Baden-Württemberg: Jagdgesetzänderung im Hauruck-Verfahren

+++ Brandenburg: Hauruck-Verfahren auch beim Brandenburger Landesjagdgesetz +++ 

LJV ist nicht mit allen Neuregelungen einverstanden

Der Landtag von Baden-Württemberg hat heute das Gesetz zur Änderung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes mit den Stimmen der Regierungskoalition verabschiedet.

„Das Gesetz enthält einige Änderungen, die dem Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. wichtig sind. So begrüßen wir die Einführung von Stadtjägern sowie eines elektronischen Wildtierportals, die Regelungen zur Kostentragung im Wildschadensverfahren und die Einführung einer grundsätzlichen Verpflichtung von Landwirten zur Erleichterung der Bejagung und Verhütung von Wildschäden. In anderen Teilen sind wir aber über Änderungen, vor allem wie sie zustande gekommen sind, enttäuscht“, so Landesjägermeister Dr. Friedmann.

Ärgerlich für den Verband ist besonders, dass der Gesetzentwurf mit zwei kleinen Änderungsvorschlägen in einer Sondersitzung des Agrarausschusses nahezu diskussionslos „durchgewunken“ wurde. Die sachlich begründeten Einwände und Änderungsvorschläge des LJV wurden im parlamentarischen Verfahren kaum berücksichtigt. Ärgerlich für den Verband ist zudem, dass Ergebnisse langwieriger Sitzungen mit anderen Verbänden unter ministerieller Zustimmung im Vorfeld des Verfahrens beim Gesetzentwurf außen vor geblieben sind.

Mit großer Sorge sieht der Verband vor allem die Verlegung der allgemeinen Jagdruhezeit von Mitte Februar bis Mitte April. „Sie dient angeblich nicht dazu, die Bejagung von Rehwild weiter zu forcieren, aber mit der Verschiebung erweist das Land dem Artenschutz einen gewaltigen Bärendienst“ warnt Dr. Friedmann.

Zur Unterstützung des bedrohten Auerwildes im Schwarzwald und von Offenlandarten wie Rebhuhn, Feldhase oder Kiebitz ist die Bejagung von Beutegreifern im Winter wichtig, damit in der Brut- und Aufzuchtzeit der Druck auf diese Arten geringer ist. Der LJV befürchtet, dass mit der neuen Schonzeitregelung Bemühungen von Landwirten, Naturschützern und Jägern zum Erhalt der Artenvielfalt im Offenland („Allianz für Niederwild“), an der übrigens auch das Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz beteiligt ist, einen Rückschlag erleiden. PM LJV BW

Beitragsbild: Jagd (Symbolbild). Foto: SE

2 Gedanken zu „Baden-Württemberg: Jagdgesetzänderung im Hauruck-Verfahren

  1. RK

    Es lebe die links-grüne Ideologie. Wissenschaftliche Erkenntnisse, nur wenn es einem in den Kram passt und wenn das Ergebnis nicht passt (Schalenwildreduktion), wird auch nicht wissenschaftlich agiert. Peinlich, v.a. die fehlende Diskussion und Berücksichtigung der Vorarbeit der Verbände und Experten.

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  2. Ralf

    Auch ich finde, wie mein Vorkommentator RK auch, die leider “linksgrün” zu nennende Politik sehr kurzsichtig! Das beweist wieder einmal, dass Politik aus der Mitte kommen muss, in der sich offensichtlich die Grünen (und die Linken) nicht wirklich zu bewegen scheinen.
    Wenn nur noch ein totes Reh ein “gutes” Reh ist, dann kann man schon den Eindruck bekommen, dass etwas schief läuft. Wenn allerdings die Beutegreifer nicht mehr im Winter dezimiert werden dürfen, dann wird der Begriff “Hege” ad absurdum geführt!
    Es sagt einem die Logik: Natürlich wird die Zahl z.B. von Füchsen abnehmen, wenn deren Beutetiere weniger vorhanden sind. Aber will man das wirklich? Ich meine NEIN!
    Wir können es drehen wie wir wollen. Wenn man das Niederwild fördern will, dann sind Beutegreifer schlicht und ergreifend zu entnehmen- wie es einst Erhard Brütt Brütt auf einer Versammlung bei uns verkündet hatte! Was bringen Auswilderungsaktionen von z.B. selbst mit so wenig Menscheneinfluss wie irgend möglich aufgezogenen Fasanen, wenn die Füchse nicht bejagt würden? Nichts!
    Die Hasseröder Brauerei, die die Auswilderung von Auerhähnen im Harz förderte, forderte, dass die Füchse zu schießen seien. Was passierte? Die Füchse wurden im Harz nicht geschossen, das Auerwild wurde komplett weggefressen und Hasseröder zog sich aus der Förderung zurück! Toll!
    Aber vielleicht will man ja im Staatsforst u.ä. keine Füchse mehr schießen lassen, damit die Räude (und vielleicht auch die im Osten noch vorhandene Tollwut- wieviel Kilometer kann ein Wolf nachgewiesener Maßen der Vergangenheit auch mit Tollwut pro Tag machen? In anderthalb Tagen 150 km sind dokumentiert, vgl. Beiträge zur Jagd- und Wildtierforschung, Band 33, S. 351) zunimmt, die dann wiederum die (nicht mehr so seltenen) Wölfe dezimieren kann? Man weiß es nicht. Und schon gar nicht aus meiner Froschperspektive betrachtet. Andere bekommen dafür Geld. Und das nicht wenig…

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