Baden-Württemberg: Nachtzieloptik auf Zeit?

Die Ankündigung des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums (MLR), die Verwendung von Nachtsicht- und Wärmebild-Vorsatzgeräten für Zielfernrohre “zeitlich befristet und örtlich begründet” zuzulassen, hat für Verwirrung unter Jägern gesorgt: Wer kauft sich ein teures Vorsatzgerät, wenn er es nur zeitlich befristet nutzen kann? Wir haben nachgefragt.

„Die im Rahmen unseres 12-Punkte-Maßnahmenkatalogs festgelegten Punkte zum Schutz unserer Haus- und Wildschweinbestände vor der Afrikanischen Schweinepest werden Zug um Zug umgesetzt. Ab heute treten die Erleichterungen für eine effektive und dringend notwendige Absenkung der hohen Schwarzwildbestände in Kraft“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Donnerstag (1. März) in Stuttgart. Ab sofort kann Schwarzwild auf ganzer Fläche auch in den Monaten März und April bejagt werden. Die Regelung sei befristet bis zum 28. Februar 2019. Eine entsprechende Durchführungsverordnung sei in Kraft getreten. Auch wenn Schwarzwild nun grundsätzlich ganzjährig bejagt werden dürfe, sei der Schutz der zur Aufzucht der Jungtiere notwendige Elterntiere zu beachten. Darüber hinaus seien die jagdrechtlichen Schranken für die Verwendung bestimmter Nachtsichtoptiken gefallen, heißt es in einer Pressemitteilung des MLR vom heutigen Tag.

Nachtsichtoptik vorerst im Rahmen von Einzelfallprüfungen

Auch die Verwendung der Nachtsichtoptik sei mit Einschränkungen verbunden, heißt es darin weiter: „Baden-Württemberg hat auf der Ebene der jagdrechtlichen Vorschriften den Weg für die Verwendung von sogenannten Nachtsichtvorsätzen und Nachtsichtaufsätzen freigemacht. Waffenrechtlich bleibt das Verbot auf Bundesebene jedoch weiterhin bestehen“, erklärte Hauk. Die Jäger könnten sich im Einzelfall durch die unteren Jagdbehörden für den Einsatz dieser Nachtsichttechnik zeitlich befristet und örtlich begründet beauftragen lassen. Diese Beauftragung richte sich auch nach den örtlichen Gegebenheiten und könne durch die untere Jagdbehörde befristet erfolgen.

Während Nachtzielgeräte nach dem Waffengesetz verbotene Gegenstände darstellen, gilt dies nicht für Vorsatzgeräte, die zum Beispiel als Wärmebildkamera – also im jagdlichen Zusammenhang zum Aufspüren und Ansprechen von Wild – genutzt werden können. Deren Besitz ist nicht strafbar, nur die Verwendung als Vorsatzgerät fürs ZF. Mit der Änderung der landesrechtlichen Vorschriften – des baden-württembergischen Jagd- und Wildmanagementgesetzes und der entsprechenden Durchführungsverordnung – wurde die Möglichkeit geschaffen, diese Vorsatzgeräte legal einzusetzen. “Diese Änderungen gelten auch dauerhaft”, betont ein Sprecher des MLR gegenüber JAWINA. Wirklich legal wird deren Einsatz aber erst mit der behördlichen Beauftragung – und diese ist befristet und auf ein festgelegtes Einsatzgebiet beschränkt. Und natürlich kann eine solche Beauftragung auch auslaufen oder widerrufen werden. Die Investition in Nachtsichttechnik bleibt somit risikobehaftet.

„Die Regelungen zum jagdlichen Einsatz von Nachtsichtvorsätzen und -aufsätzen sind momentan noch nicht optimal”, räumt das MLR denn auch ein: “Da das Waffenrecht jedoch dem Bund unterliegt, sind uns vorerst ein Stück weit die Hände gebunden. Wir sehen den Bund in der Pflicht, den Weg für die optischen Erleichterungen bei der Nachtjagd auch aus waffenrechtlicher Sicht freizumachen“, betonte Hauk. Baden-Württemberg werde sich auf Bundesebene dafür stark machen, zeitnah eine entsprechende Änderung des Waffenrechts vorzunehmen.

Das Ministerium informiert die Verbraucher ab heute auch im Internet und in den sozialen Medien über Verhaltensregeln gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Diese Informationen finden sich unter

https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unser-service/mediathek/media/mid/minister-peter-hauk-mdl-zur-afrikanischen-schweinepest/ sowie unter https://www.youtube.com/watch?v=N-V4_tBjZzA.

Hintergrundinformationen:

Den gesamte 12-Punkte-Maßnahmenkatalog sowie die wichtigsten Fragen und Antworten für Landwirte, Jäger und die Bevölkerung finden Sie auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/tierschutz-tiergesundheit/tiergesundheit/tierkrankheiten-tierseuchen-zoonosen/afrikanische-schweinepest/. PM/SE

Beitragsbild: Rotte Sauen durch Wärmebildkamera betrachtet. Foto: privat

 

2 Gedanken zu „Baden-Württemberg: Nachtzieloptik auf Zeit?

  1. konservativer Jäger

    Dieses Papier ist ein Beamten-Plazebo, denn die Jäger jagen schon seit Jahrzehnten mit künstlichen Lichtquellen und (verbotener!) Nachtsichttechnik, wie sonst erklären sich
    in manchen kommunalen Revieren Schwarzwildstrecken von jenseits der 50 Stück/JJahr und Jäger? Mit Sitzfleisch ist das nicht zu erklären. Und wurde und wird der Schwarzwildbestand signifikant reduziert? Mit mehr Ehrlichkeit der Jägerschaft untereinander und konsequentem Handeln der Jagdverbände wäre dem Schwarzwild besser gedient. Die ASP kommt sowieso, und wir wissen inzwischen auch auf welchem Weg, nämlich dem Straßenweg.

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  2. Tom Vogt

    Hallo, vielen Dank für diesen tollen Artikel
    es ist gut zu wissen, dass Nachtzielgeräte per Gesetz verboten sind. Da sind Wärmebildkameras schon eine gute Sache. Gerade zum Aufspüren des Wilds sehr hilfreich. Ich bin am Überlegen ob welches Modell ich mir zulegen soll, evtl. die [Markenname entfernt, admin.]. Ich werde mich darüber nochmal genauer informieren.

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