholz erschlagen.

Soweit besteht Einigkeit hinsichtlich des Hergangs, im Folgenden differieren die Schilderungen durch den Anwohner und die Polizei. Während der Anwohner behauptet, der Bauhofmitarbeiter habe “fünf, sechs Mal” auf den Kopf des Rehs “eingeschlagen, bis alles blutig” gewesen sei und das Reh habe in dem blauen Plastiksack, in den es dann gestopft worden sei, noch gezuckt, erklärt der zuständige Leiter des Polizeireviers gegenüber der Zeitung, das Reh sei nach “zwei dumpfen Schlägen” sofort tot gewesen. Da ein Fangschuss nicht möglich gewesen sei, habe man das Reh auf andere Weise so schnell und so schmerzlos wie möglich töten müssen, der Jäger “habe gewusst, was er tat.”

Mehr als eine Woche später wird der Vorfall immer noch diskutiert. In einem Folgebeitrag in der Badischen Zeitung vom 21.02. verteidigt ein “Experte”- Jäger und pensionierter Polizist – das Vorgehen des Jägers: Einen Fangschuss hätte auch der Jäger aus Sicherheitsgründen nicht abgeben können, beim Abfangen mit dem Messer hätte das Stück vermutlich laut geklagt und wäre auch nicht schneller gestorben. Alle Alternativen wie der Transport zum Tierarzt oder abzuwarten, bis dieser vor Ort eintrifft, hätten das Leiden des Tiers verlängert und vergrößert. SE

Beitragsbild: Kantholz. Foto: SE

 

 

3 Gedanken zu „Baden-Württemberg: Reh mit Kantholz erschlagen

  1. kilalli

    In einem “Amtstieräztlichen Gutachten” im Rahmen eines Gerichtsprozesses wurde sogar einmal der Schlag mit einem Radkreuz empfohlen:
    [Link entfernt, admin.]. Dann doch lieber Kantholz.

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  2. Grimbart

    Wie man es macht, macht man es verkehrt. Vorausgesetzt ein geeignetes Messer ist vorhanden, dann hätte ich Abfangen vorgezogen. “Knüppel auf den Kopp” wirkt für Außenstehende doch sehr brachial.

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